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Dänemark braucht mehr Hausärztinnen und Hausärzte in der Fläche

Dänemark braucht mehr Hausärztinnen und Hausärzte in der Fläche

Dänemark braucht mehr Hausärztinnen und Hausärzte

ghe/Ritzau
Kopenhagen
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Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Allgemeinpraxen steigt weniger stark als die Anzahl entsprechender Fachkräfte, die in Krankenhäusern beschäftigt sind. Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

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Die Gesundheitsstrukturkommission ruft zu einem Gipfel und veröffentlicht gleichzeitig eine Analyse zu den Herausforderungen des Gesundheitssystems. Diese zeigt, dass vor allem praktizierende Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner fehlen. Das lokale Gesundheitssystem müsse daher gestärkt werden, heißt es.

Derzeit sind weitaus mehr Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern beschäftigt als in der Allgemeinmedizin. Das hat Folgen für die Versorgung der Menschen. Das geht aus einer neuen Analyse der Gesundheitsstrukturkommission hervor, die sich mit den Herausforderungen des Gesundheitssystems befasst.

Die Zahlen zeigen, dass die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern und in der Allgemeinmedizin in den vergangenen 20 Jahren unterschiedlich stark zugenommen hat. Deutlich mehr Krankenhausärztinnen und -ärzte gab es von 2003 bis 2020, wo die Zahl um 68 Prozent zunahm. Das bedeutet einen Anstieg um rund 8.000 auf 19.000 im Jahr 2020.

Im selben Zeitraum ist die Zahl der Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner um 21 Prozent – rund 800 – auf insgesamt 4.400 gestiegen.

Kommission: Kurswechsel erforderlich

Die Gesundheitsstrukturkommission wurde eingesetzt, um einen Vorschlag für das Gesundheitssystem der Zukunft zu erarbeiten. Und so ist nach Ansicht des Vorsitzenden der Kommission, Jesper Fisker, ein Kurswechsel erforderlich.

„Wir können stolz auf unser Gesundheitssystem sein, aber es ist ein fragiler Ort. Die Analyse zeigt, dass es große Probleme mit fragmentierten Patientenverläufen (patientforløb) und Ungleichheit gibt.“ Laut Fisker würden diese Herausforderungen in Zukunft noch zunehmen, wenn der Kurs nicht geändert würde. „Wir können uns nicht durch Rekrutierung aus den Problemen herauswinden“, sagt der Vorsitzende. Man könne außerdem nicht weiter verlangen, dass die Patientinnen und Patienten sich selbst um ihren Behandlungsverlauf kümmern. 

Lokales Gesundheitssystem stärken

„In Zukunft müssen andere Prioritäten gesetzt werden, da die Bevölkerung immer älter wird und viele gleichzeitig an mehreren Krankheiten leiden“, heißt es in der Analyse. „Gebrechlichen und älteren Patientinnen und Patienten kann im lokalen Gesundheitssystem besser geholfen werden, da sie dort am längsten in ihrem eigenen Zuhause bleiben können“, so Fisker, der auch Geschäftsführer der Dänischen Krebsgesellschaft ist. 

Es sei von entscheidender Bedeutung, dass das lokale Gesundheitssystem so entwickelt wird, dass es für die Zukunft gerüstet ist.

Laut der Analyse wird es bis 2045 40 Prozent mehr Menschen geben, die mit allen Teilen des Gesundheitssystems in Kontakt kommen. Außerdem wird festgestellt, dass in Dänemark im Vergleich zu anderen Ländern ein wesentlich größerer Anteil der Gesundheitsausgaben auf Krankenhäuser entfällt. 

Mehr ärztliches Fachpersonal in Krankenhäusern

Laut „Jyllands-Posten“ zeigen die von der Gesundheitsstrukturkommission erhobenen Daten, dass es in Dänemark 3,28 Krankenhausärztinnen und -ärzte pro 1.000 Einwohnende gibt. Das sind dreimal so viele wie in den Niederlanden und mehr als doppelt so viele wie in England. Gleichzeitig gebe es weniger Allgemeinmediziner pro 1.000 Einwohnende.  

