Wiedereröffnung

Karl Lauterbach: Dänemark macht einen spektakulären Fehler

Karl Lauterbach: Dänemark macht einen spektakulären Fehler

Karl Lauterbach: Dänemark macht einen spektakulären Fehler

Berlin/Kopenhagen
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Die Wiedereröffnung Dänemarks könnte „fatale Folgen“ haben, befürchtet Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach. Foto: Unsplash/Markus Winkler

Der Gesundheitsexperte aus Deutschland warnt in den sozialen Medien vor den dänischen Wiedereröffnungsplänen.

Am späten Montagabend hat sich die dänische Regierung mit einer Mehrheit der Parteien auf einen Plan zur Wiedereröffnung geeinigt.

Sobald alle über 50 Jahre geimpft sind, soll die Gesellschaft weitgehend öffnen. Das Ziel soll in zwei Monaten erreicht sein.

Diesen Plan hält der Gesundheitsexperte aus Deutschland, Karl Lauterbach, der für die SPD als Abgeordneter im Bundestag sitzt, in den sozialen Medien für einen „spektakulären Fehler“.

Wenn die Menschen über 50 Jahre eine Impfung erhalten haben und Dänemark dann öffnet, „lasse man eine Durchseuchung zu“. Der Politiker warnt auf „Twitter“ vor fatalen Folgen.

Zum Beispiel würden viele ungeimpfte ältere Menschen erkranken. Karl Lauterbach zieht den Vergleich zu Deutschland und schätzt, dass 60.000 Menschen bei einer „Durchseuchung“ sterben würden, wenn 20 Prozent der Menschen über 50 Jahre nicht geimpft wären, und sich jeder zweite ansteckt.

Doch der Gesundheitsexperte warnt nicht nur vor den Folgen für Ältere, sondern sieht auch die Gesundheit jüngerer Menschen durch den Wiedereröffnungsplan Dänemarks bedroht.

Nach seinen Angaben können auch viele Jüngere unter Langzeitfolgen nach einer Corona-Erkrankung leiden. Als eine Langzeitfolge nennt er das chronische Erschöpfungssyndrom, das die Lebensqualität stark durch Störung des Denkens, Merkens und der Konzentrationsfähigkeit einschränkt.

Unter den zahlreichen Kommentaren des Tweets reagiert auch der Chefredakteur von „Flensborg Avis“, Jørgen Møllekær, auf die Warnung Lauterbachs. Er erwähnt, dass die Impfbereitschaft in Dänemark sehr hoch sei.

Der Chefredakteur macht auf den geplanten Corona-Pass aufmerksam. Dieser soll nachweisen, dass eine Person entweder fertig geimpft ist, mit dem Coronavirus infiziert gewesen ist oder innerhalb der vergangenen 72 Stunden negativ getestet wurde (anhand eines PCR- oder eines Antigen-Schnelltests).

Dass die Corona-Strategien Dänemarks und Deutschlands sehr unterschiedlich aussehen, wurde besonders am Anfang der Woche deutlich, als Dänemark den Wiedereröffnungsplan vorstellte und Deutschland den Shutdown bis Mitte April verlängerte.

Dabei unterscheidet sich das Infektionsgeschehen in den beiden Ländern auf den ersten Blick nur geringfügig. In Deutschland liegt die siebentägige Inzidenz laut Robert Koch-Institut derzeit bei 108, in Dänemark lag sie laut Statens Serum Institut bei 93,9.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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