Coronavirus

Testpflicht für Kinder - jeder sagt etwas anderes

Testpflicht für Kinder - jeder sagt etwas anderes

Testpflicht für Kinder - jeder sagt etwas anderes

Naomi Stieglmaier
Apenrade/Aabenraa
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Das Thema Testpflicht für Kinder sorgt für große Verwirrung. Foto: Sara Wasmund

Grenzpendler aus Deutschland müssen sich seit dem 11. Januar 2021 einmal die Woche auf das Coronavirus testen lassen. Für Kinder gelten andere Regeln. Nur welche, das scheint nicht immer klar zu sein. Doch das Thema ist in Kopenhagen zumindest angekommen.

Sarah Stolzke und ihre Familie leben in Deutschland. Sie ist Abteilungsleiterin des Deutschen Kindergartens Gravenstein. Ihre vierjährige Tochter besucht einen Kindergarten in Dänemark. Als vergangenen Freitag die neuen Corona-Richtlinien für Grenzpendler bekannt wurden, ließ sich die Familie kurzfristig auf Covid-19 testen.

Am Montag dann das Chaos. Sarah Stolzke berichtet: „Ich stand mit meinen ganzen Papieren an der Grenze, und der Polizist fragte mich, warum ich meine Tochter testen lasse." Laut dem Polizeibeamten müssen erst Kinder ab zwölf Jahren einen Corona-Test vorlegen. Nach Sarah Stolzkes Aussagen sagte aber eine Mitarbeiterin der Corona-Hotline der dänischen Polizei, dass Kinder ab zwei Jahren beim Überqueren der Grenze ein negatives Ergebnis nachweisen müssen. Was denn nun?

Ich stand mit meinen ganzen Papieren an der Grenze, und der Polizist fragte mich, warum ich meine Tochter testen lasse.

Sarah Stolzke

„Für mich war dann die Sache abgehakt, einmal die Woche lasse ich meine Tochter testen", erzählt die Abteilungsleiterin. Eine Stunde später bekam sie einen Anruf vom Kindergarten ihrer Tochter, eine Familie sei bei Krusau (Kruså) von den Grenzpolizisten abgewiesen worden, weil das Testergebnis ihres Kindes mehr als 24 Stunden alt war.

Schule oder Kindergarten seien keine „triftigen Gründe", um die Grenze zu überqueren. Deshalb müssen Kinder und Schüler jeden Tag einen neuen negativen Covid-19 Test mitbringen. Laut Stolzke komme es wirklich darauf an, mit wem man spreche, jeder sage etwas anderes. An einigen Grenzübergängen werde man nicht hereingelassen, andere Grenzbeamte kontrollieren gar nicht.

Meine Tochter hat sich tapfer geschlagen, aber ich würde ihr das nicht jeden Tag zumuten. Da würde ich dann eher versuchen, mich von der Arbeit freistellen zu lassen.

Sarah Stolzke

Es sei wirklich verwirrend. Sarah Stolzke weiß nicht, auf wen sie hören und wem sie vertrauen soll. Außerdem denkt sie, ständiges Testen ist nicht gut für das Kindeswohl. „Meine Tochter hat sich tapfer geschlagen, aber ich würde ihr das nicht jeden Tag zumuten. Da würde ich dann eher versuchen, mich von der Arbeit freistellen zu lassen“, erzählt sie.

Am Donnerstagabend bezog Jesper Petersen, politischer Sprecher der regierenden Sozialdemokraten, im „Nordschleswiger” Stellung zum Thema: Seiner Ansicht nach müssen die Testanforderungen für Kinder flexibler werden. „Ich denke, das ist klar, nachdem ich die Beispiele der vergangenen Tage mit Kindern gesehen habe, die in einen dänischen Kindergarten oder eine dänische Krippe gehen und täglich einen Test machen müssen. Einreisebeschränkungen sind als Beitrag im Kampf gegen Corona notwendig. Die Regierung hat auch bei der jüngsten Verschärfung der Regeln das Grenzland beachtet und bei Grenzpendlern die Testhäufigkeit herabgesetzt. Dies muss sich jetzt auch in den Bedingungen für Kinder widerspiegeln, die oft oder sogar täglich die Grenze überqueren. Ich weiß, dass der Justizminister die Sache gerade untersucht.”

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