Natur und Umwelt

Mehr Wildnis in Nordschleswig: Sieben Wälder auf dem Weg zur Urwaldzone

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Künftig sollen umgestürzte Bäume in den Wäldern bleiben. Sie bieten Insekten und anderen Tieren Unterschlupf.

Von Hoptrup bis zur Grenze: Sieben nordschleswigsche Wälder werden künftig nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt. Besonders in den Feuchtgebieten bei Ketting Noor sollen Wasser, Licht und Wildnis zurückkehren – für mehr Artenvielfalt und eine lebendige Waldnatur.

Der dänische Staat macht ernst mit dem Waldumbau: In ganz Dänemark werden derzeit zahlreiche Forstflächen in sogenannte unberührte Wälder („urørte skove“) umgewandelt. Auch in Nordschleswig betrifft das gleich sieben Staatswälder und Naturgebiete, darunter auch Miang Damm und Kettingnoor auf Alsen. Sie sollen künftig in ihrer Entwicklung weitgehend sich selbst überlassen werden.

Die dänische Naturbehörde (Naturstyrelsen) hat für insgesamt 40 Gebiete neue Forst- und Renaturierungspläne in die öffentliche Anhörung geschickt – darunter auch:

  • Miang Damm und Kettingnoor (südöstlich von Norburg/Nordborg)
  • Frösleer Moor (direkt an der deutsch-dänischen Grenze)
  • Hytterkobbel, Schliefsee und Kalö (bei Hoptrup)
  • Lerskov Plantage (bei Gjenner/Genner)
  • Bergschau, Bøghoved und Hostrup Krat (bei Seegaard/Søgård)
  • Kelstrup Plantage und Rode Skov (nördlich von Krusau/Kruså)
  • Krusauer Wälder und Kiskelund Plantage (bei Kitschelund)

Ziel der neuen Strategie: Die Wälder sollen sich langfristig zu biodiversen Naturparadiesen entwickeln – mit mehr Totholz, mehr Licht im Unterwuchs, mehr Wasser im Gelände und einer größeren Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten.

Miang Damm und Kettingnoor: Zurück zur Wildnis

Pilze wie der Maronen-Röhrling (Archivfoto) werden die neuen Bedingungen sicherlich auch zu schätzen wissen.

Gerade die Gebiete um Miang Damm und Kettingnoor südöstlich bzw. nördlich von Augustenburg (Augustenborg) auf Alsen erwarten die Verantwortlichen besonders große Effekte für die Natur. Hier ist ein reich strukturiertes Mosaik aus feuchten Senken, alten Waldbeständen, offenen Flächen und kleineren Feuchtgebieten vorhanden – beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Renaturierung.

Die geplanten Maßnahmen umfassen unter anderem:

  • Schließen von Gräben und Drainagen, damit das Wasser länger in der Landschaft bleibt.
  • Entfernung von Nadelholz-Monokulturen, die in der Vergangenheit zur forstwirtschaftlichen Nutzung angelegt wurden.
  • Förderung von Laubwaldstrukturen mit heimischen Baumarten.
  • Veteranisierung von Bäumen, d.h. Bäume werden absichtlich beschädigt oder stehen gelassen, wenn sie absterben, damit Tiere, Pilze und Insekten dort leben können.
  • Mögliche Waldbeweidung, bei der grasende Tiere wie Rinder oder Pferde durch ihre natürliche Bewegung und ihr Fressverhalten Lichtungen offenhalten und Buschwerk zurückdrängen.

Öffentliche Anhörung läuft

Die nun vorgestellten Verwaltungspläne gelten für jeweils 15 Jahre, werden aber im Abstand von fünf bis sechs Jahren überarbeitet. Noch bis zum 11. September 2025 können Bürgerinnen und Bürger, Umweltorganisationen oder andere Interessierte über die dänische Anhörungsplattform (Høringsportal) Kommentare und Vorschläge zu den Plänen abgeben.

Wie die dänische Naturbehörde in einer Pressemitteilung unterstreicht: Die grundsätzliche Entscheidung, die betroffenen Wälder als unberührt auszuweisen, steht nicht mehr zur Diskussion. Die Anhörung betrifft ausschließlich die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen.

Hoffnung für die Artenvielfalt

Der Schwarzspecht steht in Dänemark auf der Roten Liste der bedrohten Tiere.

Die Umwandlung der Wälder ist Teil eines nationalen Biodiversitätsprogramms. Insgesamt sollen rund 75.000 Hektar unberührter Wald entstehen – davon etwa 70.000 Hektar auf Staatsland. Der politische Beschluss dazu wurde bereits 2020 mit der „Natur- og Biodiversitetspakke“ gefasst. Damals stellte das dänische Parlament rund 888 Millionen Kronen zur Verfügung, um die Artenvielfalt zu fördern und den Klimaschutz durch naturnahe Wälder zu stärken.

In Nordschleswig könnten besonders Feuchtgebiete wie Miang Damm, die bislang entwässert wurden, ökologisch aufblühen. Amphibien, Libellen, seltene Pflanzen – und vielleicht auch der eine oder andere Schwarzspecht – könnten hier bald wieder heimisch werden.