Praktikant Fabian Tschorn macht ein Workout auf dem Dach des Parkhauses „Park 'n' Play“.Foto: Fabian Tschorn
Sightseeing mal anders: Skifahren auf einer Müllverbrennungsanlage, Nervenkitzel auf Kirchtürmen, Krafttraining auf einem Parkhaus mit Meerblick – Kopenhagen bietet mehr als Nyhavn und die Meerjungfrau. Praktikant Fabian Tschorn überzeugt sich selbst, warum die dänische Hauptstadt dieses Jahr zur lebenswertesten Stadt der Welt ausgezeichnet wurde.
„Der Nordschleswiger“ schickt jede Praktikantin und jeden Praktikanten für ein Wochenende in die dänische Hauptstadt. Dort wählen sie ein eigenes Thema, über das sie anschließend einen Artikel schreiben. Auch ich, Fabian Tschorn, habe mich dieser Herausforderung gestellt und dabei Kopenhagen von der aufregenden Seite kennengelernt und meine Highlights zusammengefasst:
1. CopenHill
Im Osten Kopenhagens befindet sich eine futuristisch aussehende Müllverbrennungsanlage – und sie sieht nicht nur so aus, sie ist es auch. Auf dem Dach befindet sich eine 450 Meter lange Skipiste, die mit grünen, borstenartigen Kunststoffmatten ausgelegt ist. Irgendwie einzigartig und gleichzeitig in Kopenhagen völlig normal: Skifahren im Sommer – ohne Schnee und mitten in einer Großstadt. Das muss und will ich ausprobieren!
Ich selbst war bisher nur ein- oder zweimal in meinem Leben auf Skiern unterwegs – ein Profi bin ich also definitiv nicht. Aber Kurvenfahren und Bremsen haben mir eigentlich nie Schwierigkeiten gemacht. Und so ziehe ich mir vor Ort optimistisch die Skistiefel an, schnappe mir Skier und Stöcke und mache mich auf den Weg. Mit den schweren, steifen Schuhen fühlt sich das Gehen allerdings ein bisschen so an, als hätte man Gipsverbände an beiden Füßen – fast wie nach einem Knochenbruch. Aber gut, ein bisschen Herausforderung gehört ja dazu!
Müll rein, Energie raus – und obendrauf eine Skipiste: Diese Anlage verwandelt 440.000 Tonnen Abfall pro Jahr in Energie und versorgt jährlich rund 160.000 Haushalte mit Fernwärme und 62.500 Häuser mit Strom. Auf dem Dach lädt eine künstliche Abfahrt mit Rails und Hindernissen zum Skifahren und Snowboarden ein.Foto: Ehrhorn Hummerston
Von der Ausleihstation bis zum Start der Piste ist es ein ganzes Stück – und das geht ordentlich in die Beine! Aber hey, das Aufwärmen hab ich mir dadurch auf jeden Fall gespart. Am Hang angekommen, wartet eine Art Laufband, das einen gemütlich nach oben bringt. Zugegeben, es ist nicht gerade das schnellste – die Fahrt dauert über eine Minute, und dann hat man erst ein Viertel des Hangs geschafft. Danach geht’s noch mit einem zweiten Lift weiter.
Hätte ich gewusst, dass ich noch bis zum Hang laufen muss, hätte ich mir die schweren Stiefel nicht sofort angezogen.Foto: Fabian Tschorn
Auf halber Höhe des Hangs angekommen, stehe ich plötzlich vor einem defekten und abgesperrten Skilift. Keine Mitarbeitenden weit und breit, kein Schild, das mir verrät, wie ich sonst auf den Gipfel komme. Etwas ratlos blicke ich mich um – aber gut, für den Anfang reicht mir auch der untere Teil des Hangs völlig aus.
Bei einem Gesamtpreis von 350 Kronen für eine Stunde kostet mich diese einminütige Fahrt also etwa 6 Kronen – na, wenn das mal keine Investition in Entschleunigung ist!Foto: Fabian Tschorn
Klack, klack – so klingt es, als ich meine Skistiefel in die Skibindungen einklicke. Kaum stehe ich auf den Skiern, merke ich sofort, wie schwer es ist, einfach nur stillzustehen. Mein Gewicht verteilt sich ungleichmäßig, die Kunststoffmatten sind rutschig – und plötzlich gleite ich ein paar Zentimeter los, ohne es zu wollen. Es fühlt sich an, als stünde ich auf Glatteis – mit übergroßen Schuhen ohne Profil.
