Gesundheit

Erholsame Ferien mit Demenz: Die Kommune Apenrade will es ermöglichen

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Ob mit Spaziergängen am Strand oder anderen gemeinamen Freizeitbeschäftigungen: Die Kommune Apenrade setzt auf einen Tourismus, der sich an Familien mit dementen Angehörigen richtet.

Raus aus den vier Wänden und ab in den schönen Urlaub. Doch was, wenn ein Familienmitglied an Demenz leidet? In Apenrade soll genau dafür ein neues Angebot entstehen.

Wie viele andere Kommunen hat Apenrade seit geraumer Zeit die Krankheit Demenz im Fokus und bietet dazu ein breit gefächertes Info-, Beratungs- und Betreuungsangebot.

Doch wie steht es um Urlaub für Demenzkranke und ihre Angehörigen? Die Kommune hat diese Frage aufgegriffen – mit der Intention, ein zusätzliches Angebot für diese Zielgruppe zu schaffen.

Zusammen mit der dänischen Alzheimergesellschaft („Alzheimerforening“) hat die Kommune Apenrade das Projekt „Demenzfreundlicher Tourismus“ ins Leben gerufen.

Zusammensein unter anderen Voraussetzungen

Auch demenzkranke Menschen müssen mal aus dem Alltag heraus und die Freizeit auf andere Weise erleben, so der Ansatz. Dabei wird auch an die nahen Angehörigen gedacht, vor allem an die Ehepartnerin oder den Ehepartner. Sie sollen mit einem anderen Gefühl und unter anderen Voraussetzungen Zeit mit ihren demenzkranken Familienmitgliedern verbringen können.

Das Motto des Gemeinschaftsprojekts von Alzheimergesellschaft und Kommune Apenrade lautet „Ferienaufenthalt mit Inhalt“.

„Mit einem Urlaub können schöne Erlebnisse und eine Auszeit von der Alltagsroutine geschaffen werden – auch für Menschen mit Demenz. Dabei ist es wichtig, dass der Urlaub zu einem geborgenen und sinnvollen Erlebnis wird, bei dem Menschen mit Demenz in einem geschützten Umfeld das Miteinander, neue Eindrücke und gewohnte Routinen genießen können“, so Erik Uldall Hansen (Sozialdemokratie, Vorsitzender des Ausschusses für nachhaltige Entwicklung) kürzlich in einer Pressemitteilung.

Pilotprojekt mit Perspektive

Die Kommune hat sich vor diesem Hintergrund vorgenommen, den Weg für einen inklusiveren Tourismus zu ebnen und ein Konzept für demenzfreundlichen Urlaub zu entwickeln. In Kooperation mit der Alzheimergesellschaft soll in diesem Sommer ein Testlauf erfolgen.

Die Organisation hatte kürzlich erst in Kerteminde einen fünftägigen Ferienaufenthalt für Demenzerkrankte in Begleitung der Ehepartnerin, des Ehepartners oder anderer Angehöriger angeboten.

Das Premierenangebot in der Kommune Apenrade ist ähnlich aufgebaut. Interessierte können einen fünftägigen Aufenthalt im Süderhostruper Krug wählen. Der Gemeinschaftsaufenthalt ist für Ende September geplant. Anmeldung ist bis September möglich. Informationen zum Ferienangebot, zu den Kosten und zum Anmeldeverfahren sind auf der Homepage des Alzheimervereins zu finden.

Fachkräfte begleitend dabei

„Natürlich liegt der Fokus auf Demenzerkrankungen, aber vor allem darauf, gemeinsam Urlaub zu machen und die Zeit zu genießen. Zwei Fachkräfte der Alzheimergesellschaft begleiten den gesamten Aufenthalt. Beide verfügen über einen medizinischen Hintergrund und umfassende Kenntnisse im Bereich Demenz. Zusätzlich engagieren sich Freiwillige, die – unter anderem bei den Ausflügen – für Sicherheit und Ruhe sorgen“, heißt es in einer schriftlichen Antwort der Alzheimergesellschaft.

Das Programm berücksichtige, dass Menschen mit Demenz Struktur, Anerkennung, Pausen, Zeit für sich und Geduld benötigen.

