Wiedereröffnung

Kritik am angekündigten Corona-Pass

Kritik am angekündigten Corona-Pass

Kritik am angekündigten Corona-Pass

Ritzau/nb
Kopenhagen
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Bis Ende Mai soll die App „MinSundhed“ als einfacher Corona-Pass funktionieren. Danach soll eine eigens entwickelte App zur Anwendung kommen. Foto: Liselotte Sabroe/Ritzau Scanpix

Die Pläne für einen Corona-Pass als Zugangsberechtigung zur Teilnahme am öffentlichen Leben stoßen in mehreren Branchen auf Kritik.

„Wir sind uns einig, dass ein sehr, sehr wichtiger Fixpunkt der Moment ist, in dem alle über 50 Jahre geimpft worden sind. Das beruht jedoch darauf, dass wir die Infektionsrate niedrig halten können und dass wir einen Corona-Pass benutzen“, sagt Staatsministerin Mette Frederiksen am Montagabend bei der Präsentation des langfristigen Wiedereröffnungsplan für Dänemark.

Der Corona-Pass soll es in den kommenden Monaten ermöglichen, dass das öffentliche Leben in Dänemark wieder in Gang kommt.

Café- und Restaurantbesuche nur mit Corona-Pass

Wer ab dem 6. Mai von der Möglichkeit Gebrauch machen möchte, wieder im Restaurant zu speisen oder ins Café, Theater oder Kino zu gehen, der benötigt den Corona-Pass. Im Zwei-Wochen-Rhythmus soll es weitere Lockerungen geben, sodass bei gleichzeitiger positiver Entwicklung der Infektionszahlen und bei Einhaltung des Impfplans bis Ende Mai weite Teile Dänemarks wieder geöffnet sein werden.

Doch das Zugangsticket soll in allen Fällen der Corona-Pass sein. Vor diesem Hintergrund melden sich bereits einige Kritiker zu Wort.

Kritik von SMVdanmark

Der Interessenverband für die kleinen und mittleren Unternehmen, die in Dänemark die Mehrzahl ausmacht, SMVdanmark, freut sich zwar über den angekündigten Wiedereröffnungsplan, sieht jedoch den geforderten Corona-Pass kritisch.

Viele Kunden – vor allem in den dünner besiedelten Gegenden, in denen die Testmöglichkeiten nicht so gut sind wie in den größeren Städten – werden sich vermutlich weiterhin zurückhalten.

Jakob Brandt, Direktor von SMVdanmark

„Es ist nicht zweckdienlich, einen Corona-Pass zu verlangen, um beispielsweise zum Frisör gehen zu können. Viele Kunden – vor allem in den dünner besiedelten Gegenden, in denen die Testmöglichkeiten nicht so gut sind wie in den größeren Städten – werden sich vermutlich weiterhin zurückhalten“, sagt der Direktor von SMVdanmark, Jakob Brandt.

Außerdem zeigten die Berechnungen des SSI, dass das Infektionsrisiko bei Dienstleistern wie Frisören gering sei, und ein Corona-Pass deshalb nicht erforderlich, so seine Einschätzung.

Unverständnis in Restaurant- und Hotelbranche

Auch die Restaurant- und Hotelbranche zeigt sich skeptisch und sieht einen logistischen Albtraum darin, die Einhaltung des Corona-Passes überprüfen zu müssen.

„Wir bekommen eine Kontrollfunktion auferlegt, die sich ganz und gar von unserer eigentlichen Servicefunktion unterscheidet“, sagt Katia Østergaard, Direktorin der dänischen Interessenorganisation für das Hotel-, Restaurant- und Tourismusgewerbe, Horesta.

Wir bekommen eine Kontrollfunktion auferlegt, die sich ganz und gar von unserer eigentlichen Servicefunktion unterscheidet.

Katia Østergaard, Horesta

Sie ist der Auffassung, dass es die Servicebranche teuer zu stehen kommen wird, wenn sie prüfen soll, ob die Gäste die notwendige Dokumentation dabeihaben. Des Weiteren fürchtet sie, dass ein Corona-Pass viele Gäste davon abhalten werde, einen Restaurantbesuch überhaupt zu erwägen.

