Bildungswesen

Bürgermeister Jan Riber Jakobsen zum Aus der Nachschule Fröslee

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Einige der Trakte im Fröslevlager sind seit 1995 von der Frösleer Nachschule genutzt worden. Im kommenden Schuljahr wird der Betrieb mangels Schülerinnen und Schülern eingestellt (Archivfoto).

Die Schließung der Frösleer Nachschule aufgrund drastisch gesunkener Schülerzahlen nimmt der Bürgermeister und damit auch Vorsitzende des beherbergenden Trägervereins Fröslevlager mit Bedauern zur Kenntnis. Gibt es auch einen Abwärtstrend in der Deutschen Nachschule Tingleff? Schulleiter Jørn Warm kann dies verneinen.

Das Alleinstellungsmerkmal, in der Gedenk- und Museumsstätte Fröslevlager (Frøslevlejrens Museum) ansässig zu sein, hat die Frösleer Nachschule zuletzt nicht zu einer angemessenen Schülerzahl verhelfen können. Die Verantwortlichen haben bekannt gegeben, die Einrichtung am Ende dieses Schuljahres zu schließen.

„Ich bedaure die Situation“, sagt Apenrades Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Konservative) zur Mitteilung. Jakobsen ist kraft seines Amtes Vorsitzender des Trägervereins Frøslevlager, auf dessen Gelände und in dessen Trakten die Nachschule ansässig ist.

Noch nicht abgeschrieben

Die Einrichtung sei als Nutzerin und Instandhalterin einiger Gebäude, als Mieterin und als Mosaikstein des neuen Entwicklungsplans ein wichtiges Element. „Es wäre daher schade, wenn es keine Nachschule mehr geben würde. Das muss man jetzt aber abwarten. Es ist ja denkbar, dass es zu einer Rekonstruktion kommt und der Betrieb später wieder aufgenommen wird“, sagt Jakobsen.

Es sei zu früh, sich auf Szenarien einzulassen. „Aber natürlich werden wir es im Vorstand thematisieren“, ergänzt der Trägervereinsvorsitzende.

1995 hatte die Frösleer Nachschule den Betrieb auf dem Gelände des einstigen Gefangenenlagers aufgenommen. Hitlerdeutschland hatte dort während des Zweiten Weltkrieges dänische Sicherheitskräfte, Widerstandskämpfer und Regimegegner festgehalten. Nach Kriegsende nutzte die dänische Seite das Gefangenenlager als Internierungslager (Fårhuslager) für Landesverräter und potenzielle Nazisympathisanten. Später wurde es dann ein Lagermuseum und Teil des Nationalmuseums.

Als Bürgermeister der Kommune Apenrade ist Jan Riber Jakobsen automatisch Vorsitzender des Trägervereins Fröslevlager.

Verheißungsvolle Zahlen in Tingleff

Ein vorzeitiges Ende des Frösleer Nachschulbetriebes habe sich aufgrund der sinkenden Zahl von Schülerinnen und Schülern abgezeichnet. Es habe eine negative Tendenz gegeben, so die Feststellung von Jan Riber Jakobsen.

An der Deutschen Nachschule Tingleff, der einzigen Nachschule der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig, hat man diese Sorgen nicht.

Auf ihrer Homepage teilt die Frösleer Nachschule mit, dass der Betrieb im kommenden Schuljahr aufgrund einer zu geringen Anzahl Schülerinnen und Schüler eingestellt wird.

„Es sieht gut aus. Wir liegen momentan sogar über den Anmeldezahlen des Vorjahres. Ich rechne damit, dass wir wieder die Marke von 100 Schülerinnen und Schülern erreichen“, meldet Schulleiter Jørn Warm auf Anfrage zurück.

Geschichte des Lagers

Das Internierungslager Fröslev (dänisch: Frøslevlejren) wurde 1944 kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze errichtet und am 13. August 1944 in Betrieb genommen. Es war für etwa 1.500 Gefangene gedacht. Die Gesamtzahl der Inhaftierten belief sich auf etwa 12.000 Menschen.

Das Lager wurde auf eine dänische Initiative hin gebaut, um die Deportation von dänischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern in deutsche Konzentrationslager zu vermeiden. Entgegen aller Vereinbarungen wurden dennoch etwa 1.600 Gefangene aus Fröslee in Konzentrationslager weitergeschickt.

Kurz nach dem Krieg wurde der Name des Lagers in „Fårhuslager“ geändert. Von Mai 1945 bis zum Herbst 1949 diente das Lager als Straflager für dänische Landesverräter.

1983 beschlossen das damalige Amt Nordschleswig („Sønderjyllands Amt“) und die Gemeinde Bov (Bau) die Gründung der freien Trägerschaft des Fröslevlagers. Sie wurde am 1. Januar 1984 realisiert. Das Lager liegt seit der Kommunalreform in der Kommune Apenrade (Aabenraa). Im Lager befinden sich Ausstellungen verschiedener Organisationen und auch eine Nachschule. Der Schulträger teilte mit, den Betrieb mangels Schülerinnen und Schüler 2025 einzustellen.