„Sowohl der Süderhostruper Krug als auch die Institutionen, die während des Aufenthaltes besucht werden, erhalten vom Demenzteam der Kommune Apenrade vorab Informationen zum Thema Demenz. Der Aufenthalt steht allen offen – unabhängig von der Form der Demenz. Die Teilnehmenden sollten allerdings gerne an Aktivitäten mit anderen teilnehmen, sich in einer neuen Umgebung wohlfühlen und selbstständig sein. Außerdem sollten sie in der Lage sein, zu gehen und Treppen zu steigen“, so der Hinweis der Gesellschaft.

An den Details weiterer Urlaubsangebote für Familien mit Demenz werde noch gefeilt, so Erik Uldall Hansen zum „Nordschleswiger“. Im Raum stehe eine enge Zusammenarbeit mit Hotels und anderen Unterkünften, die sich auf die Unterbringung von Menschen mit Demenz einstellen und Sparringspartner bei den Aktivitätsangeboten sind.

Menschen mit Demenz und deren Angehörige sollen in der Kommune Apenrade schöne Urlaubsmomente genießen können.

Bestimmte Zielgruppe

Eine Rundumbetreuung mit Fachkräften sei nicht angedacht. „Das Angebot ist erst einmal für leicht demente Menschen und deren Angehörige gedacht. Es geht darum, auf sie zugeschnittene Aktivitäten anzubieten, die sich vom normalen Alltag unterscheiden“, so Uldall Hansen.

Die Fachkräfte und die freiwilligen Helferinnen und Helfer seien begleitend und nicht federführend dabei.

Entlastung und Abwechslung erfahren die Angehörigen bei solch einem Hotelaufenthalt unter anderem dadurch, dass sie kein Essen zubereiten, nicht aufräumen, nicht die Betten machen oder Beschäftigungsmöglichkeiten suchen müssen.

Eine weitere wichtige Komponente sei der Austausch der betroffenen Familien untereinander. Teilnehmende würden nicht für sich sein, sondern in einer Gruppe vereint, ergänzt Hansen.

Derartige Ferienaufenthalte seien generell eine gute Gelegenheit, schöne Erlebnisse zu schaffen und eine Auszeit vom Alltag zu gewährleisten. Wichtig sei dabei, dass der Urlaub in Abstimmung mit den jeweiligen Unterkünften zu einem sicheren und sinnvollen Erlebnis wird, bei dem die Dementen das Miteinander und die Erlebnisse in einem geschützten Umfeld und gewohnte Routinen genießen können, so der Ausschussvorsitzende.

Volkskrankheit mit wachsender Relevanz

In Dänemark leben laut Kommune Apenrade etwa 100.000 Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter mit Demenz, und diese Zahl wird in den kommenden Jahren voraussichtlich steigen. Gleichzeitig haben rund 400.000 Däninnen und Dänen einen nahen Verwandten, der von dieser Erkrankung betroffen ist.

Der Urlaubsaspekt rückt bei der Problematik zunehmend in den Vordergrund. Der Alzheimerverein betrachtet die Zusammenarbeit mit Kommunen als wichtigen Schritt hin zu einem inklusiveren Tourismus.

„Auch Menschen mit Demenz brauchen Urlaub, aber das kann eine Herausforderung sein, da die Krankheit ein sicheres Umfeld und Vorhersehbarkeit erfordert. In dem skizzierten Urlaub können die Teilnehmenden einfach sie selbst sein, ohne Angst haben zu müssen, missverstanden oder falsch angesehen zu werden. Gleichzeitig erhalten die Angehörigen einen Freiraum, in dem sie mit ihren Lieben zusammen sein können, ohne sich ständig um die praktischen Dinge kümmern zu müssen“, sagt Mette Raun Fjordside, Direktorin des Alzheimervereins.

Besondere Bedürfnisse erfüllen

Im Spätsommer soll das neue Konzept erprobt werden. „Wir freuen uns darauf, dieses Konzept zu testen und zu bewerten, ob und wie es zu einem dauerhaften Bestandteil unserer Tourismusbemühungen gemacht werden kann“, sagt Erik Uldall Hansen.

Neben dem Tourismus-Projekt bietet die Kommune Apenrade in Kooperation mit Vereinen und ehrenamtlichen Kräften ein breit gefächertes Programm mit Aktivitäten und Begegnungen an. Regelmäßige Treffen für Demente und Angehörige gibt es im Aktivitätshaus in Pattburg, beim „Café Frirum“ im Freiwilligencenter in Apenrade, im Bürgerhaus in Tingleff (Tinglev) sowie im Bürger- und Kulturhaus in Loit (Løjt). Darüber hinaus werden Infokurse und Einzelveranstaltungen angeboten.