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Naturberater: „Es gibt Potenzial für Fledermäuse“

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Naturberater Bo Tonnesen beim Montieren von Nistkästen für Mauersegler im Turm der Christkirche in Tondern (Archivfoto)

Bo Tonnesen bedauert, dass die erforderlichen Lebensumstände für die Säugetiere generell nicht genügend beachtet werden. Er fordert dazu auf, beim Anlegen von Fahrradwegen auch in alternativen Bahnen zu denken.

In Wiesby (Visby) in der Nähe von Bredebro kommt es wegen Fledermäusen in einem Waldstück beim Bau eines Fahrradwegs zu Verzögerungen. Dort ist die Kommune Tondern bei den Vorarbeiten auf acht verschiedene Sorten der geschützten Tiere gestoßen.

Die Säugetiere, die sich gern in existierenden Hohlräumen aufhalten, müssen erst dazu bewogen werden, in dahinter liegende Bäume umzuziehen. Und wie schaut es generell mit Fledermäusen in der Kommune Tondern aus?

„Wir haben in der Kommune Tondern mehrere verschiedene gute Standorte für Fledermäuse. Der Wald in Drawitt ist eine fantastische Stelle. Toll sind Orte, wo es hohle Bäume gibt“, erläutert der kommunale Naturberater Bo Tonnesen auf Nachfrage.

Auch bei Wasserläufen und Seen würde es den fliegenden Säugetieren gefallen. „Der Mølledam in Tondern ist ebenfalls eine gute Stelle für Fledermäuse“, sagt Tonnesen.

„Hohle Bäume sollten nicht prompt gefällt werden"

Es sei zwar bedauerlich, dass sich der Bau des Radwegs in die Länge zieht. „Endlich ist man sich aber darüber bewusst, die hohlen Bäume nicht einfach nur zu fällen“, sagt der Naturberater. Er bezeichnet es als tragische Entwicklung, dass viele Schutzpflanzungen und Knicks in der Landschaft verschwinden.

„Das ist deprimierend. Wir haben Potenzial für Fledermäuse. Daher ist es gut, dass man jetzt generell verstärkt die Aufmerksamkeit auf Fledermäuse und weitere geschützte Arten richtet, die außer vom individuellen Schutz auch vom Lebensraumschutz umfasst sind“, so Tonnesen.

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle

Zwergfledermäuse sind in Dänemark beheimatet. In Wiesby wurden acht verschiedene Fledermaus-Arten erfasst.

Im Zusammenhang mit Fledermäusen gebe es viele Problemstellungen. Zu den Feinden gehören Windkraftanlagen und der motorisierte Straßenverkehr.

„In Silkeborg gibt es Straßen, wo das Tempo mit Rücksicht auf die Fledermäuse gedrosselt wird“, erzählt Bo Tonnesen. „Es gibt auch Beispiele, wie Fledermäuse, die auf Insektenjagd gehen, mit der richtigen Beleuchtung von verkehrsreichen Straßen weggeleitet werden“, so der Naturberater.

Er fordert die Kommune dazu auf, dass sie beim Bau von Radwegen auch in alternativen Bahnen denkt. „Vielleicht könnte man auch um Bäume herum radeln, anstatt sie gleich abzuholzen. Ich weiß nicht, ob das in Wiesby möglich ist. Hohle Bäume dürfen natürlich keine Gefährdung sein. Man hat es aber manchmal extrem eilig damit, diese zu fällen.“

Die Kommune Tondern erwartet, dass sich das Vorhaben in Wiesby um zwei Jahre verzögern wird.

Fakten zu Fledermäusen

• Die Fledermaus (flagermus) ist das Säugetier mit den meisten Arten in Dänemark.
• Es sind 17 verschiedene Arten erfasst.
• Drei der Arten sind bedroht.
• Drei weitere Arten sind nahezu bedroht.
• Alle Fledermäuse stehen in Dänemark unter Schutz.
• Weltweit gibt es etwa 1.000 Fledermausarten.
• Die dänischen Fledermäuse gehören mit der „storflagermus“ zur Familie der Fledertiere.
• „Storflagermus” werden auch als Flughunde (flyvende hunde) bezeichnet.
• „Storflagermus” gibt es nicht in Dänemark.
• In Dänemark ernähren sich die Fledermäuse von Insekten wie Mücken, Käfern, Nachtschwärmern und Spinnen.
• Fledermäuse brüten in Kolonien.
• Sie wohnen in Löchern in Bäumen, auf dem Dachboden, in Höhlen in der Erde und Grotten.
• Sie halten sich gern an dunklen Stellen auf; ein schmaler Spalt von nur 20 Millimetern reicht ihnen für das Durchkommen.

Quelle: Danmarks Naturfredningsforening