Corona-Grenzkontrollen

Jürgensen: Das Grenzland braucht eigene Regeln

Jürgensen: Das Grenzland braucht eigene Regeln

Jürgensen: Das Grenzland braucht eigene Regeln

dodo
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Der BDN-Hauptvorsitzende kann die derzeitigen Regeln an der Grenze nicht nachvollziehen. Foto: Karin Riggelsen

Dass ein deutscher Staatsbürger aus Dänemark dabei behindert wird, zu einem Arzttermin nach Flensburg zu kommen, ist für den Hauptvorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger nur der traurige Höhepunkt der undurchsichtigen Regeln, die derzeit an der Grenze herrschen.

Immo Doege, 83 Jahre alt, deutscher Staatsbürger und in Apenrade wohnhaft. Als dieser am Donnerstag zu seiner Augenbehandlung nach Flensburg fahren wollte, die ihn vor dem Erblinden bewahren soll, war zunächst, anders als die Male davor, kein Durchkommen. Erst nach der verbalen Auseinandersetzung mit verschiedenen deutschen Grenzbeamten und mit der Androhung einer Ordnungsstrafe durfte er die Grenze passieren.

Die Polizei verteidigt ihr Vorgehen, der Chef der deutschen Minderheit in Nordschleswig, Hinrich Jürgensen, kann darüber hingegen nur mit dem Kopf schütteln.

„Das finde ich wirklich lächerlich. Wenn man Deutscher ist, sollte man jawohl nach Deutschland einreisen dürfen“, so der BDN-Hauptvorsitzende.

Er habe Verständnis dafür, dass alles getan werde, die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus zu vermindern, aber das ergebe wirklich keinen Sinn, sagt er.

„Vor allem in diesem Fall, wo es um die Gesundheit geht, darf es gar kein Wenn und Aber geben. Selbst wenn die Richtlinien nicht eindeutig sind und es eine Grauzone gibt, sollte man als Grenzbeamter vielleicht gerade in so einem Moment ein Auge zudrücken.“

Jürgensen: Regeln wurden nicht zu Ende gedacht

Aus Jürgensens Sicht wurde die Sache mit der Grenzschließung in Nordschleswig nicht zu Ende gedacht. „Im Grenzland herrscht eine besondere Situation. Es gibt viele Familien, die auf beide Seiten der Grenze aufgeteilt sind. Jetzt dürfen Menschen ihre Geschwister oder kranken Eltern für unbestimmte Zeit nicht sehen.“

Dass man es unterbinden muss, dass Touristen aus anderen Bundesländern und anderen Teilen Dänemarks derzeit über die Grenze hin- und herfahren, könne er verstehen, aber für die Grenzlandbewohner ergebe eine geschlossene Grenze überhaupt keinen Sinn, meint Hinrich Jürgensen.

Gleiche Bestimmungen

„Die Corona-Bestimmungen sind auf beiden Seiten der Grenze gleich. Da ist es egal, ob ich von Tondern nach Apenrade oder von Tondern nach Flensburg fahre. Geschäfte und Restaurants haben überall geschlossen. Zumindest für die Bewohner im Grenzland sollte es möglich sein, sich frei zu bewegen. Das hätte man anders regeln müssen“, so der BDN-Hauptvorsitzende.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Ruhe an der Grenze“