EUROCITY KOPENHAGEN – HAMBURG

Einreisekontrolle: Bundespolizei muss auf freiem Feld in Züge steigen

Einreisekontrolle: Bundespolizei muss auf freiem Feld in Züge steigen

Bundespolizei muss auf freiem Feld in Züge steige

Eckard Gehm, shz.de
Flensburg
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Foto: Karsten Sörensen

In Schleswig-Holstein gibt es keinen regulären Stopp und Dänemark erlaubt den Zustieg in Pattburg nicht. Die Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen spricht von einer „untragbaren Situation“.

Seit Dezember stoppt der Eurocity von Kopenhagen nach Hamburg regelmäßig auf einem Feld bei Flensburg. Auf freier Strecke steigen Bundespolizisten für die Einreisekontrolle zu. Ein seltsames Verfahren, das für Kopfschütteln sorgt.

„Wir haben den Zu- und Ausstieg unserer Beamten für grenzpolizeiliche Maßnahmen im Einvernehmen mit der Deutschen Bahn in Form von Betriebshalten geregelt“, erklärt Torsten Tamm, Sprecher der Bundespolizei. Grund: Der Zug hält eigentlich nicht in Schleswig-Holstein – und Dänemark lässt die Polizisten nicht bei sich in Pattburg zusteigen.

Erschwerte Einreisekontrollen

Begonnen hat die Misere mit den Gleisarbeiten zwischen Rødby und Kopenhagen. Damit war die Eurocity-Verbindung via Vogelfluglinie gekappt, die Züge fahren jetzt von Kopenhagen über die Große-Belt-Brücke und passieren die deutsch-dänische Grenze bei Pattburg. Das soll bis zur Inbetriebnahme der festen Fehmarnbeltquerung so bleiben.

Die neue Strecke ist nicht nur 138 Kilometer länger, sondern erschwert die Einreisekontrollen extrem. Sind die Bundespolizisten zugestiegen, fährt der Zug weiter – und hält erneut bei Schleswig. Dort holt ein Fahrzeug die Beamten und die „festgestellten Personen“ ab. Da bereits mehrfach Familien illegal eingereist sind, mussten teilweise zusätzliche Polizeiwagen geordert werden – ein riesiger logistischer Aufwand.

Die Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen (CDU) für den Wahlkreis Flensburg-Schleswig sagt: „Das ist eine untragbare Situation für die Bundespolizei.“ Sie setze sich derzeit dafür ein, dass mit dem Sommerfahrplan eine bessere Lösung gefunden wird. „Es wäre ja auch für die Bürger schön, wenn der Zug in Schleswig-Holstein mindestens einen regulären Halt hätte.“

Mehr als 1000 illegale Einreisen jährlich

Wie wichtig die Kontrollen sind, belegen die Zahlen der illegalen Einreisen von Dänemark nach Deutschland. 2017 wurden über 1500 Fälle registriert, 2018 waren es laut Bundespolizei 1290. Überwiegend handelte es sich um afghanische, irakische, somalische, iranische und marokkanische Staatsangehörige. Tamm: „Etliche sind abgelehnte Asylbewerber aus Skandinavien, die hier erneut Asylanträge stellen. Zudem ist Deutschland auch Transitland für Ziele in andere europäische Staaten.“

Wie stehen die Chancen, dass Bundespolizisten doch in Pattburg zusteigen dürfen? Tamm: „Zurzeit befindet sich die Bundespolizei in Gesprächen mit den dänischen Behörden über einen Zustieg der Beamten dort.“

Darauf setzt auch Petra Nicolaisen: „Noch ist es nicht möglich, dass unsere Beamten bewaffnet auf einem dänischen Bahnhof in einen Zug steigen, doch auf eine entsprechende Regelung muss hingearbeitet werden.“ Nach Informationen von shz.de könnte es in dieser Woche einen Durchbruch bei den Verhandlungen geben.

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