Abfahrt
Vorsichtig bewege ich mich Richtung Hang, lehne mich nach vorne – und los geht’s. Ich werde schneller und der Fahrtwind stärker. Die ersten zehn Meter sind geschafft, vor mir liegt die erste Kurve. Ich ziehe die Skier nach links… aber irgendwie tut sich nicht viel. Statt elegant in die Kurve zu gleiten, rutsche ich mehr oder weniger geradeaus weiter. Erst nach und nach dreht sich mein Kurs in die richtige Richtung.
Irgendwie klappt die Kurve dann doch – nicht schön, aber ich bleibe aufrecht. Der Untergrund fühlt sich völlig anders an als echter Schnee: nicht weich und federnd, sondern eher wie gefrorenes Plastik. Jeder Richtungswechsel wird zur Herausforderung.
Der Sturz
Unten angekommen, fahre ich mit dem Lift direkt wieder nach oben – für den nächsten Versuch. Doch auch der läuft nicht wirklich besser. Vielleicht der dritte? Auch nicht. Im Gegenteil: Diesmal schaffe ich die Kurve nicht, gerate aus dem Gleichgewicht, und bevor ich reagieren kann, stelle ich mir mit meinen Skiern selbst ein Bein – und falle hin.
Nach einigen Versuchen setze ich mich auf eine der Bänke am Rand, schnalle die Skier ab und schaue den anderen beim Fahren zu. Manche sind wirklich beeindruckend – ein etwa zwölfjähriger Junge fährt ganz ohne Skistöcke, als würde er auf echtem Schnee dahingleiten. Andere wiederum wirken genauso überfordert, wie ich es vor wenigen Minuten noch war. Irgendwie beruhigend zu sehen, dass ich nicht der einzige Anfänger bin.
Ein, zwei Stürze gehören eben dazu – und wer dabei über sich selbst lachen kann, ist klar im Vorteil.Foto: Fabian Tschorn
Ich lehne mich zurück, lasse mir den Wind ins Gesicht wehen und denke: Das war vielleicht kein voller Erfolg, aber definitiv ein Erlebnis – eins, das ich so schnell nicht vergessen werde.
Fazit
Für fortgeschrittene Wintersportler, die auch im Sommer nicht auf ihren Lieblingssport verzichten wollen, ist die Skipiste des CopenHill definitiv eine gute Alternative – vor allem eine der besonderen Art. Anfänger könnten vermutlich ähnliche Erfahrungen machen, wie ich – aber das sollte niemanden abschrecken, denn im Sommer auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage Ski zu fahren hat einfach was! Das wissen die Betreibenden allerdings auch, und deshalb kostet eine Stunde Skispaß inklusive notwendiger Ausrüstung satte 300 Kronen sowie weitere 50 Kronen Mitgliedsgebühr, die einmalig bei der ersten Buchung zu zahlen sind.
2. Kajaktour mit Krokodilsichtung
Kopenhagen ist durchzogen von Kanälen – warum also nicht einmal vom Wasser aus auf Entdeckungstour gehen? Es gibt geführte Bootstouren oder die Möglichkeit, ein Kajak zu mieten und das Sightseeing aktiv vom Wasser aus zu erleben. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
Meine Tour beginnt an der „Kayak Bar“. Ausgerüstet mit einem Doppelpaddel und einer kleinen Karte, auf der die Kanäle eingezeichnet sind, steige ich in das Kajak. Mit einem leichten Schub stoße ich mich vom Steg ab und gleite aufs Wasser hinaus.
Bootstouren auf den Kanälen sind bei Touristinnen und Touristen sehr beliebt, da diese eine Möglichkeit bieten, Kopenhagen fernab vom Trubel auf den Straßen erleben zu können.Foto: Fabian Tschorn
Über mir strahlt der mit bilderbuchartigen Wolken bedeckte Himmel, und die Sonne brennt leicht auf meiner Haut. Die kalten Wassertropfen, die mir beim Paddeln ins Gesicht spritzen, sind eine willkommene Abkühlung. Mit dem Kajak gleite ich vorbei an prachtvollen Gebäuden, modernen Glasfassaden und kleinen Anlegestellen, an denen Menschen entspannt Kaffee trinken oder lesen. Die Perspektive vom Wasser aus ist entschleunigend – und gleichzeitig lebendig.
