Verkehr

SSW will Nachbarticket ausweiten – „Grenzland muss zusammenwachsen“

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Züge am Bahnhof in Tondern: Auf der Strecke Niebüll-Tondern-Esbjerg können Reisende ein grenzüberschreitendes Ticket nutzen.

Zwei Länder, zwei Tickets? Der SSW will Grenzpendelnden den Tarif-Stress bei der Bahn ersparen – mit einem grenzüberschreitenden Nachbarticket. Das gibt es bereits an der Westküste. Am 26. März entscheidet der Landtag über einen entsprechenden Antrag. Zustimmung kommt aus Nordschleswig.

Jeden Tag zwei Fahrkarten für eine Strecke – das ist Alltag für viele Pendlerinnen und Pendler im deutsch-dänischen Grenzland. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) findet: Das muss einfacher gehen.

Er fordert die Landesregierung in Schleswig-Holstein daher in einem Antrag auf, in Zusammenarbeit mit den Partnerinnen und Partnern in Dänemark und Schleswig-Holstein, den bestehenden „Nachbartarif“ auszuweiten und eine Reihe weiterer Maßnahmen anzugehen, um eine weitere Grenzbarriere wegzuräumen.

„Nachbarticket“ ausweiten

Ein Ausbau und eine Verbesserung von Nachbartarifs-Angeboten wäre eine richtig gute Sache zugunsten von Grenzpendlern.

Ruth Candussi

Bisher ist es nur an einer Stelle möglich, mit einer grenzüberschreitenden Fahrkarte zu reisen – und zwar dem sogenannten Nachbarticket auf der Strecke Niebüll (Nibøl) - Tondern (Tønder) - Esbjerg - Varde - Nørre Nebel.

Der SSW schlägt vor, dieses Angebot auch auf zwei weitere gängige Strecken auszuweiten:

  • Schleswig (Slesvig) - Flensburg (Flensborg) - Pattburg (Padborg) - Tingleff (Tinglev)
  • Flensburg (Flensborg) - Sonderburg (Sønderborg).

Zusatzoptionen als effektive Möglichkeit

Einheitlich buchbare Zusatzoptionen für bestehende Ticket-Abos sieht Antragstellerin Sybilla Nitsch als effektive Möglichkeit, Angebote im Ausbildungsbereich attraktiver zu gestalten und grenzüberschreitende Ausbildungsangebote bewerben zu können.

„Ich kann diesem Antrag von Sybilla Nitsch nur zustimmen“, heißt es von der Schleswigschen Partei. Das Thema öffentlicher Verkehr stehe auch bei der SP hoch auf der Tagesordnung in den vier nordschleswigschen Kommunen, aber nicht zuletzt auch grenzüberschreitend, so Parteisekretärin Ruth Candussi auf Nachfrage.

Die heute bestehenden Ticketangebote beziehen sich jeweils auf die Tarifgebiete der Partner. Wer Bus und Bahn grenzüberschreitend nutzen möchte, muss gegebenenfalls mit Einschränkungen rechnen oder zuzahlen, um Angebote nutzen zu können.

Grenzland muss zusammenwachsen

Ziel des Antrags ist es daher, die Geltungsbereiche von Pendlerkarten, Schüler- und Semestertickets sowie Monatskarten auszuweiten und zu vereinheitlichen. Kurzfristige Maßnahmen sollen das laut Antrag unterstützen:

  • Verknüpfung logischer Linienendpunkte,
  • Buchung von Zusatzoptionen im bestehenden Tarifsystem.

Mit den Veränderungen sollen Grenzpendlerinnen und Grenzpendler mittelfristig und langfristig an den öffentlichen Nachverkehr gebunden werden, so die Hoffnung des SSW.

Dazu Candussi: „Wir wünschen uns, dass das deutsch-dänische Grenzland zu einer Region zusammenwächst.“ Die Menschen dürften in ihrem Alltag nicht durch Grenzbarrieren, unterschiedliche Systeme, Regeln, „kassetænkning“ und allgemeine Unlust, den Blick über den Tellerrand zu werfen, eingeschränkt werden. Die Parteisekretärin nimmt hier auch die Betreiber öffentlicher Verkehrsangebote in die Pflicht.

„Ein Ausbau und eine Verbesserung von Nachbartarifs-Angeboten wäre eine richtig gute Sache zugunsten von Grenzpendlern“, so Candussi.

Erfahrungen anderer Grenzregionen nutzen

Sybilla Nitsch vom SSW richtet den Blick auch in die Fehmarnbeltregion, wo solche Angebote zeitnah vorbereitet werden sollten. Vorbilder gebe es einige, so die Politikerin in ihrem Antrag. Erfahrungen aus anderen Grenzregionen, etwa der Euregio Rhein-Maas, könne man nutzen.

Candussi nennt auch die Öresundregion als Vorbild solcher Ticketsysteme. Doch während man auf der Strecke von Kopenhagen nach Malmö an drei Stationen in Schweden mit seiner Rejsekort ein- und auschecken könne, sei umgekehrt an der deutsch-dänischen Grenze Schluss mit der Rejsekort, bedauert Candussi. „Eine entsprechende Anlage am Bahnhof in Flensburg aufzubauen, ist den DSB zu teuer, weil die Nachfrage zu gering sei.“

Als Ausrede lässt Candussi das jedoch nicht gelten: „Eine Nachfrage könnte ja aber auch dadurch wachsen, dass ein entsprechend gutes Angebot und guter Service gemacht werden.“

Über den Antrag des SSW soll bei der kommenden Landtagssitzung am Mittwoch, 26. März, entschieden werden.

Kurzkommentar: Angebote schaffen

von Gerrit Hencke

Möchte man erreichen, dass Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, muss dies so einfach wie möglich sein. Alle Verantwortlichen, von der Politik bis zum Betreibenden von Zug oder Bus, muss klar sein, mit wem sie mit ihrem Angebot im ländlichen deutsch-dänischen Grenzland konkurrieren: dem Auto.

Ein Pkw macht Fahrten zeitlich flexibel, schnell und örtlich ungebunden möglich. Bus- und Bahnverbindungen müssen daher so attraktiv sein, dass sie mit dem Auto in Sachen Zeitaufwand, Verfügbarkeit und Preis mithalten können.

Das ist im hiesigen Grenzland nicht gegeben, weshalb die Nachfrage gering ist. Menschen – sofern sie nicht auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind – werden hier auf das Auto zurückgreifen. Um das zu ändern, bedeutet das aber auch, dass man bei einer bisher wenig genutzten Verbindung in Vorleistung gehen muss – sei es durch staatliche Subventionen oder durch Investitionen des Betreibenden.

Nur wenn Angebote wirklich attraktiv sind, werden sie auch genutzt. Ein Grenzland-Ticket, das es in Schleswig-Holstein und Südjütland möglich macht, grenzüberschreitend von A nach B zu kommen, wäre ein erster Schritt, Bahn und Bus einfacher zugänglich zu machen.