Für sie erschließt sich auch die Logik hinter einem Corona-Pass nicht, wenn man draußen oder drinnen etwas essen oder trinken möchte.

„Es ist schwer zu verstehen, weshalb es gefährlicher ist, ins Restaurant zu gehen, als im Supermarkt einzukaufen, wo man sich auch unter vielen Menschen bewegt. 50 Menschen können schwitzend Sport treiben, aber wenn sie hinterher in einem Café etwas trinken möchten, müssen sie einen Corona-Pass vorweisen. Da ist die Logik sehr schwer zu verstehen“, meint Katia Østergaard.

Skepsis auch beim Arbeitgeberverband

Ebenfalls skeptisch zeigt sich der Arbeitgeberverband „Dansk Erhverv“.

Es besteht kein Zweifel daran, dass wir darauf gehofft hatten, dass die Verwendung eines Corona-Passes keine Voraussetzung sein sollte, um ins Café oder Restaurant gehen zu können.

Brian Mikkelsen, Dansk Erhverv

„Zwar unterstützen wir einen Corona-Pass, aber bezüglich der Restaurants und Cafés muss gesagt werden, dass sie besonders schwer von den Restriktionen betroffen sind. Es besteht kein Zweifel daran, dass wir darauf gehofft hatten, dass die Verwendung eines Corona-Passes keine Voraussetzung sein sollte, um ins Café oder Restaurant gehen zu können. Wir müssen deshalb die Situation genau verfolgen, um zu sehen, ob Cafés und Restaurants die notwendige Menge an Kunden bekommen, um ihr Geschäft öffnen zu können“, sagt Direktor Brian Mikkelsen in einem Kommentar.

Corona-Pass soll im August auf den Prüfstand kommen

Die politischen Parteien hinter der Vereinbarung haben eine sogenannte „Sonnenuntergangsregel“ (solnedgangsklausul) für den Corona-Pass vereinbart. Das bedeutet, dass die Forderung nach einem Corona-Pass für weitere Bereiche vermutlich im August verschwinden wird, wenn allen ein Impfangebot gemacht wurde. Jedoch wird der Corona-Pass bei Reisen und touristischen Aktivitäten auch weiterhin relevant sein.

Fakten zum Corona-Pass

  • Der Corona-Pass soll zeigen, ob eine Person entweder fertiggeimpft ist, bereits mit dem Corona-Virus infiziert war oder innerhalb der vergangenen 72 Stunden negativ auf das Corona-Virus getestet wurde (PCR- und Antigen-Schnelltest).
  • Kinder unter 15 Jahren sind vom Corona-Pass ausgenommen.
  • Die genaue Implementierung soll mit den betroffenen Branchen erörtert werden.
  • Ab Ende März wird die App „MinSundhed“ als einfacher Corona-Pass funktionieren.
  • Für Ende Mai wird dann eine weiterentwickelte und benutzerfreundlichere App erwartet. Diese soll gemeinsame europäische Standards berücksichtigen.
  • Personen ohne Smartphone sollen Zugang zu einer einfachen Lösung bekommen, anhand derer sie ihre Impfung oder einen negativen Test nachweisen können, beispielsweise in Form eines papierbasierten Nachweises, der per Briefpost zugestellt wird.
  • Im Mai und Juni wollen die politischen Parteien die Anwendung des Corona-Passes evaluiert werden und Stellung zu dessen weiterer Anwendung beziehen.
  • Im August soll dann die weitere Zukunft des Corona-Passes erörtert werden, da zu diesem Zeitpunkt damit gerechnet wird, dass alle Bürgerinnen und Bürger, die dies wünschen, fertig geimpft sind.
  • Der Einsatz des Corona-Passes soll zeitlich begrenzt sein, mit Ausnahme Tourismus und Reiseaktivitäten.
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Also was jetzt?“