Krokodile in Kopenhagen?
Ein kleiner Einblick in die Aussicht, die ich genießen durfte – das königliche Schauspielhaus.Foto: Fabian Tschorn
Plötzlich erblicke ich etwas, das mich stutzig macht: Zwischen zwei Booten ragt der schuppige Kopf eines Krokodils aus dem dunklen Wasser. Ein Krokodil? In Kopenhagen? Das Gefährlichste, von dem ich bisher gehört habe, sind Feuerquallen – und rücksichtslose Fahrradfahrer. Aber Krokodile?
Trotz innerer Aufregung paddle ich vorsichtig in Richtung des vermeintlichen Reptils. Ich versuche, keine großen Wellen zu schlagen und vermeide hektische Bewegungen – ich will das Tier nicht verschrecken.
Als ich nur noch wenige Meter entfernt bin, fällt mir auf, dass dem Tier mein Näherkommen völlig egal zu sein scheint. Auch die Reflexion des Sonnenlichts auf seiner Haut wirkt irgendwie… unnatürlich. Und dann sehe ich es: Das ist gar kein echter Krokodilkopf, sondern ein erstaunlich realistisch aussehendes Plastikspielzeug.
Der Übeltäter
So einen Krokodilkopf aus Plastik gibt es im Internet schon für unter 20 Euro.Foto: Fabian Tschorn
Aus einem der beiden Boote, zwischen denen der leblose Plastikkopf treibt, höre ich plötzlich lautes Lachen. Ich schaue hoch und erblicke einen Mann mittleren Alters, der mir freudestrahlend zuwinkt. Es stellt sich heraus, dass er für diesen kleinen Gag verantwortlich ist. „Ich freue mich jedes Mal, wenn es die Leute erschreckt – und vor allem Kinder lockt es mal vom Smartphone weg. Außerdem komme ich so immer wieder mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch“, erzählt er mir.
Für den gelungenen und kreativen Spaß mit dem Krokodilkopf gebe ich dem Mann ein ehrwürdiges High Five und paddle mit einem breiten Grinsen zurück in Richtung „Kayak Bar“.
Fazit
Bootstouren auf den Kanälen sind bei Touristinnen und Touristen sehr beliebt, da diese eine Möglichkeit bieten, Kopenhagen fernab vom Trubel auf den Straßen erleben zu können.Foto: Fabian Tschorn
Für alle, die beim Sightseeing nicht nur entspannen, sondern sich auch ein wenig bewegen möchten, ist eine Kajaktour durch die Kanäle Kopenhagens absolut empfehlenswert. Die Ausrüstung war in sehr gutem Zustand, auch wenn der Sitz des Kajaks nicht sonderlich bequem war und mein Rücken sich gefreut hat, als ich wieder an Land war und gerade stehen konnte. Ein wasserdichter Behälter für Wertsachen hat auch gefehlt. Es gibt zwar die Möglichkeit, Wertsachen sicher in den Umkleiden zu verschließen, aber gerade das Smartphone oder die Kamera gehören für schöne Erinnerungsfotos mit auf das Boot.
Mit 195 Kronen pro Stunde ist die Kajaktour nicht gerade ein Schnäppchen. Es gibt jedoch auch eine kostenlose Alternative: das Konzept „GreenKayak“. Wer vorab online einen Zeitslot bucht, kann sich eines der grünen Kajaks ausleihen – kostenlos. Der Deal? Man paddelt nicht nur zum Vergnügen durch die Kanäle und entlang des Strandes, sondern sammelt dabei mit Eimer und Greifzange Müll aus dem Wasser. Da dies sehr beliebt ist, sollte rechtzeitig gebucht werden.
3. Workout auf dem Dach eines Parkhauses
Meine Muskeln brennen, die Atmung wird schneller und frische Meeresluft strömt in meine Lungen. Die Skyline Kopenhagens verschwindet hinter einer roten Metallstange und taucht wieder auf – „8, ... 9, ... 10“ zähle ich im Kopf mit, während ich Klimmzüge mache.
