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Schaffelle aus Stübbek – Export auch nach Deutschland

Schaffelle aus Stübbek – Export auch nach Deutschland

Schaffelle aus Stübbek – Export auch nach Deutschland

Stübbek/Stubbæk
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Mitinhaber Steffen Lauritzen inmitten der Felle im Lager des Geschäftes Foto: Karin Riggelsen

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Über 2.000 Felle – vorwiegend von isländischen Schafen – sind im Lager von „Nordic Spirit“ zu finden. Wozu die Felle genutzt werden und was es dort sonst noch Außergewöhnliches gibt, darüber berichten die Inhaber.

Inmitten des beschaulichen Ortes Stübbek liegt, umgeben von Einfamilienhäusern und eingerahmt von alten hohen Bäumen, ein altes Gehöft. In der früheren Scheune, die in einem hellen Ockerton gestrichen ist, verbirgt sich ein besonderes Geschäft, das hier kaum zu erwarten ist: Es handelt sich um „Nordic Spirit“, ein Handel für Felle von isländischen Schafen.

„Wir sind hier schon seit sieben Jahren tätig“, sagt Gründer und Mitinhaber Ove Maag Hansen. Maag Hansen war 50 Jahre Mitarbeiter und bis zu seiner Pensionierung auch Direktor bei der Sonderburger Firma BHJ. Das Unternehmen stellt unter anderem Tierfutter her.

Steffen Lauritzen (l.) und Ove Maag Hansen achten sehr auf die Qualität ihrer Waren. Foto: Karin Riggelsen

In dieser Zeit ist er viel gereist, unter anderem nach Island, wo er sich dort „in Land und Leute verliebt hat“, wie er erzählt. Doch wie und warum kommen jetzt die Felle nach Stübbek unter das Dach der Scheune?

„Ein Kollege wollte gerne ein Schaffell haben und fragte mich, ob ich nicht eins mitbringen könnte, da wir dort ja mit den Schlachtereien in Kontakt stehen. Das habe ich dann auch bewerkstelligen können“, berichtet der rüstige Apenrader weiter. „Doch dann habe ich nachgedacht: Wenn mein Kollege ein solches Fell haben möchte, dann gibt es bestimmt noch mehr Leute, die auch danach suchen“, erzählt er. Und nach einigen Nachforschungen ist deutlich geworden, dass es dafür kaum Anbieter gibt, weder in Dänemark noch in Deutschland.

Also nahm sich Pensionär Maag Hansen ein Herz und gründete den Fellhandel. Das war 2015. Seither hat sich die Entscheidung mehr als bezahlt gemacht. Das Geschäft floriert. „Wir haben das breiteste Sortiment in ganz Dänemark“, sagt der Firmengründer stolz.

Ove Maag Hansen mit dem Bestseller: Es ist das dunkle Fell eines Islandschafes, das eingefärbt und dann stellenweise rotbraun wird. Foto: Karin Riggelsen

Mit bei „Nordic Spirit“ eingestiegen ist vor knapp drei Jahren Schwiegersohn Steffen Lauritzen, der sich neben dem Verkauf und der Lagerhaltung vor allem um alles kümmert, was mit EDV und Online-Vermarktung zu tun hat.

Export nach Deutschland

Der größte Teil der Ware wird nämlich online bestellt und dann versandt. „95 Prozent unserer Felle werden verschickt“, weiß Lauritzen. Der Rest wird vor Ort verkauft. 90 Prozent der Waren gehen dabei an Händler. „Und es ist ein großer Teil, den wir nach Deutschland verschicken, denn anscheinend gibt es dort auch nur wenige Händler, die isländische Schaffelle im Programm haben“, sagt Maag Hansen. Auch in Österreich hat das Unternehmen Kundschaft.

Unterschiedlichste Verwendung

Und die Nachfrage steigt. „Die Felle werden unter anderem als Wohndekor benutzt, sind aber auch praktischer Natur“, wie Ove Maag Hansen sagt. „Es ist wunderbar wohlig, wenn man auf seinem Sessel ein Fell liegen hat“, erzählt er. Er hat auch noch einen Geheimtipp: „Ich benutze seit Jahren ein Fell als Unterlage auf meinem Bett, seither benötige ich keinen Termin mehr beim Physiotherapeuten, und die Muskelschmerzen sind auch verschwunden.“

Für Händler sind diese „Schafe“ entworfen worden. Foto: Karin Riggelsen

Einige der Naturprodukte, die in Osteuropa gegerbt werden, landen auch als Unterlage im Kinderwagen oder – das ist eine neue Idee der Felllieferanten – werden zu Schlafsäcken verarbeitet. Sogar einen großen Sitzsack, der mit Wolle gefüllt ist, gibt es zu kaufen.

Etwa 2.000 Felle liegen in den Holzregalen in Stübbek, die Hälfte davon immer nummeriert. Das ist eine „Nordic-Spirit“-Besonderheit. Jedes Fell bekommt eine Nummer, sodass die Käuferin oder der Käufer genau das Fell bekommt, das bestellt wurde.

Jedes Fell, das den Laden verlässt, hat eine individuelle Nummer. Foto: Karin Riggelsen

Neben den Fellen der Islandschafe gibt es noch einige besondere Produkte. So sind Felle vom Jakobsschaf auf Lager, eine Schafart, die in Nordafrika gezüchtet wird, oder von Heidschnucken aus der Lüneburger Heide. Sogar einige Yak-Felle und Felle von Islandponys sind vorrätig. Die Schwanzhaare der Yaks nutzen Fliegenfischer unter anderem, um ihre Köder zu basteln.

Wer sich mit Ove oder Steffen unterhält, merkt, dass die beiden wissen, wovon sie sprechen. Sie haben sich ein großes Wissen über die Waren angeeignet, die sie verkaufen. „Wir beraten gerne und wollen ein gutes Einkaufserlebnis vermitteln“, sagt der Seniorchef.

Die Naturfelle werden übrigens nur mit einer Fellbürste behandelt.

Steffen Lauritzen (l.) und Seniorchef Ove Maag Hansen verstehen sich gut. Foto: Karin Riggelsen

Lammfell und Schaffell

Behaartes Lammfell beziehungsweise Schaffell sowie die daraus hergestellten Produkte werden als Handelsware vertrieben. Das Schaffell war immer vorwiegend die wärmende Bekleidung für die einfachen Bevölkerungsschichten.

Den heutigen Ansprüchen bequemer Kleidung entsprechend haben neue Veredlungsmethoden die Felle ausgewachsener Schafe dünnledrig, leicht und geschmeidig gemacht. Zurzeit nehmen großflächige Felle älterer Tiere einen höheren Anteil an der Lammfellbekleidung ein als noch bis in die 1990er Jahre.

Bei den Fellen echter Lämmer unterscheidet der Pelzhandel zwischen gelockten, moirierten, geflammten und glatthaarigen Haarstrukturen, die jedoch nicht immer eindeutig abzugrenzen sind.

Folgt man einer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie an 3.000 neugeborenen Kindern, so sollen Kinder, die auf einem Tierfell geschlafen haben, zu 80 Prozent weniger an Asthma erkrankt sein.

Quellen: hessnatur.de, wikipedia.de, www.scinexx.de

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