Jesper Fisker
Jesper Fisker (Archivfoto). Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Drei Hauptprobleme im Gesundheitswesen

In einer neuen Analyse identifiziert die dänische Gesundheitsstrukturkommission drei wesentliche strukturelle Herausforderungen im dänischen Gesundheitssystem:

  1. Unklare Verantwortung für den gesamten Patientenverlauf (patientforløb): Es mangelt an einer Gesamtverantwortung und Kohärenz der Patientenverläufe zwischen Krankenhäusern, Kommunen und Allgemeinpraktizierenden.
  2. Ungleichgewicht zwischen dem lokalen und dem spezialisierten Gesundheitssystem: Veränderungen im Krankheitsbild erfordern eine neue Priorisierung von Initiativen im lokalen Gesundheitssystem.
  3. Ungleiche Verteilung der Gesundheitsdienste: Der Bedarf an und der Zugang zu Gesundheitsdiensten ist landesweit unterschiedlich.

Quelle: Sundhedsstrukturkommissionen

Gipfel zur Zukunft der Gesundheitsversorgung

Am Freitag findet ein von der Kommission organisierter Gesundheitsgipfel statt, um über die Zukunft der Gesundheitsversorgung zu diskutieren. Unter anderem wird Gesundheitsministerin Sophie Løhde (Venstre), die die Kommission ins Leben gerufen hat, eine Rede halten.

„Jyllands-Posten“ sagte sie, dass die Allgemeinpraktizierenden sowohl heute als auch in Zukunft eine Schlüsselrolle im Gesundheitssystem spielen. „Derzeit gibt es in Dänemark die wenigsten Ärztinnen und Ärzte an den Orten, an denen es die meisten kranken Menschen gibt. Das ist natürlich unhaltbar“, so Løhde. Die ärztliche Versorgung sei daher laut Kommission eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitssystem der Zukunft. 

Gebrechlichen und älteren Patientinnen und Patienten kann im lokalen Gesundheitssystem besser geholfen werden, da sie dort am längsten in ihrem eigenen Zuhause bleiben können.

Jesper Fisker

Die Diagnose der Herausforderungen wird sowohl von den dänischen Regionen, die die Krankenhäuser betreiben, als auch vom dänischen Kommunalverband (Kommunernes Landsforening, KL), der für die häusliche Krankenpflege und die Rehabilitation außerhalb der Krankenhäuser zuständig ist, geteilt.

Vorschläge von Kommunalverbänden und Regionen

Allerdings haben die beiden Organisationen unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Herausforderungen zu lösen sind. In einem neuen Vorschlag will KL die sogenannten Gesundheitscluster stärken. Diese arbeiten zwischen Krankenhäusern, Allgemeinpraxen und Kommunen zusammen, um eine zusammenhängende Patientenversorgung zu gewährleisten.

Laut KL haben die Gesundheitscluster derzeit die Funktion einer Koordinierungsstelle. In Zukunft werden sie mehr Geld, mehr Aufgaben und mehr Verantwortung haben. Ziel ist es unter anderem, einen besseren Zugang zu Hausärztinnen und Hausärzten zu schaffen. 

In den dänischen Regionen wurde Ende November ein Vorschlag unterbreitet, wonach die gesamte Verantwortung für die Gesundheitsversorgung bei den Regionen liegen soll. „Uns fehlt ein einziger Motor, der die Entwicklung des lokalen Gesundheitssystems vorantreiben kann“, sagte Anders Kühnau (Soz.), Vorsitzender von Dankse Regioner. „Wir müssen die Verantwortung für alle Gesundheitsdienste, sowohl für die Krankenhäuser als auch für die lokalen Dienste, an einer Stelle bündeln.“

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