Deutsche Minderheit

Minus im Kindergartenbereich: „Es hätte viel früher reagiert werden müssen“

Der Mann der Zahlen: Als Geschäftsführer für den Kindergartenbereich präsentierte Stefan Sass schon im Frühjahr 2024 einen immensen Unterschuss – aber wer trägt die Verantwortung?

Unterschuss: Die finanzielle Schieflage der DKA zeigte sich 2024 in voller Tragweite und belastet den Verband für die deutschen Schulen und Kindergärten in Nordschleswig bis heute. Die übergeordnete Führung räumt Versäumnisse ein, verweist aber auf strukturelle Schwachstellen, statt mit dem Finger auf einzelne Personen zu zeigen.

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Zusammenfassung

  • Die DKA stecken spätestens seit 2024 wegen Misswirtschaft und sinkender Kinderzahlen in einem bedrohlichen finanziellen Minus.
  • In der Öffentlichkeit wird weiter die Frage nach der Verantwortung für die Missstände gefragt.
  • Im DSSV werden Strukturen, Personal und Standorte umfassend neu geordnet.
  • Trotz Sparmaßnahmen, Darlehen und Schließungen bleibt unklar, wie der Verband das Haushaltsjahr 2025 finanziell abschließen wird.

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„Der Unterschuss im Bereich der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) ist bedauerlich und in seinem Ausmaß bedrohlich.“ 

Mit diesem Satz beschreibt DSSV-Geschäftsführer Uwe Jessen die finanzielle Schieflage im Kindergartenbereich des Deutschen Schul- und Sprachverein (DSSV) auf Nachfrage des „Nordschleswigers“. Und er räumt ein: „Es hätte viel früher reagiert werden müssen.“

Gemeint ist der millionenschwere Unterschuss beim Zusammenschluss der damals noch zehn Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA), der sich im Laufe des Jahres 2024 in voller Tragweite zeigte. 

Aber warum ist das jetzt relevant? 

Das Defizit im Kindergartenbereich ist nicht nur auf naturgegebene Herausforderungen wie sinkende Geburtenzahlen zurückzuführen. Die DKA haben unter der damaligen Distriktleitung falsch gewirtschaftet. Hinzukam, dass das Ausmaß der Misswirtschaft erst zu spät bekannt – oder an übergeordneter Stelle zu spät auf sie reagiert wurde. Die Folgen wirken noch immer. 

Dass früher hätte gehandelt werden müssen, darin sind sich kritische Stimmen und Führung offenbar einig. Strittig ist jedoch, wer innerhalb der Organisation die Verantwortung trägt.

Wer ist verantwortlich?

Eine Frage, die bis heute für die Öffentlichkeit ungeklärt blieb: Wie konnten die Kindergärten sich so tief ins Minus wirtschaften, obwohl der Kindergartenbereich als einziger des Dachverbandes die ganze Zeit über einen eigenen Geschäftsführer hatte? Das Thema scheint weiterhin die Gemüter zu erhitzen. 

Etwa schaffte es der Umgang mit den Zahlen im DSSV sowie die Kommunikation darüber ins aktuelle Programm der Kabarett-Gruppe „Heimatmuseum“. Aber auch in den Vereinen vor Ort wird längst nicht nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen. 

Bei der jüngsten Generalversammlung des BDN-Ortsvereins Rothenkrug übte etwa dessen Vorsitzender Gerhard Mammen deutliche Kritik an der Kommunikation und der Aufgabenverteilung im DSSV. Die DKA seien tief in den Miesen, und wenn danach gefragt werde, wer verantwortlich sei, komme keine klare Antwort, führte Mammen seine Kritik näher aus. Dabei habe der DSSV mit Stefan Sass einen Geschäftsführer für den Kindergartenbereich. 

„Er ist Geschäftsführer für die Kindergärten beim DSSV und nicht verantwortlich für die Finanzen?“ – Mammen stellte die Zuständigkeitslogik innerhalb des Verbandes grundsätzlich infrage.

DSSV-Geschäftsführer verweist auf Strukturen

Der „Nordschleswiger“ konfrontierte den DSSV mit dieser Kritik. In seiner schriftlichen Stellungnahme spricht Uwe Jessen dem Kindergarten-Geschäftsführer „eine Mitverantwortung“ zu, verweist jedoch zugleich auf rechtliche Grenzen: „Der Geschäftsführer für die Kindergärten hat eine Mitverantwortung, aber aufgrund der gesetzlichen Regeln keinen direkten Einfluss auf die Leitung der Kindergärten. Hier hat es strukturelle Änderungen gegeben.“

Mitverantwortlich seien aber auch Ehrenamtliche und Hauptamtliche, deren Posten inzwischen neu besetzt wurden, so Jessen. 

