Ausbildung und Beruf

Neuer Vorstoß in Tondern soll Fachkräftemangel im Grenzland lindern

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EUC-Direktor Dan Zielke (r.) neben Sonderburgs Bürgermeister Erik Lauritzen (Soz.) im August dieses Jahres bei Einführung der Automatisierungstechniker-Ausbildung am EUC in der Alsenmetropole.

Ab August 2026 bietet EUC Syd in Tondern eine internationale Ausbildung zur Serviceassistentin bzw. zum Serviceassistenten an. Die Unterrichtssprache ist Englisch, um gezielt junge Menschen aus ganz Europa anzusprechen – als Beitrag gegen den Fachkräftemangel im gesamten Grenzland.

Tondern stärkt seine Rolle als Bildungs- und Wirtschaftsstandort: Ab August 2026 startet im EUC Syd auf dem Campusgelände am Plantagevej eine neue internationale Ausbildung für Serviceassistentinnen und Serviceassistenten. Im Mittelpunkt stehen die Bereiche Service, Reinigung und Facility-Management, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind.

Ziel ist es, dem Fachkräftemangel in der Dienstleistungsbranche zu begegnen und die Zuwanderung motivierter junger Menschen aus anderen europäischen Ländern zu fördern. 

Die neue Ausbildung entstand in enger Zusammenarbeit mit örtlichen Betrieben und dem Entwicklungsrat Nordschleswig (Udviklingsråd Sønderjylland). Sie richtet sich sowohl an dänische als auch an internationale Schülerinnen und Schüler und vermittelt neben fachlichem Wissen auch kulturelle Kompetenzen – ein Aspekt, der im Grenzland besonders wichtig ist. 

Bildungsangebot entsteht im Zusammenspiel mit der Wirtschaft

„In Tondern steht das Zusammenspiel von Schule und Unternehmen traditionell stark. Wir entwickeln Bildungsangebote gemeinsam – mit Blick auf die lokalen Bedürfnisse und konkrete Jobmöglichkeiten“, erklärt EUC-Syd-Direktor Dan Zielke.

Mit der neuen Ausbildung will EUC Syd nicht nur junge Menschen aus der Region ansprechen, sondern auch internationale Lernende gewinnen. Geplant ist zudem, dass die Unternehmen in der Kommune künftig zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten. Dadurch soll die regionale Wirtschaft gestärkt und Tondern für junge Menschen attraktiver werden.

Ganz neu ist die Idee allerdings nicht: Bereits im Herbst 2021 war eine ähnliche Ausbildung in Tondern angekündigt worden – damals allerdings nur für dänischsprachige Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „EUC Syd hatte die Ausbildung damals von AMU übernommen, aber das Interesse war einfach zu gering“, sagt EUC-Syd-Direktor Dan Zielke, der damals aber noch nicht verantwortlich war. Er kam erst 2024 von der Berufsschule Hansenberg zu EUC Syd. Er war dort Schulchef.

Der entscheidende Unterschied zur früheren Version: „Diesmal heben wir die Ausbildung auf ein internationales Niveau. Die Unterrichtssprache ist Englisch, und wir richten uns gezielt an junge Menschen in ganz Europa“, sagt Zielke. Hintergrund ist eine neue Regelung, die es den dänischen Berufsschulen seit diesem Sommer erlaubt, Unterricht auch auf Deutsch oder Englisch anzubieten.

Was ist AMU

AMU steht für „Arbejdsmarkedsuddannelser“ – also Arbeitsmarktweiterbildungen.
Das Programm richtet sich an Menschen, die ihre beruflichen Kompetenzen erweitern oder sich neu orientieren möchten.

EUC Syd entschied sich in diesem Fall bewusst gegen Deutsch. „Wir wollen unseren deutschen Nachbarn keine potenziellen Arbeitskräfte abspenstig machen“, so Zielke. „Im Gegenteil: Wir wollen für die gesamte Region – nördlich und südlich der Grenze – motiviertes Personal ausbilden.“

Ausbildung und Integration

Mit der englischsprachigen Ausbildung zielt EUC Syd vor allem auf junge Menschen aus Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Sie brächten, so Zielke, „oft eine besonders hohe Motivation mit, weil sie durch die Ausbildung eine reale Berufsperspektive und eine anerkannte Qualifikation erhalten“.

Länder mit Fachkräftemangel wie Dänemark und Deutschland profitieren von dieser Zuwanderung qualifizierter und motivierter Arbeitskräfte doppelt: Vakante Stellen werden besetzt und die Zuwanderung trägt dazu bei, den demografischen Wandel auszugleichen. 

Statistisch gesehen bleiben rund 80 Prozent der jungen Menschen nach ihrer Ausbildung in der Region – egal, ob sie nördlich, östlich oder südlich der Grenze arbeiten.

Dan Zielke, EUC-Syd-Direktor

Ein ähnliches Modell läuft bereits erfolgreich am EUC Syd in Sonderburg (Sønderborg), wo seit Kurzem eine englischsprachige Ausbildung zum Automatisierungstechniker angeboten wird. „Dort lernen zwölf Menschen aus neun verschiedenen Nationen zusammen. Etwas Vergleichbares stellen wir uns auch für Tondern vor“, betont Zielke. In Tondern hofft er jedoch, gleich mit 20 Schülerinnen und Schülern beginnen zu können.

Bildung als Motor regionaler Entwicklung

Das Konzept hat mehrere Vorteile: Die Auszubildenden sind von Beginn an bei einem Unternehmen angestellt, erhalten also Lohn und können ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Zugleich profitiert die Region doppelt – durch die Besetzung offener Stellen und die langfristige Bindung junger Fachkräfte.

„Statistisch gesehen bleiben rund 80 Prozent der jungen Menschen nach ihrer Ausbildung in der Region – egal ob sie nördlich, östlich oder südlich der Grenze arbeiten“, sagt Zielke. „Pendeln gehört für viele hier ohnehin zum Alltag.“

Mit dem Neustart der Serviceassistenten-Ausbildung will EUC Syd also mehr als nur ein Lehrangebot schaffen: Es ist ein Projekt, das Bildung, Arbeitsmarkt und Integration im Grenzland miteinander verbindet – und Tondern als internationalen Bildungsstandort weiter profilieren soll.

Mit dem Projekt unterstreicht EUC Syd seinen Anspruch, Bildung als Motor regionaler Entwicklung zu begreifen – ein Ansatz, der im dänisch-deutschen Grenzland zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Info-Treffen am 5. November

Einen ersten Einblick in die Ausbildung bietet ein Info-Treffen am Mittwoch, 5. November, von 8.30 bis 10 Uhr auf dem EUC-Syd-Campus in Tondern (Plantagevej 35). Eingeladen sind Unternehmen sowie Bildungspartnerinnen und -partner. Dort wird vorgestellt, wie Betriebe sich beteiligen können und welche Inhalte das neue Ausbildungsangebot umfasst.