Gesellschaft

Omi ist dement: Was nun?

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Alt und jung
Oftmals haben Großeltern und Enkel eine enge Beziehung. Wenn dann eine Demenz eintritt, kann das für große Verwirrung bei den jungen Menschen führen.

Für Kinder und Jugendliche ist es schwer zu verstehen, wenn die Großeltern sich plötzlich anders verhalten, als sie es gewohnt sind. Wenn die Demenz fortschreitet, verändert sich auch die erkrankte Person. Wie Eltern das am besten erklären können, berichtet eine Fachfrau.

„Demenz trifft die ganze Familie“, sagt Tanja Franck. Sie ist Demenzkonsulentin der Kommune Apenrade und kommt tagtäglich mit Menschen zusammen, die durch die Erkrankung betroffen sind: Erkrankte und vor allem deren Angehörige.

Vor allem seien es Lebenspartnerinnen und -partner, die den Weg in die kommunale Beratung finden, aber „inzwischen sind es auch die – meist – erwachsenen Kinder, die zu uns kommen“, berichtet Franck.

Auch Enkel sind betroffen

Enkelkinder seien wenige dabei, doch auch sie treffe es, wenn die Großeltern dement werden, stellt die Konsulentin fest.

Während Erwachsene es schon schwer haben, mit den Herausforderungen umzugehen, die eine Demenzerkrankung mitbringt, ist es für Kinder und Jugendliche noch schwerer zu verstehen, denn die Krankheit geht oft mit Persönlichkeitsveränderungen einher. Wichtig ist dann die Hilfe von Mutter und Vater.

Hilfe von verschiedenen Seiten holen

„Wir verweisen in solchen Fällen auf Material für die Eltern“, sagt Tanja Franck. So hat der dänische Alzheimerverein (alzheimer foreningen) auf seiner Internetseite viele Informationen für Angehörige gesammelt – auch für die Enkel.

„An erster Stelle ist wichtig, offen darüber zu reden“, weiß die Demenzkonsulentin. Das bestätigt die Wissenschaft. Studien zeigen, dass Kinder besser mit der Situation umgehen, wenn sie ehrlich, altersgerecht und einfühlsam informiert werden – auch wenn es manchmal traurig sein könne. „Kinder müssen spüren, dass ihre Gefühle erlaubt sind“.

Sieben Ratschläge für Kinder

Sieben Ratschläge hat Tanja Franck deshalb für den Umgang von Enkeln von demenzerkrankten Großeltern:

1. Sprich darüber

Es ist gut, mit deinen Eltern zu sprechen, wenn du traurig oder ängstlich bist, weil dein Großelternteil krank ist.

2. Denk daran: Es ist eine Krankheit

Es hilft zu wissen, dass es eine Krankheit ist, die dafür sorgt, dass sich dein Großelternteil manchmal merkwürdig oder anders verhält.

3. Lacht gemeinsam

Manchmal macht dein Großelternteil vielleicht komische Sachen, über die du lachen musst. Das ist völlig in Ordnung – aber erzähl deinem Großelternteil ruhig, warum du lachst. Dann könnt ihr gemeinsam darüber lachen.

4. Erzähl weiter von dir

Auch wenn sich dein Großelternteil vielleicht nicht immer an deinen Namen, deine Klasse oder deine Hobbys erinnert – es macht ihm oder ihr Freude, wenn du davon erzählst.

5. Bleib in Kontakt

Auch wenn ihr vielleicht nicht mehr alles gemeinsam machen könnt wie früher, lohnt sich ein Besuch immer. Dein Großelternteil freut sich bestimmt sehr darauf.

6. Macht etwas gemeinsam

Die meisten Menschen mögen es, mit anderen etwas zu unternehmen. Wenn du deinen Großelternteil besuchst, könnt ihr zum Beispiel alte Fotos anschauen, ein Lied singen oder einen Film ansehen.

7. Erzähl deiner Lehrerin oder deiner Klasse davon

Wenn jemand in der Familie an Demenz erkrankt ist, kann das traurig machen. Deshalb sei es eine gute Idee, mit der Lehrerin oder dem Lehrer darüber zu sprechen – „dann wissen sie, warum du manchmal traurig bist“.

Bücher und Videos bieten Unterstützung

Eltern können sich auch Bücher zum Thema zu Hilfe holen. Gemeinsam mit den Kindern können sie sich darin gemeinsam kindgerecht über die Demenz informieren, rät Franck außerdem. So gibt es beispielsweise das Buch „Oma vergisst meinen Namen“ von Marta S. Milewsak. Auch kindgerechte Bilderbücher und YouTube-Videos gibt es inzwischen dazu

Die deutsche Alzheimergesellschaft stellt ebenfalls einiges Material für das Thema bereit.