Sprache

Ärzteverein fordert Dänisch-Test für EU-Kollegen

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Kopenhagen
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Symbolbild Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Ein Arzt, der aus dem Nicht-EU-Ausland kommt, muss Sprachkenntnisse vorweisen, um in Dänemark arbeiten zu können. Sein Kollege aus einem EU-Staat muss das nicht. Nicht richtig, meint nicht nur der Ärzteverein.

Der Verein der Ärzte in Dänemark (Lægeforening) setzt sich für Sprachtests für Ärzte ein, die in Dänemark arbeiten und aus dem EU-Ausland kommen. Dies berichtet Danmarks Radio. Bis jetzt müssen nur Ärzte aus Nicht-EU-Staaten eine Dänisch-Prüfung der Stufe 3 bestehen, bevor sie im Königreich praktizieren dürfen.

Nach Ansicht von Andreas Rudkjøbing, Vorsitzender des Ärztevereins, gibt es Fälle, in denen Ärzte aus dem EU-Ausland nicht in ausreichendem Maße mit Kollegen oder Patienten kommunizieren können. Ein Gespräch mit dem Patienten sei aber notwendig, um zu ermitteln, was ihm fehle, so Rudkjøbing. Deshalb schlägt der Verein vor, dass auch EU-Ärzte verpflichtet werden, den Sprachtest erfolgreich abzulegen. Die Stufe 3 ist mit einer Prüfung in der 9. Schulklasse vergleichbar. Rudkjøbing verweist auf Schweden, wo alle ausländischen Ärzte Sprachkenntnisse vorweisen müssen.

Dem Sender zufolge haben in den vergangenen Jahren vor allem kleinere Krankenhäuser ausländische Ärzte nach Dänemark geholt. Laut Gesundheitsdatenbehörde arbeiten etwa 2200 ausländische Ärzte in Dänemark. 1200 kommen aus der EU.

Nationale Aufgabe

Die Interessenorganisation Danske Patienter unterstützt die Forderung – mit Hinweis auf die Patientensicherheit. Sprache sei eine Kernkompetenz. Man müsse sicher sein, dass alle Ärzte Dänisch in Wort und Schrift verstehen, so Morten Feil, Direktor von Danske Patienter.

Sowohl die Interessenorganisation der Patienten als auch der Ärzteverein sehen die aktuelle Verantwortung für die Sprachausbildung bei den Krankenhäusern und Regionen nicht gut aufgehoben. Die bisherige Verfahrensweise könne dazu führen, dass Krankenhäuser, die dringend Personal suchen, die Sprachanforderungen aus der Not heraus weniger hoch gewichten, so Morten Freil. Seiner Auffassung nach ist die Sprachkompetenz ausländischer Ärzte eine nationale Aufgabe.

Stephanie Lose, Vorsitzende von Danske Regioner, ist offen für den Vorschlag, einen landesweiten Sprachtest festzusetzen. Sie sei überzeugt, dass man einen nationalen Standard brauche, so Lose. Sie will die Behörde für Patientensicherheit mit ins Boot holen. Diese bescheinigt ausländischen Ärzten, in Dänemark praktizieren zu können.

Blick nach Deutschland

In Deutschland müssen Ärzte aus Drittstaaten (EU- und Nicht-EU-Länder) nicht nur ihre medizinischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, sondern auch ihre Deutschkenntnisse nachweisen. Laut Bundesärztekammer werden seit 2014 neben allgemeinsprachlichen auch Kenntnisse der Fachsprache verlangt. Der Ärztezeitung nach stammten im Jahr 2016 die meisten ausländischen Ärzte, die einen Antrag stellten, aus Rumänien, Griechenland, Syrien und Österreich. Wie die Zeitung 2018 berichtete, scheitern durchschnittlich 35 bis 40 Prozent an den Sprachtests.

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