Gerichtsverfahren

Fall Beier: Fuhrunternehmer beteuert Unschuld

Fall Beier: Fuhrunternehmer beteuert Unschuld

Fall Beier: Fuhrunternehmer beteuert Unschuld

Fagbladet 3F/aha
Pattburg/Padborg
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Justitia
Am Mittwoch kam der Hauptangeklagte, Unternehmensdirektor Karsten Beier, im Sonderburger Gericht zu Wort. Foto: dpa

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Das Verfahren wegen Ausbeutung wurde in dieser Woche im Gericht in Sonderburg eröffnet.

Der Prozessauftakt im Fall Beier in dieser Woche verlief im Großen und Ganzen wie erwartet. Der Direktor des Fuhrunternehmens Kurt Beier Transport A/S und Sohn des inzwischen verstorbenen Firmengründers, Karsten Beier, hält weiterhin daran fest, dass seine Gesellschaft nicht die 30 überwiegend philippinischen Fahrer in dem sogenannten Pattburg-Fall ausgebeutet habe.

„Ich habe die Fahrer nicht ausgebeutet. Die Unterbringung, der Lohn und auch die anderen Bedingungen in Pattburg waren durchaus angemessen. Aber im Licht der Weisheit sahen die Bilder, die wir in den Medien sehen konnten, wahrlich nicht gut aus, aber sie zeigen leider nicht unsere anderen Räumlichkeiten. Wir hatten acht zugelassene Motelzimmer mit Duschnischen und Baderäume mit Platz für 20 bis 25 Fahrer“, sagte er am Mittwoch im Gerichtssaal in Sonderburg (Sønderborg).

Das schreibt das Gewerkschaftsmagazin „3F“.

Ausbeutung in besonders schwerem Fall

Karsten Beier ist gemeinsam mit drei anderen führenden Mitarbeitern der Ausbeutung in besonders schwerem Fall angeklagt.

Die Anklagevertretung ist der Einschätzung, dass die Angeklagten Kosten in der Größenordnung von 4,2 Millionen Kronen eingespart haben. Dieses Geld stehe rechtmäßig den Fahrern zu, so die Anklagevertretung.

Mehr Sauberkeit

„Wir hätten jedoch mehr auf die Sauberkeit achten sollen. Für die Reinigung ihrer Zimmer waren die Fahrer allerdings selbst verantwortlich“, soll der 46-jährige Unternehmenschef laut „3F“ vor Gericht ausgesagt haben.

Er wies auch die Anschuldigungen der Ausbeutung der asiatischen Fahrer ab. Die Vorwürfe der Beschäftigung illegaler Arbeitskraft sowie Verstöße gegen die Baurichtlinien im Pattburger Fahrerlager seien ebenfalls haltlos, so Beier.

Dumpinglöhne ausgezahlt

Der Monatslohn der asiatischen Fahrer betrug monatlich im Durchschnitt 1.030 Euro (das entspricht etwa 7.660 Kronen) sowie 30 Euro Urlaubsgeld. Eventuelle Bußgelder bei Verkehrsverstößen hätten die Fahrer aus eigener Tasche bezahlen müssen, schreibt „3F“.

Ein Mitarbeiter Beiers sagte am Dienstag im Gericht aus, dass er insgesamt über 200 Fahrer aus den Philippinen und Sri Lanka nach Pattburg geholt habe, darunter auch die 30 Fahrer, um die es im konkreten Fall geht. Sie wären auf dem Firmengelände, das zu gleichen Teilen Karsten Beier und dessen Schwester Gitte besitzen, in einem Lager untergebracht. Die Schwester ist daher auch Teil des angeklagten Quartetts.

Direktor: Letztlich meine Verantwortung

„Die Verantwortung für die Gebäude in Pattburg ist aber letzten Endes einzig die meine. Absicht war, dass wir die Räumlichkeiten ausbauen wollten. Die aufgestellten Pavillons waren eigentlich nur eine Zwischenlösung. Sie wurden 2015/2016 auf Geheiß meines Vaters aufgebaut und am 30. Oktober 2018 auf mein Betreiben hin entfernt. – Unmittelbar nach dem Besuch der Polizei“, zitiert „3F“ Karsten Beier.

Er soll im Gericht zugegeben haben, dass sein Unternehmen im Jahr 2018 die Auflage bekommen hätte, die Pavillons den geltenden Baurichtlinien gemäß nachzurüsten. Unter anderem war die Isolierung mangelhaft, und es sollten Entlüftungskanäle eingesetzt werden.

Fahrer hielten sich nicht an die Absperrung

„Wir haben die Pavillons mit Bändern abgesperrt, aber die Fahrer nutzten sie dennoch, obwohl ich angewiesen hatte, dass sie nicht benutzt werden dürften. Ich war nur einmal im Monat in Pattburg und habe nie die Zimmer gesehen“, wird Karsten Beier zitiert. Laut „3F“ betonte er auch, ihm sei nicht bekannt gewesen, dass die Fahrer aus dem Lager entfernt wurden, als die Kommune Apenrade einen Inspektionsbesuch durchgeführt hatte.

Kunden sprangen ab

Als die Polizei das Lager am 30. Oktober 2018 geräumt hatte und die Fahrer im Center gegen Menschenhandel Aufnahme fanden, stürzten sich die nationalen und internationalen Medien auf die Geschichte. Die beiden anderen männlichen Angeklagten sagten zu Wochenbeginn aus, dass Karsten Beier ihrer Meinung nach damals schon den Sachverhalt aus der Sichtweise des Unternehmens der Öffentlichkeit hätte schildern sollen.

Selbst ist Karsten Beier lautet 3F„3F“ der Meinung, dass er stets auf Fragen der Journalisten geantwortet habe.

„Unsere Kunden waren stets super zufrieden mit den philippinischen Fahrern. Aber nach dem Medienrummel lehnen die Kunden die philippinischen Fahrer ab. Sie haben Angst vor Ärger“, so der angeklagte Direktor.

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