Wirtschaft

Grenzhandel auf Weg zurück zum Vorkrisen-Niveau

Grenzhandel auf Weg zurück zum Vorkrisen-Niveau

Grenzhandel auf Weg zurück zum Vorkrisen-Niveau

cvt
Apenrade/Aabenraa
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Fleggaard in Harrislee Anfang Juni: Auch für Kunden aus Dänemark besteht die Pflicht zum Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung. Foto: Karin Riggelsen

Supermärkte auf der dänischen Seite der Grenze fordern Maßnahmen, nachdem Kunden aus Dänemark wieder in Deutschland einkaufen dürfen – und dies auch tun. Dosenpfand und niedrigere Abgaben sollen es richten.

Die Grenzhandelsmärkte Fleggaard, Otto Duborg und Poetzsch verzeichnen nach der deutschen Grenzöffnung im Juni Kundenzahlen wie vor der Corona-Krise. Das berichtet „Danmarks Radio“.

Laut Bernd Christiansen, der sowohl Otto Duborg als auch Poetzsch leitet, seien in den ersten Tagen nach Grenzöffnung mehr Kunden gekommen als im Juni 2019.

Verkaufszahlen in Dänemark gehen wieder zurück

Für die Supermärkte auf der dänischen Seite der Grenze bedeutet dies nach einigen ertragreichen Monaten ohne Grenzhandel, dass die Verkaufszahlen zurückgehen. Laut „Danmarks Radio“ ist dies sowohl bei den Läden der Salling Group, bei den Coop-Märkten als auch bei Rema 1000 der Fall.

Coop, unter anderem Betreiber von SuperBrugsen und Fakta, gab dem öffentlich-rechtlichen Sender sogar Zahlen: Um 16 bis 32 Prozent sei der in der Corona-Krise angestiegene Umsatz bisher wieder zurückgegangen. Besonders bei alkoholischen Getränken und Süßigkeiten. Im Grenzland sei der Rückgang noch deutlich drastischer, hier sei der Umsatz wieder auf das Vorkrisenniveau gefallen.

Løvbjerg
„Auf der richtigen Seite der Grenze“: Supermärkte wie hier Løvbjerg in Apenrade versuchen, an den Gemeinschaftssinn der Kunden zu appellieren, damit sie auf der dänischen Seite der Grenze einkaufen. Foto: cvt

Supermärkte fordern politische Maßnahmen

Supermarktbetreiber in Dänemark fordern deshalb nun, dass das Pfandproblem endgültig gelöst wird. Bisher sind Getränkedosen im Grenzhandel für Kunden aus den nordischen Staaten pfandfrei erhältlich. Seit etwa 25 Jahren wird von dänischer Seite auf eine Lösung gedrängt. Im Jahr 2018 haben dänische Bürger rund 600 Millionen pfandfreie Getränkedosen im Grenzhandel gekauft.

Der Interessenverband „De Samvirkende Købmænd“ (DSK) hat bereits im Juni angesichts der Entwicklung an die Politik appelliert. Die Zahlen sprächen für sich, so der Verkaufsleiter der Spar-Märkte in Mitteljütland, Martin Korsholm, in einer Pressemitteilung des Verbandes. „Sie sind ein Augenöffner in Bezug auf den tatsächlichen Umfang des Grenzhandels. Einige Geschäfte haben dreimal so viel Bier wie gewöhnlich verkauft, als die Grenze geschlossen war“, sagt er. Und die Kunden, die die Getränke kaufen, kauften dann auch gleich andere Waren in den Märkten, heißt es bei DSK.

Drastische Unterschiede in der Besteuerung

„Die Steuern auf Bier sind in Dänemark 3,5 mal so hoch wie in Deutschland. Unsere Nachbarn im Süden haben auch keine Abgaben auf Süßigkeiten und Wein. Es wird für die Dosen kein Pfand bezahlt und die Mehrwertsteuer für Lebensmittel wird auf jetzt fünf Prozent im Vergleich zu 25 Prozent in Dänemark gesenkt“, sagt DSK-Vizedirektor Claus Bøgelund Nielsen.

Auch die jüngst erhöhten Steuern auf Tabakwaren machen dem Verband Sorgen, da so ein weiterer Anreiz geschaffen worden sei, im Grenzhandel einzukaufen, auch für Kunden, die weit entfernt vom Grenzland leben.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Aarhus-Geschichten“