Gesundheit

Diabetes verstehen: Forschung für ein besseres Leben mit der Krankheit

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Leah Sejrup Christensen erforscht die Herausforderungen einer Diabeteserkrankung.

Die im Volksmund Zucker genannte Erkrankung bringt viele Herausforderungen mit sich. Bei vielen Menschen kommen andere Krankheiten hinzu. Das ist für sie kaum zu stemmen. Forscherin Leah Sejrup Christensen arbeitet am Sygehus Sønderjylland und möchte das ändern.

„Du merkst es im Alltag nicht. Du merkst es oftmals erst, wenn es zu spät ist“, sagt Leah Sejrup Christensen. Die ausgebildete Krankenschwester forscht über Diabetes-Typ-2 und warnt davor, die schleichende und oft unbemerkt entstehende Krankheit zu übersehen, denn die Folgen „können tödlich sein“, wie sie sagt.

Die Symptome sind schwer zu deuten: Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und niedergeschlagene Stimmung werden oft mit dem stressigen Alltag abgetan. Deshalb wird die Erkrankung meist erst spät erkannt und hat Folgeerkrankungen und -schäden mit sich gebracht.

Etwa 380.000 Däninnen und Dänen leiden an Diabetes; knapp 90 Prozent leiden an Diabetes Typ 2, der Rest an Typ 1. Er gilt deshalb als Volkskrankheit.

Eine schleichende Gefahr: Warum Diabetes oft erst spät entdeckt wird

Bei vielen könnte die Erkrankung früher entdeckt werden, berichtet Sejrup Christensen. „Der Hausarzt kann abschätzen, ob ein Risiko vorliegt und daraufhin regelmäßige Untersuchungen veranlassen“, so die 36-Jährige. Der Blutzuckerspiegel wird dabei bei einer Untersuchung gemessen.

In ihrem Alltag auf der Station für medizinische Erkrankungen (Mediciniske Sygdomme) des Sygehus Sønderjylland mit Krankenhäusern in Apenrade, Sonderburg (Sønderborg) und Tondern (Tønder) kommt sie täglich mit Menschen in Kontakt, die an Diabetes erkrankt sind. Bei ihnen wurde die Diagnose zu spät festgestellt, weshalb, wie oftmals, schon Folgeerkrankungen entstanden sind.

Leben verändert sich von einem Tag auf den anderen

„Für viele verändert sich das Leben von einem Tag auf den anderen. Es ist eine einschneidende Krankheit, die eine große Umstellung der Gewohnheiten erfordert“, hat sie bei den Patientinnen und Patienten feststellen können. Die Menschen müssen sich nämlich recht strikt an eine neue Ernährung gewöhnen. Für diese Menschen habe sie einen besonderen Platz in ihrem Herzen, sagt die Krankenschwester.

Auch für das nahe Umfeld ist eine solche Diagnose mit Herausforderungen verbunden, denn „es erfordert ein großes Verständnis, wenn die Ernährungsgewohnheiten sich stark verändern“, weiß die Fachfrau.

Herausforderung für mehrfach erkrankte Menschen

Auch wenn viele Menschen gut mit den Herausforderungen klarkommen, die Diabetes mit sich bringt, gibt es andere. Der Krankenschwester ist zudem aufgefallen, dass die Menschen parallel an anderen Krankheiten leiden. Oftmals sind sie chronisch krank. „Das bringt dann das Problem mit sich, dass diese Leute nur eine der Erkrankungen im Blick haben. Die anderen verlieren sie aus dem Blick, weil der Überschuss – manchmal auch das nötige Wissen und die Unterstützung durch die Angehörigen – fehlt. Es ist klar, wenn du Schmerzen hast, dann versuchst du diese zuerst in den Griff zu bekommen. Man benötigt die Energie, um diese Erkrankungen zu bekämpfen, denn die merkst du. Diabetes dagegen ist weniger auffällig.“

Die anderen Krankheiten treten in den Hintergrund. Sei der Blutzuckerspiegel zu hoch, merke man das nicht. Erst wenn der Zuckerspiegel im Blut über Jahre hinweg zu hoch liegt, kommen die Folgeschäden. Eine tickende Bombe nennt sie das.

In drei Phasen zu mehr Hilfe für Betroffene und Angehörige

Gerade diesen Menschen möchte Leah Sejrup Christensen mit ihrer Forschung helfen. Sie hat jüngst mit ihrem Forschungsprojekt begonnen. In einer ersten Phase wird sie Wissen sammeln: Mit welchen Problemen sind die Diabetes-Erkrankten und ihre Angehörigen konfrontiert?

In einer zweiten und dritten Phase möchte sie dann gemeinsam mit Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen und professionellen Mitarbeitenden aus dem Gesundheitswesen Verläufe entwickeln, die den Erkrankten helfen, die neue Situation besser zu meistern.

„Ich möchte herausfinden, wie wir die Menschen am besten unterstützen können“, sagt sie.

Die bisherigen Verläufe müssten angepasst werden, „denn zu viele der Diabetes-Erkrankten landen im Krankenhaus, weil sie die Krankheit nicht in den Griff bekommen“.

Forschung in Nordschleswig

Während der Typ 1 eine Form ist, die im jungen Alter auftritt, entwickelt sich Diabetes Typ 2 langsam über Jahre hinweg und erst in der späteren Lebensphase. Früher wurde sie deshalb auch Alterszucker genannt.

Die Folgen können Sehstörungen, Übergewicht, Nierenerkrankungen bis zum Nierenversagen, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Wundheilungsstörungen, Durchblutungsstörungen im Fuß bis hin zur Amputation sowie Nervenschäden sein. Einige dieser Folgen können dann bis zum Tod führen.

Leah Sejrup Christensen ist froh über die Unterstützung, die sie im Sygehus Sønderjylland für ihre Forschung bekommt. Das Krankenhaus hat bei den Forschungsprojekten die Volkskrankheiten im Blick.

Sejrup Christensen hat folgende Vorschläge, um Diabetes Typ 2 vorzubeugen:

  • jährlich Gesundheitscheck ab 35
  • zuckerarme Ernährung
  • Übergewicht vermeiden
  • regelmäßige Bewegung

Diabetes

Quelle: Bundesgesundheitsministerium

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