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Weg frei für Dänemarks Energieinsel in der Nordsee

Weg frei für Dänemarks Energieinsel in der Nordsee

Weg frei für Dänemarks Energieinsel in der Nordsee

Kopenhagen
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Die erste Energieinsel Dänemarks soll 80 Kilometer vor der Küste in der Nordsee aufgeschüttet werden. Diese Skizze stammt vom staatlichen dänischen Netzbetreiber Energinet, der bei der Realisierung eine führende Position einnimmt. Foto: Energinet

Fast alle Folketingsparteien verständigen sich auf 240 Milliarden Kronen teures Vorhaben 80 Kilometer vor der Westküste Jütlands. Auf der Insel sollen grüne Treibstoffe gewonnen und 3 Gigawatt Strom von Meereswindparks weitergeleitet werden.

In Dänemark ist der Startschuss zur Realisierung des teuersten Vorhabens in der Geschichte des Landes gefallen. Fast alle Folketingsfraktionen unterstützen das von Klimaminister Dan Jørgensen (Sozialdemokraten) zusammen mit den Vertretern der beteiligten Fraktionen am Donnerstag vorgestellte Vorhaben, das mit 210 Milliarden Kronen so teuer wie vier Fehmarnbelttunnel wird.

12 Hektar große Insel

80 Kilometer vor der jütischen Küste, der genaue Ort steht noch nicht fest, soll ein 120.000 Quadratmeter (12 Hektar) großes Eiland entstehen, auf dem die technischen Anlagen zur Weiterleitung von 3 Gigawatt Strom angrenzender Meereswindparks sowie Technik zur Gewinnung von „grünen“ Treibstoffen durch Elektrolyse errichtet werden.

Energieminister Dan Jørgensen präsentierte das Milliardenvorhaben in Kopenhagen. Foto: Martin Sylvest / Ritzau Scanpix

„Mit den Energieinseln wird Dänemark seine führende Position bei der Nutzung der Windenergie auf See ausbauen“, so Klimaminister Dan Jørgensen, der an die Vorreiterrolle Dänemarks bei der Entwicklung der Windenergietechnik erinnert. Geplant ist, die Leistung der Insel als Stromverteiler auf 10 Gigawatt auszubauen.

Vergrößerung möglich

Dazu müsste die Insel vergrößert werden. Aktuell liegt der Stromverbrauch Dänemarks in Spitzenzeiten bei 5 Gigawatt, was 5.000 Megawatt entspricht. Die Leistung der heutigen dänischen Meereswindparks liegt bei 1,7 Gigawatt.

Ersatz für Öl- und Gasförderung

Sowohl der energiepolitische Sprecher von Venstre, Tommy Ahlers, als auch Morten Messerschmidt, der zuständige Politiker der Dänischen Volkspartei, äußern sich zufrieden mit dem Milliardenprojekt. SF-Sprecherin Signe Munk sprach von einem „grünen Märchen“, das in der Nordsee wahr werde. Søren Egge, Einheitsliste, meint, die neue Energieinsel werde die klimaschädliche Öl- und Gasförderung in der Nordsee ersetzen. Begeistert sind auch Mona Juul, Konservative Volkspartei, Ole Birk Olesen, Liberale Allianz, und Rasmus Helveg Petersen, Radikale Venstre, sowie Torsten Gejl, Alternative.

Beifall für die Einigung der Politiker über die Errichtung der Energieinsel kam aus den Reihen der dänischen Windkraftbranche.

Einen Zeitplan für das Projekt gibt es noch nicht. Auch in der Ostsee gibt es ein Projekt Energieinsel. Dort soll allerdings die Insel Bornhom als Energieinsel fungieren. Dort arbeiten der dänische Netzbetreiber Energinet und der deutsche Partner 50Hertz zusammen.

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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