Deutsche Minderheit

Wenn der Deutsche Tag wichtiger ist als der eigene Geburtstag

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Vom Schulorchester bis zum BDN-Hauptvorsitzenden – Hinrich Jürgensen ist seit Kindheitstagen beim Deutschen Tag zu Hause (Archivfoto).

Ein Fest, das Tradition atmet – und doch im Wandel bleibt: Der Deutsche Tag bringt jedes Jahr Hunderte Menschen aus der deutschen Minderheit zusammen. Er ist Schaufenster, Treffpunkt, politisches Forum – und ein Stück Heimat. Vor allem für Hinrich Jürgensen, der nach Jahrzehnten als BDN-Hauptvorsitzender seinen letzten Deutschen Tag in dieser Rolle erlebt.

Wenn jährlich am ersten Sonnabend im November die Türen der Sporthalle in Tingleff (Tinglev) aufgehen, weiß man: Es ist wieder so weit. Der Deutsche Tag – einer der wichtigsten Termine für die deutsche Minderheit in Nordschleswig – steht an. Was früher ein Nachmittag voller langer Reden war, ist heute ein lebendiges Kultur- und Gemeinschaftsfest.

Politikerinnen und Politiker aus Dänemark und Deutschland, Vertreterinnen und Vertreter anderer Minderheiten, Schülerinnen und Schüler und natürlich jene, die dem Tag seit Jahrzehnten treu sind, tauschen sich aus, feiern, hören zu.

„Der Deutsche Tag ist eines der Highlights unserer Minderheit“, sagt Hinrich Jürgensen, scheidender Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN). 

Einmal im Jahr begegnen wir uns hier alle wieder.

Hinrich Jürgensen

„Am Vormittag erfährt man in kurzer Form, wie es der Minderheit geht und welche Themen aktuell sind – in diesem Jahr (1. November), ist das Hauptthema natürlich die Kommunalwahl. Und man trifft Menschen aus ganz Nordschleswig. Viele haben mir gesagt: ‚Einmal im Jahr begegnen wir uns hier alle wieder.‘ Das macht diesen Tag so besonders.“

Begegnungen statt Marathonreden

Der Deutsche Tag entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Über 70 Jahre später lebt diese Tradition weiter, aber anders als früher.

„Früher gab es vor allem lange Reden, die bis zu eineinhalb Stunden dauerten“, erinnert sich Jürgensen. Als Jugendlicher spielte er mit dem Schulorchester auf dem Deutschen Tag – und hörte danach stundenlange Vorträge. „Für uns 12-, 13-, 14-Jährige war das nicht so witzig“, sagt er lachend. Heute sind Beiträge kürzer, Begegnungen und Austausch wichtiger. Ein Tag, an dem Politik nahbar und Gemeinschaft spürbar wird.

Kaum jemand ist dem Deutschen Tag so verbunden wie Hinrich Jürgensen. Seit seiner Schulzeit gehört er für ihn dazu. „Ich glaube, ich bin seit meinem elften oder zwölften Lebensjahr immer beim Deutschen Tag gewesen, abgesehen von vielleicht vier oder fünf Jahren“, sagt er. Als Landwirt und später als BDN-Hauptvorsitzender ließ er den Deutschen Tag nie ausfallen – auch dann nicht, wenn er an seinem eigenen Geburtstag, dem 5. November, stattfand.

Ich bin seit meinem elften oder zwölften Lebensjahr immer beim Deutschen Tag gewesen ... Alle sieben Jahre habe ich dort meinen Geburtstag gefeiert.

Hinrich Jürgensen

Ein Leben mit dem Deutschen Tag

„Alle sieben Jahre habe ich meinen Geburtstag beim Deutschen Tag gefeiert. Dann habe ich gesagt: ‚Jetzt habe ich 500 Leute zum Kaffee eingeladen‘“, erzählt er schmunzelnd.

In diesem Jahr ist es sein letzter Deutscher Tag als Hauptvorsitzender – ein Moment mit Wehmut? „Jein, natürlich tauchen diese Gedanken bei den großen Veranstaltungen auf. Ich habe aber vor, auch in Zukunft den Deutschen Tag als Gast zu besuchen. Fortan werde ich jedoch vielleicht meinen Geburtstag mehr priorisieren.“

Gänsehautmomente und Orden

Was bleibt nach so vielen Jahren? Ein persönlicher Höhepunkt war die Verleihung des Dannebrogordens (Ritterkreuz) vor zwei Jahren. „Ich hatte keine Ahnung – es war eine große Überraschung“, sagt Jürgensen.

Besonders bewegend war auch ein politischer Moment: Als Ellen Trane Nørby von der rechtsliberalen Venstre-Partei und Christian Juhl von der linken Einheitsliste gemeinsam ein Grußwort hielten – über Parteigrenzen hinweg.

Hinrich Jürgensen Ritterkreuz Dannebrogorden
Hinrich Jürgensen wurde beim Deutschen Tag 2023 mit dem Dannebrogorden überrascht (Archivbild).

„Deren gemeinsame lobende Worte gegenüber der deutschen Minderheit gaben einem Gänsehaut“, erinnert er sich. „Und deutsche Politiker sagten erstaunt, so etwas sei in Deutschland unvorstellbar.“

Auch in diesem Jahr freut sich Jürgensen besonders auf einen Gast: „Ich freue mich, dass Anke Meyer (neue deutsche Botschafterin in Dänemark) sofort zugesagt hat, die Festrede zu halten.“

Ellen Trane Nørby und Christian Juhl beim Deutschen Tag im November 2021 (Archivbild)

Deutscher Tag 2025

Ort: Deutsche Sporthalle Tingleff
Datum: Sonnabend, 1. November
Zeit: 10.30 bis 16 Uhr

Programm:
9.45 bis 12 Uhr: Andacht & Informationsgespräch

12 bis 16 Uhr: Festveranstaltung

Mehr Infos: bdn.dk