Natur und Umwelt

Großflächig Sauerstoffschwund in der Flensburger Förde

Großflächig Sauerstoffschwund in der Flensburger Förde

Großflächig Sauerstoffschwund in der Flensburger Förde

Apenrade/Aabenraa
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Die gesamte Flensburger Förde leidet unter Sauerstoffschwund, der im September durch hohe Temperaturen verstärkt worden ist. Foto: Volker Heesch

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Die neuesten Messergebnisse der dänischen Umweltüberwachung deuten auf große Probleme in der Flensburger Förde hin. Auch der Kleine Belt und die Apenrader Förde weisen für die Tierwelt gefährliche Werte auf, die Augustenburger Förde steht besser da.

Die neuesten Messungen der dänischen Umweltbehörde „Miljøstyrelsen“ zur Sauerstoffversorgung der dänischen Küstengewässer weisen auf einen teilweise besorgniserregend niedrigen Sauerstoffgehalt in den bodennahen Bereichen der Flensburger Förde, des Kleinen Belts und der Apenrader Förde hin.

Auf der Karte des DCU zeigt die rote Farbe starken Sauerstoffmangel an. Die gelbe Farbe zeigt Bereiche, in denen niedrige Sauerstoffwerte gemessen wurden. Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum 7. bis 22. September. Foto: DCE/Miljøsyrelsen

Auch weitere Seegebiete um Dänemark in Sauerstoffnot

Doch nicht nur dort hat sich die Sauerstoffsituation seit den Messungen im August deutlich verschlechtert. Auch in der Aarhuser Bucht, der nördlichen Beltsee und im Seegebiet zwischen Lolland, Ostholstein und Mecklenburg haben nach Algenmassenvermehrungen auf den Meeresgrund gesunkene abgestorbene Planktonteppiche bei Zersetzungsprozessen den im Wasser gelösten Sauerstoff aufgezehrt.

Die Karte der Umweltbehörde zeigt, dass auch das Kattegat und Bereiche westlich von Bornholm unter Sauerstoffschwund leiden. Rote Punkte geben Messstationen an, wo kräftige Sauerstoffzehrung festgestellt wurde. Foto: DCE/Miljøstyrelsen

„Im Kleinen Belt nördlich von Alsen ist der Sauerstoffgehalt nach mäßigem Sauerstoffschwund Ende August und starker Sauerstoffzehrung im September fast auf null gesunken“, heißt es in dem Bericht, den im Auftrag der Umweltbehörde das Nationale Center für Umwelt und Energie (DCE) an der Universität Aarhus verfasst hat. In der Flensburger Förde herrschte im September in der Innen- und der Außenförde starker Sauerstoffschwund. Auf extrem ungünstige Verhältnisse im deutsch-dänischen Grenzgewässer deutet der Austritt von Schwefelwasserstoff im Gewässer hin.

Diese Kurve zeigt, wie sich der Sauerstoffgehalt in der Flensburger Förde bis zum September (rote Linie) verringert hat. Foto: DCE/Miljøstyrelsen

Die giftige Verbindung entwickelt sich, wenn durch Bakterien aufgrund der Abwesenheit von Sauerstoff Gärungsprozesse entstehen. Können Fische nicht rasch davonschwimmen, kommt es dadurch zu Fischsterben. Auch Muscheln, Würmer und Schnecken sterben unter solchen Bedingungen oft großflächig ab. Der Sauerstoffschwund belegt, dass es weiterhin wegen zu hohen Nährstoffgehalts in den Gewässern bei warmem Wetter und viel Sonnenschein zu „Algenblüten“ gekommen ist. Das abgestorbene Phytoplakton führt zum Sauerstoffschwund, wenn das Wasser sich aufwärmt und ausbleibende Stürme den Zustrom von sauerstoffreichem Wasser in die Tiefenbereiche der Förden und Belte verhindert.

Mehr Sauerstoff in kaltem Wasser

In kaltem Wasser löst sich mehr Sauerstoff. Die jüngsten Stürme Ende September könnten entlang der nordschleswigschen Ostküste die Lage verbessert haben. Im Bericht des DCE heißt es, dass die Augustenburger Förde bei den Sauerstoffmessungen einen Lichtblick lieferte. Dort war die Sauerstoffversorgung in den vergangenen Wochen durchgehend gut.

Das Wasser an der Oberfläche ist trotz Sauerstoffschwunds in der Tiefe einwandfrei. Auf dem Foto bei Süderhaff (Sønderhav). Foto: Volker Heesch

Seit Jahren setzt die Umweltpolitik darauf, dass weniger Nährstoffe von Agrarflächen in die Küstengebiete geschwemmt werden. Lokal könnten Maßnahmen wie Gewässerrestaurierungen den Nährstoffzustrom verhindert haben. So besteht weiter die Hoffnung, dass sich in den kommenden Jahren die Fischbestände vor der nordschleswigschen Küste erholen, die seit Jahrzehnten auch durch den regelmäßig wiederkehrenden Sauerstoffschwund geschädigt und dezimiert werden. Die neuen, besorgniserregenden Berichte über den Sauerstoffschwund sind auch Argumentationshilfe für die jüngsten politischen Vorstöße nördlich und südlich der Grenze für gemeinsame Maßnahmen zum Gewässerschutz.

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