Umwelt und Natur

Gefahr für Wasservögel: Ornithologenverein fordert Regeln für das Kitesurfen

Veröffentlicht Geändert
Kitesurfen
Auch in Nordschleswig gibt es beliebte Kitesurf-Spots.

Platz für Wasservögel und Kitesurfende bieten die dänischen Gewässer genug, meint der Ornithologenverein. Doch um die Tiere durch das Surfen nicht zu verschrecken, braucht es neue Regelungen, wo der Wassersport ausgeübt werden darf und wo Enten, Gänse und Schwäne ihre Ruhe haben.

Kitesurfen ist an den dänischen Küsten und flachen Förden beliebter denn je – auch in Nordschleswig. Doch Kitesurfende sind für Wasservögel eine Gefahr.

Der dänische Ornithologenverein (Dansk Ornitologisk Forening, DOF) sieht Schwäne, Enten und Gänse durch den Sport zunehmend gestresst und verängstigt.

Beim Kitesurfen stehen die Sportlerinnen und Sportler auf einem Brett, das von einem Drachen in der Luft angetrieben wird. Doch diese Kombination hat sich laut DOF zu einer ernsthaften Störung für Wasservögel entwickelt, sodass die Tiere aus ansonsten vogelreichen Gebieten zunehmend verschwinden.

Kites vertreiben Vögel

„Einige Wasserflächen haben ihren Wert für Vögel vollständig verloren, unter anderem wegen der Störungen durch Kitesurfende“, sagt der DOF-Biologe Knud Flensted.

„Im Limfjord ist das Vorkommen mausernder Wasservögel fast vollständig verschwunden – wahrscheinlich hauptsächlich aufgrund von Störungen“, so der Ornithologe.

Kitespots auf Alsen und Röm

Beliebte Kitesurf-Spots in Nordschleswig sind etwa Kekenis (Kegnæs) und Mommark Strand in der Kommune Sonderburg (Sønderborg) oder Lakolk und Sønderby auf Röm (Rømø) in der Kommune Tondern (Tønder).

Dem Biologen zufolge liegt das Problem darin, dass Kitesurferinnen und Kitesurfer mit einem Drachen in der Luft und hoher Geschwindigkeit die Vögel aufschrecken.

Sie fliehen und landen irgendwo weit weg von den Orten, an denen es ein gutes Nahrungsangebot gibt und wo sie vielleicht gebrütet und Küken bekommen haben.

Problem während der Mauser

Laut Knud Flensted ist dies vor allem im Sommer ein Problem, wenn mehrere Arten ihr Federkleid ablegen.

„In der Zeit der Mauser sind sie extrem scheu und können nicht fliegen. Wenn sie einem Kitesurfer begegnen, sind sie unsicher, ob er eine Bedrohung für sie darstellt, und beginnen zu schwimmen oder wegzufliegen, wenn sie noch können.“

Die Störung bedeute, dass die Vögel unnötige Energie aufwenden müssen, um wegzukommen, anstatt Nahrung zu finden. Und einige von ihnen kämen nie wieder zurück.

Regelwerk muss überarbeitet werden

Ornithologinnen und Ornithologen sind der Meinung, dass die Vogelwelt besser geschützt werden muss, und fordern eine Aktualisierung der bestehenden Vorschriften für den Seeverkehr (færdsel på havet).

Laut Knud Flensted wurden die Regeln zu einer Zeit aufgestellt, in der es noch nicht so viele Kitesurfende und Paddleboards gab wie heute.

„Es ist möglich, diese Überlegungen miteinander in Einklang zu bringen und sowohl für Kitesurfende als auch für Wasservögel Platz zu schaffen“, betont er. Es müsse so geplant werden, dass beide Parteien Raum bekommen. Einige Gebiete sollten für das Boardsurfen, andere ausschließlich für Vögel reserviert werden. „Die dänischen Gewässer bieten Platz für beides.“

Eine Arbeitsgruppe im Rahmen des Wildverwaltungsrates (Vildtforvaltningsrådet) arbeitet daran, die Regeln für die Fahrt auf Gewässern in mehreren wichtigen Vogelgebieten zu überarbeiten.

Dem Biologen zufolge sind die Arbeiten jedoch „mehrere Jahre im Verzug“, was er sehr bedauert. „Es besteht ein dringender Bedarf an einer Regelung. Je länger es dauert, desto größer wird der Konflikt, und desto schwieriger wird es, ihn zu lösen“, sagt Knud Flensted.