Ich bin ehrlich: Es gibt bessere Orte mit funktionaleren Stangengerüsten, an denen ich trainiert habe, aber so eine tolle Aussicht, wie auf dem Parkhaus „Park and Play“ durfte ich dabei noch nicht genießen. Das ganze Parkhaus ist in dunklem Rot angestrichen und steht mitten im Wohnviertel des Stadtteils Nordhavn. Zu meiner Rechten funkelt mich die Glasfassade der deutschen Botschaft im Licht der untergehenden Sonne an. Ich hole tief Luft, schaue auf die Klimmzugstange über mir, springe hoch und meine Hände umschließen den kühlen Stahl. Nach diesem Satz laufe ich noch eine Runde auf dem Dach. Liegestütze, Sit-ups und andere Übungen habe ich bereits hinter mir.
Für diesen Schnappschuss habe ich im angrenzenden Wohnblock geklingelt und durfte netterweise auf den Balkon einer dort wohnenden Australierin, die nach Kopenhagen ausgewandert ist.Foto: Fabian Tschorn
Während meines Workouts wird das Dach auf ganz unterschiedliche Weise genutzt. Einige spazieren entspannt ihre Runden, andere joggen. Manche machen es sich einfach gemütlich und genießen die Aussicht, andere wiederum spielen und schaukeln mit ihren Kindern.
Auch vom Boden aus ein echter BlickfangFoto: Fabian Tschorn
Fazit
Auch eine Schulklasse zog es für einen kleinen Ausflug auf das Parkhaus. Nach dem vielen Toben und Spielen gönnen sie sich eine kurze Pause.Foto: Fabian Tschorn
Für mich ist die Idee einer öffentlich zugänglichen Fläche auf dem Dach eines Parkhauses ein faszinierendes Konzept – ganz egal, ob nur zum Entspannen oder wie in diesem Fall zum Spielen oder Trainieren. In Deutschland sind Parkhäuser kein Ort, an dem die Leute sich länger aufhalten wollen: Trist, grau und nicht gerade einladend – das Dach dient hier einfach als weitere Parketage. Deutsche Normen und Regeln gegen dänische Kreativität: Ein klares 1:0 für Dänemark – wenn es nach mir geht.
4. Wendeltreppe mit 360-Grad-Ausblick
Der Sonnenuntergang spiegelt sich herrlich in der Glasfassade der deutschen Botschaft gegenüber dem Parkhaus „Park 'n' Play“.Foto: Fabian Tschorn
Die Spitze des Turms der Vor Frelsers Kirke (Erlöserkirche) scheint fast die Wolken zu durchdringen, als ich auf der Straße, die zur Kirche führt, den Blick nach oben wage.
Es gibt viele Türme, die von Touristinnen und Touristen erklommen werden können – doch dieser ist anders. Die Treppe liegt nicht im Inneren des Turms, nein – das wäre ja zu einfach. Stattdessen führt sie außen an der Fassade entlang. Alles, was einen vom Abgrund trennt, ist ein schmales Geländer. Ein Aufstieg, der weniger an ein klassisches Touristenerlebnis erinnert – und mehr an ein kleines Abenteuer.
Die ersten 250 Stufen sind noch vergleichsweise einfach zu bewältigen – sie verlaufen im Inneren des Turms. Steile Treppen aus altem Holz knarzen unter der Last der vielen Füße, die aufgeregt auf ihr hinaufsteigen. Schwere, dicke Holzbalken zieren das sonst kalte Steingemäuer und geben dem Ganzen etwas Rustikales. Etage für Etage geht es weiter nach oben, vorbei an alten Geräten hinter Plexiglas – unter anderem steht da sogar eine Orgel. Fast wie ein kleines Museum.
Noch ein letzter Blick vom sicheren Boden ausFoto: Fabian Tschorn
Und dann ist es endlich so weit. Grelle Sonnenstrahlen erhellen die dunklen Holzbalken und ein lautes Rauschen lässt kräftigen Wind erahnen. Ich klettere durch eine schwere Metalltür und stehe auf einer kleinen Plattform mit Blick auf die Stadt – der Aufstieg beginnt.
