Mensch und Umwelt

Kampf dem Müll

Kampf dem Müll

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Ritzau/hm
Kopenhagen
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Den beiden Interessenverbänden Danmarks Naturfredningsforening und Dansk Industri ist der dänische Müllberg zu hoch, sie machen gemeindam Vorschläge, wie dieser kleiner werden kann. Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix

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Mit 844 Kilogramm Abfall pro Einwohner pro Jahr ist Dänemark Europameister in Sachen Müllerzeugung. Zwei recht verschiedene Interessenorganisationen, Dansk Industri und Danmarks Naturfredningsforening, wollen etwas dagegen unternehmen.

Was die Müllerzeugung angeht, nimmt Dänemark in Europa die Spitzenposition ein – 844 Kilogramm Müll pro Einwohner pro Jahr. Der Branchenverband der dänischen Industrie, Dansk Industri (DI), und der Naturschutzverein Dänemarks, Danmarks Naturfredningsforening, haben jetzt einen gemeinsamen Vorschlag erarbeitet, der den Müllberg, den jeder einzelne Däne im Jahr hinterlässt, um 20 Prozent reduzieren soll.

Beide Organisationen rufen Politiker dazu auf, mithilfe einer landesweiten Strategie die Abfallmenge zu begrenzen und die Wiederverwertung auszubauen.

Fünf Vorschläge

DI und der Naturschutzverein machen in ihrem Vorstoß fünf Vorschläge. Unter anderem setzen sie sich dafür ein, die großen Mengen an Einwegverpackungen für Take-away-Gerichte zu begrenzen und der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen (håndværkerfradrag) eine umweltfreundliche Richtung zu geben.

„In den vergangenen Jahren ging es vor allem darum, was wir mit dem Müll machen, den wir produzieren. Das reicht nicht. Zusammen mit DI wollen wir erreichen, dass es 2050 keinen Abfall mehr gibt. Wir müssen alles wiederverwerten und reparieren“, so Maria Reumert Gjerding, Präsidentin des Naturschutzvereins. Die Hälfte aller Treibhausgasemissionen entfällt ihrer Darstellung nach auf den Verbrauch natürlicher Ressourcen.

Dänemark ist Müll-Europameister. Foto: Ritzau Grafik

Große Klimaschutzambitionen und große Abfallproduktion

Lars Sandahl Sørensen, geschäftsführender Direktor von Dansk Industri, macht auf das Missverhältnis zwischen den großen Klimaschutzambitionen Dänemarks und der ebenso großen Abfallproduktion aufmerksam. „Das können wir besser“, so Sørensen. Viele Firmen würden bereits ressourcenschonender produzieren, doch müsse dies in einem weit größeren Maßstab geschehen. Dies würde auch Kosten senken.

Die beiden Interessenorganisationen wollen den existierenden Handwerkerfreibetrag erweitern. Er sollte auch für Reparaturleistungen zu Hause gelten, sodass es einen Anreiz gibt, Geräte zu reparieren, beispielsweise Waschmaschinen. Knapp 10 Prozent aller Haushalte im Land wechseln ihre Waschmaschine innerhalb eines Jahres aus. Das sind 220.000 Maschinen, die jedes Jahr neu gekauft werden. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass jedes vierte ausgemusterte Gerät noch zu gebrauchen ist – ganz ohne Reparatur.

Mülltrennungsprojekt: Stockende Umsetzung

Unterdessen sieht es so aus, als ob der Plan des Parlaments, durch mehr Abfallsortierung und weniger Müllverbrennung den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken, später als gedacht Realität wird. Wie die Zeitung „Jyllands-Posten“ berichtet, werden nur 9 von den 98 Kommunen des Landes zur Frist am 1. Juli das Projekt der Abfalltrennung verwirklicht haben. Der Chef des dänischen Abfallverbandes ist der Auffassung, dass die von der zuständigen Ministerin angegebene Preissteigerung von 55 Kronen pro Haushalt pro Jahr für den größeren Sortieraufwand zu niedrig ist. Der Verband der Kommunen (KL) geht von 500 Kronen aus. Die Ministerin hält an der Zahl fest.

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