Deutsche Minderheit

Von Brasilien nach Apenrade – Juliane Weigand findet ihr neues Zuhause bei den DKA

Veröffentlicht Geändert
Juliane Weigand ist seit Anfang Oktober neue Leiterin der DKA.

Aus dem fränkischen Seenland in Bayern nach Nordschleswig: Juliane Weigand hat in ihrem Leben schon viele Orte gesehen – jetzt hat sie in Apenrade ihr neues Zuhause gefunden. Als Leiterin der Deutschen Kindergärten Apenrade will sie zeigen, dass gemeinsames Hinschauen und Zuhören der beste Weg ist, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Wenn Juliane Weigand über ihren Weg nach Nordschleswig spricht, klingt das, als sei vieles genau so gekommen, wie es kommen sollte – auch wenn es am Anfang gar nicht so geplant war. „Mein Mann hat die Stellenausschreibung entdeckt, als er sich gerade mit dem Bildungssystem in Dänemark und dem Deutschen Schul- und Sprachverein in Nordschleswig beschäftigte“, erzählt sie. „Ich war erst gar nicht so interessiert. Aber je mehr ich mich mit der Region, der Minderheit und der Aufgabe beschäftigt habe, desto spannender wurde es.“

Heute, wenige Monate später, sitzt die 46-jährige studierte Sozialpädagogin als neue Leiterin der Deutschen Kindergärten Apenrade (DKA) in ihrem Büro in Apenrade – und hat ein Ziel: „Zweisprachig aufwachsen in einem pädagogisch wirksamen und liebevollen Umfeld. Das soll überall in unseren Einrichtungen spürbar sein.“

Ein Neuanfang mit Geschichte

Die DKA haben bewegte Jahre hinter sich. Finanzielle Schwierigkeiten, ein hohes Defizit und Unzufriedenheit im Personal sorgten zuletzt für Schlagzeilen und Unruhe. Juliane Weigand weiß um die Herausforderungen – und spricht mit Respekt über die Arbeit, die bisher geleistet wurde: „Ich habe großen Respekt vor dem, was hier in den letzten Monaten auf die Beine gestellt wurde. Vor allem die Leiter der einzelnen Kindergärten haben – unterstützt durch den Rückhalt der eingesetzten kommissarischen DKA-Leitung und das Team des DSSV – mit großem Einsatz dazu beigetragen, der DKA eine zukunftsfähige Perspektive zu geben. Es ist spürbar: Hier wird mit ehrlichem Interesse gemeinsam an einer positiven Weiterentwicklung gearbeitet. Ich freue mich sehr, mit diesem engagierten Team zusammenarbeiten zu können.“

Sie selbst will nun den Rahmen setzen – und dabei das Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken: „Ich erlebe sie als Menschen mit Erwartungen, aber auch mit viel Lust auf ihre Arbeit und mit Begeisterung. Das ist für mich keine Last, sondern eine wunderbare Grundlage.“

Von Brasilien nach Nordschleswig

Geboren wurde Juliane Weigand in Brasilien. Ihr Vater war als Pfarrer dorthin entsandt, ihre Mutter arbeitete als Erzieherin. „Ich bin mit meinen Geschwistern in eine deutsche Minderheit hineingeboren worden“, sagt sie. Später besuchte sie eine deutsche Schule in Chile – und lernte schon früh, wie sich Zugehörigkeit und Anderssein verbinden lassen. „In der Rückschau fällt mir auf, dass ich mich schon immer in deutschen Minderheiten bewegt habe“, sagt sie.

Auch beruflich hat sie viele Wege beschritten: Sie arbeitete in der Flüchtlingshilfe in Marokko, im Jugendamt Stuttgart, in einer Wohnanlage für Alleinerziehende und zuletzt in Franken, wo sie die ambulante Begleitung von Menschen mit Behinderungen verantwortete. Zusätzlich hat sie Weiterbildungen in sozialem Management, Gerontologie und Care- und Case-Management absolviert – und ist systemische Therapeutin, Supervisorin und Coach. Ein sozialpädagogisches Allroundtalent.

Ich bin mit meinen Geschwistern in eine deutsche Minderheit hineingeboren worden.

Juliane Weigand

„Lösungsorientiert, ehrlich, gemeinsam“

An Nordschleswig schätzt sie besonders das Miteinander. Schon ihr Vorstellungsgespräch war für sie ein Schlüsselmoment: „Ich habe ein ehrliches Interesse bei den Menschen gespürt, die DKA wieder auf Kurs zu bringen.“

Seit sie seit dem 1. Oktober im Amt ist, erlebt sie Offenheit und Engagement: „Ich war am ersten Tag beeindruckt, wie lösungsorientiert hier gearbeitet wird. Es geht nicht darum, Schuld zu suchen, sondern gemeinsam voranzukommen.“

Jede Einrichtung, sagt sie, habe ihren eigenen Charakter, eigene Fokuspunkte. „Das ist gut so. Meine Aufgabe ist es, den Rahmen zu setzen, aber gleichzeitig die Individualität zu bewahren.“ Kommunikation sei dabei entscheidend – „alle müssen wissen, was wir tun und warum wir es tun.“

Es geht nicht darum, Schuld zu suchen, sondern gemeinsam voranzukommen.

Juliane Weigand

Ein Zuhause zwischen Generationen

Noch wohnt sie in einer Wohngemeinschaft mit zwei jungen Frauen. „Melina und Johanna sind beeindruckende junge Menschen – klug, reflektiert und offen. Ganz anders, als die Generation Z sonst beschrieben wird. Der Austausch mit ihnen ist eine echte Bereicherung.“ Bald zieht sie mit ihrer Familie nach Gjenner (Genner): mit Ehemann Jan, den drei Kindern Balthasar (9), Josephine (7) und Letizian (5), ihrer Schwiegermutter (93) sowie sechs Hühnern, zwei Hunden und zwei Katzen.

„Neulich bin ich von einem Treffen in Deutschland zurückgekommen“, erzählt sie, „und als ich die bunten Laubbäume auf der Straße nach Apenrade gesehen habe, dachte ich plötzlich: ‚Wieder zuhause.‘ Das war ein schönes Gefühl.“

Blick nach vorn

Die DKA stehen heute stabiler da – die gesetzlich geforderten Normierungen werden erfüllt, die Zusammenarbeit mit Eltern soll künftig noch transparenter werden. „Eltern müssen wissen, was in unseren Kindergärten passiert, und sich ernst genommen fühlen“, sagt sie. „Nahbarkeit und Offenheit sind mir wichtig, eine konstruktive und vor allem lösungsorientierte sowie ressourcenorientierte Kommunikation – auch mit dem ,Nordschleswiger’ – sind für mich Voraussetzung für ein starkes Miteinander in der deutschen Minderheit!“

Und wenn sie an die Zukunft denkt? Dann lacht sie: „Ich wünsche mir, dass Eltern sagen: ‚DKA – genau das Richtige für mein Kind.‘“