„Ok, reicht, höher gehe ich nicht!“
Ich bin bereit für die letzten 150 Stufen bis zum „Gipfel“.Foto: Fabian Tschorn
327... 328... so viele Stufen und ich bin immer noch nicht ganz oben. In meinen Oberschenkelmuskeln fängt die Übersäuerung an – das wird bestimmt Muskelkater geben, denke ich mir.
Ein paar Stufen über mir dreht sich eine Frau auf halbem Weg um: „Ok, reicht, höher gehe ich nicht“, höre ich die Deutsche zu ihrem Mann sagen. Aufgrund des enger gewordenen Treppenabschnitts muss sie sich an den anderen und mir vorbeiquetschen, sodass ich mich etwas über das Geländer lehnen muss, um Platz zu schaffen – dabei habe ich eine etwas gruselige, aber auch fantastische Aussicht auf den Abgrund sowie auf die Köpfe derer, die gerade dabei sind, eine Etage unter mir die Stufen zu erklimmen.
Jetzt wird's eng
Und dann ist es endlich so weit: Das Ende naht, die Stufen werden schmaler, das Geländer drückt mich immer mehr Richtung Turm. Die Treppe endet nicht abrupt, sondern schmiegt sich immer schmaler werdend dem Turm an, bis ein Weitergehen schlichtweg nicht mehr möglich ist. Ich presse mich so weit es geht in das immer enger werdende Treppengeländer, bis ich kurz vor dem Steckenbleiben bin. Geschafft! Der Wind pfeift mir um die Ohren. Ich atme tief durch und blicke über die Stadt – am Horizont erkenne ich sogar „CopenHill“. Lange kann ich die Aussicht nicht genießen, da andere Personen bereits warten – schließlich ist hier ja kein Platz für zwei.
Fazit
Weiter ging's nicht – hier quetsche ich mich in die engste Stelle und genieße dabei die atemberaubende Aussicht.Foto: Fabian Tschorn
Der Kirchturm eröffnet einen beeindruckenden Blick über Kopenhagens Skyline. Etwa 400 Stufen führen bis ganz nach oben – eine Kombination aus sportlicher Herausforderung und architektonischem Höhepunkt, die Sightseeing im wahrsten Sinne des Wortes auf ein neues Niveau hebt.
Für Leute mit Höhenangst ist das schon eine kleine Herausforderung. Es ist nicht nur diese schwindelerregende Höhe, auch drückt und zieht der Wind von allen Seiten. Beim Fotografieren ist ein starker Griff notwendig, damit das Handy nicht droht, weggeweht zu werden.
Kostenlos ist der Zugang nicht – 49 Kronen sind aber ein fairer Preis. Eine rechtzeitige Buchung ist empfehlenswert, da die verfügbaren Zeitslots schnell vergriffen sind.
5. Der Sprung ins Wasser
Die etwa 400 Stufen müssen natürlich auch wieder hinabgestiegen werden.Foto: Fabian Tschorn
Als begeisterter Parkour-Athlet hatte ich vor meiner Kopenhagen-Reise natürlich bereits einige beliebte Spots recherchiert. Dabei stieß ich auf die zentral gelegene „Kalvebod Wave“. Das ist ein öffentlich zugängliches, wellenförmiges Holzdeck am Hafen, das als Freizeit- und Aktivitätszone dient – mit Badebereich, Kajakrutsche und Raum für sportliche und maritime Aktivitäten. Doch viele nutzen es, um aus rund fünf Metern Höhe ins Wasser zu springen. Besonders ein Sprung reizte mich: ein Vorwärtssalto über das Geländer hinweg.
Mentale Vorbereitung
Ein letzter Blick von der Seite aus, um die Höhe abschätzen zu könnenFoto: Fabian Tschorn
Vor Ort begutachte ich die Situation zunächst von oben, um mich mit der Höhe und dem Aufbau vertraut zu machen. Beim Vorwärtssalto ist das Timing entscheidend: Dreht man sich zu langsam, landet man auf dem Rücken – dreht man zu schnell, wird’s ein Bauchklatscher. Das Geländer war ideal: weder zu hoch noch zu breit – perfekt, um gefahrlos abzuspringen. Die Höhe flößt mir schon Respekt ein, aber sie ist machbar.
