Bildung

„Tidlig Tysk“ bleibt – keine Auswirkungen auf deutsche Schulen

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In den Volksschulen der Kommune soll weiterhin früh mit dem Deutschunterricht begonnen werden.

Der Stadtrat von Sonderburg sagt „ja bitte“ zu mehr Deutschunterricht bereits für die Kleinsten. Das Programm „Tidlig Tysk“ soll für zwei weitere Schuljahre bestehen bleiben, bevor es erneut evaluiert wird. An den deutschen Schulen begrüßt man mehr Deutsch, weil es gut für Nordschleswig ist.

Für die deutschen Schulen in der Kommune Sonderburg hat die Entscheidung des Stadtrats, das Sprachprogramm „Tidlig Tysk“ an den Volksschulen in den kommenden zwei Schuljahren weiterzuführen, keine großen Auswirkungen.

Zuvor hatte bereits die Kommune Apenrade (Aabenraa) mitgeteilt, den frühen Deutschunterricht – allerdings ab der 3. Klasse – weiterzuführen. In der Kommune Tondern (Tønder) wird Deutsch seit zehn Jahren ebenfalls ab der 0. Klasse gelehrt. An der Westküste war man damit Vorreiter beim frühen Deutschlernen.

Nur indirekte Folgen für deutsche Schulen

„Generell ist es schön, wenn Kinder früh mit Fremdsprachen beginnen“, sagt Henriette Tvede Andersen, Schulleiterin an der Deutschen Schule Sonderburg (DSS), auf Nachfrage unserer Redaktion. „Bei uns hat die Verlängerung aber keine direkten Auswirkungen, außer dass, wenn Schüler zu uns wechseln, sie dann schon Deutsch hatten.“ Diese Kinder müssten dann gegebenenfalls nicht mehr in den Fremdsprachenunterricht.

Mit Blick auf das Grenzland und die Minderheit sei es nur zu begrüßen, wenn in der Schule früh Deutsch gelehrt wird, sagt die Schulleiterin und führt etwa den Mangel an Personal in der Region an, der neben Dänisch auch Deutsch sprechen kann.

Dem kann auch Niels Westergaard nur zustimmen, der die Förde-Schule in Gravenstein leitet. Auswirkungen habe der Beschluss für seine Schule aber nicht.

Marion Petersen, Schulleiterin an der Deutschen Schule in Lunden geht ebenfalls nicht von einem Einfluss auf ihren Schulbetrieb aus. „Es ist schön, dass früh das Gespür für die Nachbarsprache geweckt wird“, sagt sie auf Nachfrage. Da in Lunden ohnehin nur Schülerinnen und Schüler bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden, könnten Kinder die von der Volksschule wechseln auch ohne vorheriges „Tidlig Tysk“ gut integriert werden. „Es sind ja auch gar nicht so viele Deutschstunden, die an den Volksschulen gegeben werden“, sagt Petersen.

Volksschulen haben Freiheiten bei Umsetzung

„Tidlig Tysk“ in der Kommune Sonderburg

In der Kommune Sonderburg wurde in Verbindung mit der Budgetabsprache 2016 bis 2019 das Programm „frühes Deutsch“ (Tidlig Tysk) ab der 0. Klasse eingeführt.

Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen Jahren thematischen Unterricht in Deutsch von der Kindergartenklasse bis zum 2. Schuljahr gehabt – insgesamt 30 Stunden pro Jahr. Außerdem gab es obligatorischen Deutschunterricht in der 3. und 4. Klasse mit einer Lektion in der Woche. In den Jahrgängen 5 und 6 kam eine zusätzliche Lektion hinzu.

Der Beschluss des Stadtrates bedeutet, den frühen Deutschunterricht in der Kommune nach bestehendem Prinzip fortzuführen. Die Weiterführung von „Tidlig Tysk“ ist den einzelnen Schulen überlassen. Es können jedoch keine Stunden Dänisch, Mathematik oder Geschichte umgelegt werden, da es hier ein festgelegtes Minimum an Stunden gibt.

„Es ist wichtig für den Stadtrat, den Schulen die größtmögliche Freiheit bei der Arbeit mit Tidlig Tysk zu geben, deshalb haben die Schulen auch die Freiheit, den Unterricht so zu planen, dass er sich an den Rahmenbedingungen von beispielsweise 30 Stunden Deutsch in der 0. bis 2. Klasse orientiert“, sagt der Vorsitzende des Kinder- und Ausbildungsausschusses, Jesper Smaling. Er sei sicher, dass die Schulen in der Kommune Sonderburg gute Lösungen finden werden, die ihrem Alltag am ehesten entsprechen. „Das ist eine deutliche Stärkung der Volksschulen“, so Smaling.

Finanzielle Unterstützung durch Kommunen

Um die Ambitionen der Absprache für Volksschulen zu unterstützen, die Qualität im Unterricht zu stärken, hat der Stadtrat zusätzliche Mittel in Höhe von 3,333 Millionen Kronen jährlich freigegeben.

„Der frühe Deutschunterricht hilft den Schülerinnen und Schülern, solide Sprachkompetenzen schon in einem jungen Alter aufzubauen. Das gibt den Kindern Sicherheit beim Deutschsprechen und verbessert ihr Verständnis der Sprache, was zu einem besseren Verständnis der deutschen Kultur führt“, so Jesper Larsen, zweiter Vorsitzender des Ausschusses.

Deutsch öffnet Türen in Nordschleswig

Es sei besonders wichtig für Nordschleswig, wo die dänische und deutsche Kultur häufig aufeinandertreffen würden. Die Sprache würde wichtige Türen im Landesteil öffnen, wenn es um die zukünftige Ausbildung und Jobmöglichkeiten geht, so Larsen.

Der Effekt der Maßnahme wird im Herbst 2026 erneut evaluiert, weshalb der Beschluss zunächst für die beiden kommenden Schuljahre 2025/2026 und 2026/2027 gilt.