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Vereinsleben: Das Ehrenamt ist unter Druck

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Damit die Vereine - wie hier der Ruderverein in Hoyer – laufen, bedarf es Menschen, die sich freiwillig engagieren (Archivfoto).

Ehrenamtliche Arbeit ist essenziell für Vereine, doch immer weniger Menschen sind vermeintlich bereit, sich langfristig zu engagieren. Häufig hat das auch finanzielle oder zeitliche Gründe. Trotz dieser Herausforderungen ist der Jugendverband bemüht, Vereinen Werkzeuge und Unterstützung zu bieten, um das Ehrenamt zu fördern und auch künftig am Leben zu erhalten.

Die Platzpflege, die Instandhaltung der Vereinskasse oder die Ausarbeitung eines Termin- und Trainingsplans, viele der wichtigsten Aufgaben in Vereinen werden beinahe ausschließlich durch das Ehrenamt abgedeckt und am Laufen gehalten. Es bildet somit einen wichtigen Grundstein und die Basis jedes Vereinslebens.

Das Ganze kann aber nur so fortgeführt werden, wenn es immer wieder engagierte Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche gibt, die sich der Aufgabe annehmen.

Auch der Jugendverband beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema. Laut Verbandsleiter Thore Naujeck liegt es am Verband, den Vereinen Werkzeuge an die Hand zu geben, um Ehrenamtliche zu halten oder anzuwerben.

„Einmal im Jahr setzen wir uns mit den Vereinsvertretern aus der Region zusammen und sprechen über das Thema. Wir geben ihnen Beispiele, wie sie neue Ehrenamtliche einweisen können, geben Fortbildungsmöglichkeiten und sind auch gerne bereit, Unterstützung finanzieller Natur für beispielsweise Trainerscheine bereitzustellen.“

Der Förderverein verfügt über einen Innovationstopf, der für Vereine und Fortbildungen beansprucht werden kann. Die Vereine müssen für diese finanziellen Mittel Anträge stellen.

Finanzielle Unterstützung als Motivation

In den vergangenen Jahren kam das Gefühl auf, dass das Ehrenamt „im Sterben liegt“. Zu wenige Freiwillige können gefunden werden, die ihre Zeit und Arbeit unentgeltlich zum Wohle des Vereins nutzen wollen.

Das stellt ein Problem dar: Denn wenn es keine Betreuerinnen und Betreuer mehr gibt, können auch keine Mannschaften organisiert oder gar ein Spielbetrieb aufrechterhalten werden.

Besonders bei den Jugendlichen fällt auf, dass sich immer weniger bereiterklären, eine ehrenamtliche Position zu übernehmen.

Das ist auch dem Jugendverbandsleiter nicht entgangen. Er beobachtet diese Entwicklung mit Bedenken: „Ohne Geld geht es dort meist gar nicht mehr. Der monetäre Anreiz ist klar eine Sache, mit der man sich beschäftigen muss. Das finde ich schade, weil die Arbeit dem Verein und der Gesellschaft hilft und einem persönlich auch viele positive Aspekte bringt.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Lucie Junge. Die 18-jährige Hamburgerin ist seit August Leiterin des Kleinkinderturnens Trille Trolle beim MTV Apenrade.

Auch sie bemerkt, dass ihre Mitschüler nur schwer für eine solche Aufgabe zu begeistern sind: „Ich kenne nicht so viele, die auch so etwas machen. Viele wollen auch nicht so viel Zeit in so etwas investieren. Das finde ich sehr schade, weil die Arbeit echt Spaß macht und einen auch persönlich weiterbringt. Ich denke, wenn mehr Geld da wäre, dann würden es auch mehr Leute machen.“

Nur wenige junge Leute engagieren sich ehrenamtlich in den Sportvereinen so wie Lucie (Mitte)

Lucie selbst bekommt laut eigener Aussage eine geringfügige Aufwandsentschädigung.

Das Ehrenamt bleibt die Zukunft

Aber nicht nur bei den Jüngeren hakt es, sondern auch bei den Eltern. Hierbei sind viele Eltern kindergebunden und engagieren sich nur so lange, wie auch das Kind im Verein aktiv ist.

Trotz alledem sieht Thore Naujeck keine Entwicklung dahin, dass das Ehrenamt am Sterben ist: „Wenn man sich die jüngsten Studien anschaut, dann sieht man, dass das Ehrenamt zahlenmäßig nicht so schlecht dasteht, wie gesagt wird. Ich denke auch nicht, dass das Ehrenamt am „Sterben“ ist. Es hat sich halt mit der Gesellschaft entwickelt und daran müssen und wollen wir uns anpassen“, so der Jugendverbandsleiter.

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