Ein Blick ins Wasser ist ebenso wichtig: Ist es tief genug? Gibt es Hindernisse wie Steine, Pfeiler oder gar versenkte Fahrräder oder Einkaufswagen? Zum Glück ist außer ein paar weißen Quallen nichts zu sehen – ideal für meinen Sprung!
„Lieber doch nicht springen?“
Ich bin bereit – doch ein Mann mit zwei Jugendlichen steht noch oben auf der Plattform im Weg. Er deutet ins Wasser, und ich höre ein paar deutsche Wortfetzen: „Das lassen wir lieber, das tut ganz schön weh.“ Dann drehen sie um und gehen zurück zur Plattform, wo ich warte. Unsere Blicke treffen sich.
„Na, lieber doch nicht springen?“, frage ich. Der Mann lacht und antwortet: „Da unten schwimmen ein paar Feuerquallen – die brennen richtig. Das Risiko ist zu hoch.“ Im Gespräch stellt sich heraus: Der Mann heißt Henning Stübe – und ist der Architekt der gesamten Konstruktion! Er erklärt mir, dass die Konstruktion eigentlich für Kajakfahrer gebaut wurde, die in ihrem Kajak sitzend dort ins Wasser gleiten können. Es ist also eine Kajakrutsche.
Nachdem Henning Stübe mit seinen Kindern gegangen ist, fokussiere ich mich wieder auf den Sprung. Die Feuerquallen machen mir keine Sorgen. Sie treiben nicht genau da, wo ich eintauchen werde – und sobald ich im Wasser bin, schwimme ich einfach um sie herum.
Der Moment
Ein tiefer Atemzug, dann renne ich los. Die ansteigende Rampe verlangt Tempo, um am oberen Ende genug Schwung für den Absprung über das Geländer zu haben. Es kommt näher – ich springe mit einem Hechtsprung ab. Das Geländer rauscht unter mir vorbei: erst auf Brust-, dann auf Bauch- und schließlich auf Kniehöhe – jetzt ist der Moment für die Drehung.
Die Welt um mich herum verschwimmt in der schnellen Rotation. Jetzt muss ich komplett meinem Körpergefühl vertrauen – visuelle Orientierung ist unmöglich. Ich spüre: JETZT strecken! Ich strecke mich, um möglichst gerade ins Wasser einzutauchen – so der Plan. Leider etwas zu spät: Zwar tauche ich mit den Füßen zuerst ein, doch die leichte Restrotation führt zu einem kleinen, aber schmerzhaften Bauchklatscher. Aber das gehört dazu. Zum Glück war’s halb so schlimm.
Als ich auftauche, höre ich Applaus von ein paar Umstehenden – den Bauchklatscher haben sie wohl gar nicht bemerkt, haha. Ich schwimme an den Feuerquallen vorbei zur Leiter und steige aus dem Wasser. Zurück bleibt zunächst ein leichter Schmerz in der Magengegend – das gute Gefühl, mich getraut zu haben aber überwiegt.
Mein persönliches Highlight: Der Vorwärtssalto von der Kajakrutsche runter ins Wasser.Foto: Fabian Tschorn
Endfazit
Es ist absolut nachvollziehbar, warum Kopenhagen zu den lebenswertesten Städten der Welt zählt – und 2025 sogar den ersten Platz im globalen Ranking belegen konnte. Meine Erlebnisse kratzen nur an der Oberfläche dessen, was diese Stadt zu bieten hat. Es ist nicht nur die beeindruckende Mischung aus moderner Architektur und maritimer Kulisse, sondern wie bewusst all das gestaltet wurde: für soziale Begegnung, für aktive Bewegung, für gelebte Lebensqualität.
Auch beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich sich die Menschen hier mit dem Rad fortbewegen. Die hervorragend ausgebauten Fahrradwege sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Teil eines Lebensstils, der auf Aktivität und Umweltbewusstsein setzt. In meiner Heimatstadt Magdeburg wird gerade viel gebaut, vielleicht schaue ich mir das mit dem Fahrradfahren ab – auch wenn es dort (noch) nicht ansatzweise so schöne Radwege gibt.
Kopenhagen zeigt, wie lebenswerte Stadt funktioniert – und hat mir Lust gemacht auf mehr. Schon jetzt steht fest: Diese Stadt wird mich nicht das letzte Mal gesehen haben.