Im Sommer 2024 etwa hat die damalige Distriktleiterin Morlyn Frentzel Albert die DKA verlassen. Als Übergangslösung hatte man damals ihre Vorgängerin Heidi Ullrich aus dem Ruhestand zurückgeholt, bis die Stelle vergangenen Herbst durch die jetzige Gesamtleiterin, Juliane Weigand, nachbesetzt werden konnte

Dennoch: Der Unterschuss im Bereich der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) ist in seinem Ausmaß bedrohlich und Jessen hat eingeräumt, dass früher hätte reagiert werden müssen. „Dass dies nicht geschehen ist, liegt auch an strukturellen Schwächen.“ Dies habe zu Änderungen der Strukturen und Prozesse geführt. 

Denn nicht nur das Minus sorgte für turbulente Zeiten im DSSV. Ende 2024 stand auch ein Führungswechsel im Verband – und in dem Zuge auch die Schaffung einer neuen Stelle – an. Die scheidende Schulrätin Anke Tästensen übergab ihre Aufgaben an zwei neue Spitzenkräfte: Catarina Bartling übernahm kommissarisch die Aufgaben des Schulamtes und mit Lasse Tästensen sollte der größte Verband der Minderheit einen übergeordneten Geschäftsführer bekommen. 

„Wir müssen anders wirtschaften“

Mit dem Wechsel war schnell klar: Im DSSV muss aufgeräumt werden. Lasse Tästensen versprach im Interview mit dem „Nordschleswiger“ ein höheres Maß an Controlling, und er sowie der damalige Verbands-Hauptvorsitzende Welm Friedrichsen räumten ein: Der DSSV braucht nicht mehr Geld, er muss anders wirtschaften. 

Kurz vor Jahresabschluss gelang es dem neuen Führungsteam im DSSV noch, das große Minus im Kindergartenbereich mithilfe eines Darlehens vom BDN von knapp 8 Millionen auf ein Defizit von 5,4 Millionen abzufedern. Aber auch diese Summe blieb eine enorme Herausforderung, die das Jahr 2025 überschatten sollte. Bereits im Februar wurde die Aufbruchstimmung durch Tästensens überraschende Kündigung gedämpft. Die Lösung in der Not hießen Uwe Jessen – der auch BDN-Generalsekretär ist – und Bernd Søndergaard – BDN-Hauptgeschäftsführer. Das Duo führt seitdem die Geschäfte der deutschen Schulen und Kindergärten. 

Umfassende Analyse des ganzen Verbandes

Weil der Zusammenschluss DKA nicht das einzige Sorgenkind des Verbandes war, folgte ab Frühjahr vergangenen Jahres eine umfassende Strukturanalyse im DSSV. Marode Gebäude, sinkende Kinderzahlen, knappe Kassen – die DSSV-Führung brauchte einen Überblick über die Herausforderungen. 

Die Strukturanalyse hat unter anderem einen Prozess in Gang gesetzt, das Gebäudemanagement der Minderheit zu zentralisieren und anstehende Investitionen zu priorisieren. Auch wurde die demografische Entwicklung analysiert. Höhepunkt der Analyse war der Entschluss des DSSV-Hauptvorstandes, Schulen und Kindergärten zu schließen. Oder die Schließung zumindest zu empfehlen – formell können nur die Vorstände der Einrichtungen selbst eine Schule oder einen Kindergarten schließen. Aber der DSSV hatte angekündigt, keine weiteren Mittel mehr zur Verfügung stellen zu wollen.  

Im Juli wurde der Betrieb des deutschen Kindergartens in Wilsbek (Vilsbæk) eingestellt, und die zweite Jahreshälfte war bestimmt von dem Ringen um die Schulen und Kindergärten der Standorte in Rapstedt (Ravsted) und Lunden. Das führte zu einem weiteren Führungswechsel: Der langjährige DSSV-Hauptvorsitzende Welm Friedrichsen sah sich aus persönlicher Nähe zum Standort Lunden nicht in der Lage, für eine Schließung zu argumentieren. Seine Stellvertreterin Kerstin Jürgensen ist daher seit September die kommissarische Hauptvorsitzende und begleitet den Verband an Jessens Seite seitdem durch den Schließungsprozess. 

Die Schließung der Einrichtungen in Lunden konnten die Betroffenen vor Ort durch die Ausarbeitung eines überzeugenden Konzepts abwenden. In Rapstedt gelang das nicht, und die Vorstände haben der Schließung letztlich zugestimmt. 

Wie steht es jetzt um die Finanzen?

Eine Frage, die mit Spannung erwartet wird, lautet: Mit welchem Ergebnis schließt der DSSV das Haushaltsjahr 2025 ab? Der endgültige Jahresabschluss liegt im Laufe des Frühjahres vor und wird üblicherweise bei der Hauptvertretertagung des Verbandes vorgestellt. Uwe Jessen konnte dazu bislang also nicht mehr sagen als: „In DKA und DSSV ist das ganze Jahr über an einer Stabiliserung gearbeitet worden, aber leider kann ich noch nichts Genaues dazu sagen, wie die Zahlen aussehen.“