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Wanderroute in Nordschleswig: Das steckt hinter dem Gendarmenpfad

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Der Gendarmenpfad entlang der Förde ist mit Hinweisschildern gekennzeichnet (Archivbild).

Wie wurde aus einem ehemaligen Patrouillenweg eine europäisch ausgezeichnete Wanderstrecke? Der 84 Kilometer lange Pfad entlang der deutsch-dänischen Küste lockt jährlich über 100.000 Besucherinnen und Besucher an – und verbindet Naturerlebnis mit geschichtlicher Tiefe. Einblick in Landschaft, Erinnerung und den Wandel vom Grenzstreifen zum beliebten Wanderweg.

Wer auf dem Gendarmenpfad – auf Dänisch Gendarmstien – entlangwandert, erlebt nicht nur eine der schönsten Küstenwanderungen Dänemarks, sondern folgt auch einer lebendigen Spur der Geschichte. Entlang der Route begegnen Wandernde immer wieder kleinen Wegweisern: stilisierte, blaue Männchen, die nicht nur den Pfad markieren, sondern auch an jene Männer erinnern, die einst in hellblauer Uniform die dänische Grenze bewachten – die Grenzgendarmen.

„Die Grenzgendarmen stehen für eine besondere deutsch-dänische Geschichte“, sagt Mads Mikkel Tørsleff, Leiter des Grenz- und Zollmuseums in Pattburg (Padborg). Doch wer waren diese Männer in den hellblauen Uniformen?

Für ihn ist klar: Diese Männer stehen für weit mehr als nur ein Kapitel in der Geschichte. „Es waren Familienväter und Ehemänner aus der Region – ein wichtiger Teil der Lokalbevölkerung.“

Auch ihr Tätigkeitsfeld sei vielfältig gewesen. Tørsleff nennt sie das „Universalmesser der Grenzbewachung“: Die Grenzgendarmen verfügten über zollrechtliche und polizeiliche Befugnisse, waren militärisch geschult und konnten im Ernstfall sogar als Hilfspolizei bei Unruhen eingesetzt werden. „Sie erfüllten also drei Funktionen gleich in einer Person“, ergänzt er.

Museumsleiter Mads Mikkel Tørsleff ist Experte für die Geschichte zum Gendarmenpfad.

Auf den Spuren der Grenzgendarmen

„Was viele nicht wissen: Im dänischen Verteidigungsplan spielten die Grenzgendarmen eine große Rolle“, erzählt der Historiker. Damit habe man die Idee verfolgt, dass sie in der ersten Reihe kämpfen sollten. Eine Rolle, auf die sie weder ausreichend vorbereitet noch körperlich eingestellt waren. „Ein tragisches Kapitel, das ihnen selbst kaum bewusst war. Man hatte es versäumt, die genauen Absprachen an die Gendarmen weiterzugeben“, so Tørsleff.

Die Zeit der Gendarmen ist vorbei – ihre Spuren aber sind geblieben. Nicht nur in alten Fotografien oder Museumsvitrinen, sondern auch ganz konkret: auf dem heutigen Gendarmenpfad.

Vom Grenzschutz zur Qualitätswanderroute

Die Grenzgendarmen stehen für eine besondere deutsch-dänische Geschichte.

Mads Mikkel Tørsleff

Bis 1968 gehörten die Grenzgendarmen zum alltäglichen Bild im deutsch-dänischen Grenzland – danach seien sie mit dem Zoll zusammengelegt worden und als Zöllner im Dienst gewesen, berichtet Tørsleff. „Ab dem Zeitpunkt gab es keine Grenzgendarmen mehr.“

Der einstige Patrouillenweg verlor an Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Erst viele Jahre später begannen die Kommunen, die Strecke wiederzubeleben – diesmal nicht zur Grenzbewachung, sondern als Wanderweg mit historischem Tiefgang.

Die Wiedereröffnung war ein gemeinschaftliches Projekt: Nur durch Vereinbarungen mit den Eigentümerinnen und Eigentümern der betroffenen Landstücke konnte der durchgehende Pfad wieder nutzbar gemacht werden.

Heute ist der Gendarmenpfad zertifiziert als „Leading Quality Trail – Best of Europe“ – ein Gütesiegel, das an Wanderwege vergeben wird, die höchste Standards in den folgenden Kategorien erfüllen: Naturerlebnis, Wegequalität, Beschilderung und kulturelle Vielfalt.

Außerdem ist er Teil der Fernwanderroute E6, die über 6.000 Kilometer von Schweden bis nach Griechenland verläuft – und in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Tourismus trifft auf Geschichte

Auch mit dem Rad sind manche auf dem Gendarmenpfad unterwegs – hier bei den Ochseninseln (Archivfoto).

Der Gendarmenpfad ist längst kein Geheimtipp mehr. Natur- und Wanderbegeisterte treten heute in die Fußstapfen der ehemaligen Grenzgendarmen und erfahren auf Infotafeln entlang des Weges ihre Hintergründe.

In der Saison 2023 konnte laut einer Pressemitteilung der Kommune Sonderburg (Sønderborg) ein Rekord von 107.000 Wandernden verzeichnet werden. Zwar sorgte eine Sturmflut im Herbst 2023 für Schäden und hatte den Wanderpfad in Mitleidenschaft gezogen. Das sorgte für einen leichten Rückgang auf 78.000 im Jahr 2024. Doch nach erfolgreicher Instandsetzung ist die Route auch 2025 wieder voll begehbar. Schon jetzt wurden in diesem Jahr über 100.000 Wandernde registriert.

Historiker Tørsleff begrüßt diese Entwicklung: „Die Verbindung von Naturerlebnis und Geschichte finde ich großartig. Wer hier wandert, bekommt nicht nur schöne Ausblicke, sondern auch Einblicke in die Geschichte – wenn man das möchte.“

Künftig soll das Angebot noch ausgebaut werden – unter anderem mit Ausstellungen zu den persönlichen Geschichten der Gendarmen. Einige Nachfahren leben noch heute in der Region. Ihre Erinnerungen sollen dem Weg zusätzliche Tiefe geben.

Natur, Geschichte und Zukunft

Der Gendarmenpfad steht für einen landschaftlich eindrucksvollen Küstenwanderweg. Er ist ein Stück lebendige Grenzgeschichte – eingebettet in Naturidylle. Wer ihn geht, spürt beides: die Ruhe der Gegenwart und das Echo der Vergangenheit.

Der Gendarmenpfad im Überblick: