Deutsche Minderheit

Kritik an Strukturen: DSSV-Spitze war „zu viel für eine Kraft“

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Thilo Schlechter
Der Schulausschussvorsitzende Thilo Schlechter im Gespräch mit der Vorsitzenden des Gymnasiumsausschusses, Kerstin Jürgensen.

Der Vorsitzende des Schulausschusses hat auf der Vertretertagung des DSSV Bilanz gezogen. Während die Schulen gut aufgestellt sind, sieht er gerade bei der Strukturveränderung Versäumnisse beim Hauptvorstand. Dieser habe in den vergangenen Jahren „einige Punkte“ nicht schnell genug bearbeitet und trage Mitverantwortung am Weggang von Lasse Tästensen.

„Es war ein äußerst ereignisreiches Jahr, auf das ich mit gemischten Gefühlen zurückblicke“, sagte Thilo Schlechter bei der Vorstellung des Jahresberichts des Schulausschusses der 13 deutschen Schulen für Nordschleswig auf der Generalversammlung des Deutschen Schul- und Sprachvereins (DSSV) am Dienstagabend in der Aula des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig.

Gemischte Gefühle

Der Schulalltag sei dabei nicht für seine Gefühle verantwortlich, sondern die Änderungen in den Strukturen, wie der Vorsitzende des Ausschusses betont. In seinem Bericht zieht der Pattburger daher eine persönliche Bilanz.

„Meiner Meinung nach haben wir im Hauptvorstand in den vergangenen Jahren einige Punkte nicht schnell genug bearbeitet und/oder falsche Entscheidungen getroffen. Dafür nehme ich gerne meinen Teil der Verantwortung.“

Konkret bezieht sich Schlechter auf die Position des Schulrates bzw. der Schulrätin, zum damaligen Zeitpunkt Anke Tästensen, die bis Ende vergangenen Jahres gleichzeitig die Aufgaben eines geschäftsführenden Organs wahrgenommen hat. Diese Doppelfunktion habe ein Arbeitspensum gehabt, das weit über den angedachten Arbeitsrahmen hinausragte.

Zwar habe Anke Tästensen alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Position so gut wie möglich und auch erfolgreich zu bekleiden, „dennoch war es erstens zu viel für eine Kraft und zweitens konnte einen der Gedanke streifen, dass dieser Posten so bestimmt nicht mehr attraktiv ist.“

Mit der kommissarisch als Schulrätin arbeitenden Catarina Bartling und der neu geschaffenen Stelle des Geschäftsführers, die Lasse Tästensen übernahm, wurde die Doppelfunktion aufgespalten. In den ersten Monaten hätten die beiden sehr kompetenten Fachkräfte viel Einsatz und Kraft investiert und sich eingearbeitet, so der Vorsitzende. Hier sei deutlich geworden, wie große die Masse der Aufgabe war und diese kaum mit gewissenhaftem Zeitrahmen zu bewältigen gewesen sei.

Mitschuld an Lasse Tästensen Abgang

„Ich denke nicht, dass Dinge zwischen die Stühle gefallen sind, jedoch ist meine Annahme, dass wenn man als Leitung nicht genug Zeit hat, man manchmal Dinge übereilt entscheidet“, sagte Schlechter. Beide seien zudem so in die Arbeit vertieft gewesen, dass Schulausschuss in einer Periode „völlig außen vor“ gewesen sei. Dies habe sich mittlerweile zum Positiven verändert, sagte Schlechter und lobte die gute Zusammenarbeit mit Catarina Bartling.

Nach Meinung Schlechters habe der Weggang von Lasse Tästensen Anfang 2025 auch mit Versäumnissen oder eventuellen falschen Entscheidungen seines Gremiums, des Hauptvorstandes, zu tun. „Unter allen Umständen stand nun der gesamte DSSV in einer außerordentlichen Situation“.

BDN-Lösung ist die „richtige Entscheidung“

Die Lösung, die Geschäftsleitung des DSSV im Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) zu verankern und Generalsekretär Uwe Jessen sowie Geschäftsführer Bernd Søndergaard die Verantwortung der Aufgaben zu übertragen, begrüßt Schlechter.

Für die Schulen bedeute dies eine Entlastung der Buchhaltung und den Gewinn einer fachlichen Expertise, etwa im Bereich Finanzen der Schulen oder dem Einblick in die Gebäude und deren Bedarf. „Aus Sicht der Schulen war es die einzig richtige Entscheidung, das Angebot anzunehmen.“

Fluktuation bei den Schulleitungen

Schlechter blickt deshalb insgesamt auch positiv auf die Zukunft der deutschen Schulen. Auch, weil für die vier Vakanzen bei den Schulleitungen, die er als „ungewöhnlich“, aber zeitlich nur zufällig bezeichnet, Lösungen gefunden wurden.

Mit der Übernahme der Stelle als Schulrätin von Anke Tästensen fehlte Catarina Bartling an der Deutschen Privatschule Apenrade (DPA). Auch an der Deutschen Schule Tingleff (DST) musste ein Ersatz für Tim Nissen her, der eine neue Herausforderung in Deutschland suchte. In Buhrkall (Burkal), wo Ute Eigenmann aufhörte, und in Rothenkrug (Rødekro) gab es ebenfalls eine Vakanz.

Mit Berit Kynde (DPA), Carina Heymann (DST), Nathalie Plumhoff Clausen (Buhrkall) und Britta Kerk (Rothenkrug) konnten alle Stellen neu besetzt werden. „Ich denke nun, dass wir die nächste Zeit kein Gremium dieser Art mehr benötigen und von der Leitung unserer Schulen her sehr gut aufgestellt sind“, so Schlechter.

Schülerzahlen werden in Zukunft sinken

Dies ist auch notwendig, denn die Schulen sind ausgelastet, selbst wenn es an einzelnen Schulen Abweichungen gibt. Die Zahlen der Schülerinnen und Schüler sind stabil und lagen am 5. September 2024 bei 1.509 Kindern (Vorjahr: 1.553). Es sei eine Entwicklung, auf die man stolz sein könne, so Schlechter, der einen Dank an die Schulleitungen, Lehrkräfte und Mitarbeitenden richtete, „die täglich daran arbeiten, dass unsere Schulen für Minderheit und Umfeld einen attraktiven Alltag liefern und die mit der Grund dafür sind, dass die Eltern unsere Schulen wählen.“

Und so macht die Entwicklung auch in diesem Jahr keinen Halt. „Die Prognose zielt wieder auf mehr als 1.550 Schüler zum nächsten September und das, obwohl die demografische Entwicklung eine andere Sprache spricht.“ Für die Zukunft erwartet Schlechter daher sinkende Zahlen.

Verband muss solidarisch sein

Auf die Probleme und Herausforderungen im Kindergartenbereich ging Schlechter ebenfalls ein. Die Aufgabe in den Schulen sehe er unter anderem darin, sich als Mitglied im Verband solidarisch zu verhalten und soweit es möglich ist, die Herausforderungen mitzutragen und sich auch konstruktiv und unkritisch an den Lösungen zu beteiligen. „Die Kindergärten sind unser Fundament der Schulen, hier kommt der Großteil unserer potenziellen Schüler her, wir dürfen uns deshalb auch nie abgrenzen, sondern müssen uns als Teil des Ganzen verstehen.“