Klimawandel

DF: Lieber Deiche bauen als Klimapolitik betreiben

DF: Lieber Deiche bauen als Klimapolitik betreiben

DF: Lieber Deiche bauen als Klimapolitik betreiben

Kopenhagen
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In Dänemark bleiben die Felder zu trocken, in Schweden brannten die Wälder: Die Klimadebatte ist wieder in vollem Gang. Foto: Cornelius von Tiedemann

Der klimapolitische Sprecher der nationalkonservativen Partei DF ist nicht davon überzeugt, was 97 Prozent der Klimaforschung weltweit als Fakt ansieht. Dänemark brauche keine Klimapolitik – die Probleme würden auch so gelöst, meint er.

Es gilt als wissenschaftlicher Fakt, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Nur eine verschwindend geringe Zahl an Wissenschaftlern argumentiert heute noch gegen diesen Konsens – nicht selten im Auftrag bestimmter Interessenverbände. Auch das ist wissenschaftlich untersucht und belegt.

Zu jenen, die aller Forschungsergebnisse zum Trotz Zweifel daran säen wollen, dass der Mensch das Klima der Erde entscheidend beeinflusst, gehört die zweitgrößte Fraktion im dänischen Folketing – die Dänische Volkspartei (DF).

Der klimapolitische Sprecher der nationalkonservativen Partei, Mikkel Dencker, sagte der Nachrichtenagentur Ritzau am Sonnabend: „Selbst, wenn man zu der Annahme neigt, dass Klimaveränderungen menschengemacht sind, geht bereits ein technologischer Wandel vor sich, der zur Folge hat, dass nachhaltige Energie in einigen Jahren am billigsten sein wird. Dann wird man einen großen Wandel in unserer Energieversorgung zu nachhaltiger Energie sehen. Deshalb meine ich, dass wir derzeit keine politischen Initiativen brauchen.“

Folketing will bis 2050 ein emissionsneutrales Dänemark

Die Regierung hingegen geht nicht von „Annahmen“, sondern von Fakten aus – und legt in Kürze einen neuen Entwurf zur Klimapolitik vor, durch den Dänemark bis 2050 zu einer Null-Emissionen-Gesellschaft werden soll. Energie,- Versorgungs- und Klimaminister Lars Christian Lilleholt (Venstre), hat den Klimawandel „eine brennende Plattform“ genannt. Dessen ungeachtet und obwohl DF dem Plan ihre Zustimmung gegeben hat, glauben die Politiker der Partei offenkundig nicht an dessen Notwendigkeit.

Denn, so Dencker, er sei nicht wie die überwältigende Mehrheit der Klimaforscher weltweit davon überzeugt, dass der derzeitige Klimawandel menschengemacht sei. „Es gibt Experten, die sagen, dass der Klimawandel menschengemacht sei. Aber es gibt auch welche, die sagen, dass er es nicht ist“, argumentiert er. „Ich brauche mit meinem Hintergrund nicht abwägen können, ob der Eine oder der Andere recht hat“, so der Politiker.

Erst kürzlich hat ein internationales Forscherteam festgestellt, dass das Agieren der globalen Gemeinschaft in den kommenden zehn Jahren entscheidenden Einfluss auf die Erde der kommenden 10.000 bis 100.000 Jahre haben wird. Sämtliche Folketingsparteien haben sich vor den Sommerferien darauf geeinigt, dass Dänemark zur Null-Emissions-Gesellschaft wird. Dass also nicht mehr CO2 ausgestoßen wird, als zum Beispiel durch die Wälder abgebaut werden kann.

Deiche statt Vorbeugung

Dencker findet es toll, dass mehr Wälder wachsen sollen. Und er glaubt auch an die Möglichkeit einer Null-Emissions-Gesellschaft bis 2050. Und dennoch meint er, dass es nicht Aufgabe der Politik sei, den CO2-Ausstoß zu senken – dafür solle sich die Politik lieber um die Folgen von Klimaveränderungen kümmern.

Zum Beispiel dadurch, Abwasseranlagen auszubauen und Deiche dort zu errichten, wo Überschwemmungen drohen. „Selbstverständlich kann man beobachten, dass mit dem Wetter etwas passiert. Danach muss man sich richten. Das hat die Menschheit während ihrer gesamten Geschichte getan“, sagt Dencker.

Regierungspartei LA anderer Meinung

Der klimapolitische Sprecher der Regierungspartei Liberale Allianz, Carsten Bach, sieht das ganz anders. „Dänemark muss international Druck machen, um breite Übereinkünfte für neue Initiativen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes zu schaffen“, schrieb er am Sonnabend an Ritzau.

„Selbstverständlich beeinflussen die nun bald acht Milliarden Menschen auf der Welt unser Klima. Deshalb müssen wir auch mit globalen Lösungen mit breiter Rückendeckung arbeiten, wo die Weltgemeinschaft bei möglichen neuen schärferen Maßnahmen zusammen steht“, so Bach weiter. „Die globale Erwärmung ist ein Fakt und unter anderem durch steigende CO2-Mengen in der Atmosphäre verursacht“, schreibt er unter anderem.

Fakten zum Klimawandel

  • 2013 kam eine Studie von rund 4.000 wissenschaftlichen Artikeln aus 20 Jahren Forschung zu dem Ergebnis, dass 97,1 Prozent aller Klimaforschung zu dem Schluss kommt, dass der Klimawandel auf menschliches Handeln zurückzuführen ist. Von den Tausenden Artikeln haben nur 83 diesen wissenschaftlichen Konsens infrage gestellt.
  • Eine kürzlich vorgelegte Studie eines internationalen Forscherteams kommt zu dem Schluss, dass die internationale Zielsetzung, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, nicht ausreicht. Es würde zu Dominoeffekten in Form unaufhaltbarer Naturphänomene kommen, die die Durchschnittstemperatur weltweit um vier bis fünf Grad anheben könnten.
  • Die Studie kam auch zu dem Schluss, dass das Handeln der globalen Gemeinschaft in den kommenden zehn Jahren Auswirkungen auf die Entwicklung der Erde der kommenden 10.000 bis 100.000 Jahre habe.
  • 2013 gab der Klimarat der Vereinten Nationen seinen fünften Hauptbericht heraus. Das dänische Meteorologische Institut DMI schrieb daraufhin unter anderem:

    „Die Erwärmung des Klimasystems ist unzweideutig und seit den 1950er Jahren sind viele der beobachteten Entwicklungen über Jahrzehnte bis zu Jahrtausende ohne Beispiel.“

    „Jedes der vergangenen Jahrzehnte war zunehmend wärmer auf der Erdoberfläche als irgendein vorangegangenes Jahrzehnt seit 1850.“

    „Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist deutlich. Dies geht klar aus den steigenden Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre hervor, aus der positiven Strahleneinwirkung, der beobachteten Erwärmung und aus dem Verständnis des Klimasystems.“

  • Auch die amerikanische Raumfahrtagentur Nasa schreibt auf ihrer Internetseite, dass die Hauptursache für die derzeitige Klimaerwärmung sei, dass die Menschen den Treibhauseffekt vorantreiben.

Quellen: Information, DMI, Ritzau, Nasa

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