Händedruck-Gesetz

Däne nach Handschlag

dodo
Kopenhagen
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Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau-Scanpix

Künftig können nur noch diejenigen dänische Staatsbürger werden, die bereit sind, dem Verwaltungsbeamten bei der Übergabe der Urkunde die Hand zu schütteln. Ausländerministerin Inger Støjberg hat am Donnerstag höchstpersönlich die ersten Handschläge entgegengenommen. Der Bürgermeister von Apenrade hält das verordnete Ritual für übertrieben.

Das viel umstrittene Händedruck-Gesetz (håndtrykslov) ist am Donnerstag erstmals angewandt worden. Bei einer Zeremonie in Kopenhagen haben am Nachmittag neun Ausländer, die zuvor den Einbürgerungstest bestanden hatten, die dänische Staatsbürgerschaft ausgehändigt bekommen, nachdem sie Ausländer- und Integrationsministerin Inger Støjberg (Venstre) die Hand gegeben hatten.

„Genau in diesem Moment werdet ihr dänische Staatsbürger“, sagte sie während der Zeremonie zu den Neu-Dänen. „Es ist etwas Einzigartiges, die dänische Staatsbürgerschaft zu erhalten.“

Die Regierung und die Dänische Volkspartei verabschiedeten das Gesetz im vergangenen Jahr – es trat am 1. Januar 2019 in Kraft.

Massive Kritik am Gesetz

Es führte damals zu massiver Kritik – auch unter Venstre-Mitgliedern. Mehrere Bürgermeister äußerten sich öffentlich und kündigten an, niemanden dazu zu zwingen, ihnen die Hand zu geben.

Støjberg hingegen ist der Meinung, dass ein Händedruck wichtig sei, um zu zeigen, dass man die dänischen Werte achtet.

„Dies ist eine ganz normale Höflichkeitsform in Dänemark. Die Art und Weise, wie wir uns begrüßen. Wenn man die Hand nicht geben will, ist es ganz einfach – dann kann man die dänische Staatsbürgerschaft nicht bekommen“, so die Ministerin zur Nachrichtenagentur Ritzau.

In der Anmerkung zum Gesetz ist sogar genau beschrieben, wie der Händedruck auszusehen hat: Hand in Hand – ohne Handschuh – und von Angesicht zu Angesicht.

Thomas Andresen: Machtdemonstration

Die dänische Staatsbürgerschaft sei ein Geschenk, es sei aber übertrieben, per Gesetz einen Händedruck vorzuschreiben, so Thomas Andresen (Venstre), Bürgermeister der Kommune Apenrade in Danmarks Radio. Zum Sender sagte er: „Gibt man nicht die Hand, erhält man nicht die Staatsbürgerschaft und riskiert seine Aufenthaltsgenehmigung im Land. Für mich ist das eine Machtdemonstration."

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