Haus und Garten

Checkliste: So wild ist der eigene Garten

Veröffentlicht Geändert
Eichhörnchen
Damit sich Tiere wie Eichhörnchen in unseren Gärten wohlfühlen, gilt es vor allem, auf Gifte zu verzichten.

Artenvielfalt: Finden Tiere rund ums Haus Unterschlupf und Nahrung? Der Biologe Michael Carlsen verrät, worauf zu achten ist. Und wer die Biodiversitäts-Tabelle ausfüllt, erfährt, wo daheim noch Potenzial ist.

Zum Glück für die Tierwelt und die Artenvielfalt ist es durchaus in Mode, den eigenen Garten ganz bewusst verwildern zu lassen – zumindest in Teilen. Und das muss gar kein umfangreiches Projekt sein: „Auch in kleineren Gärten oder auf Balkonen ist es möglich, die Artenvielfalt zu erhöhen“, sagt der Biologe Michael Carlsen vom Tierschutzbund Dyrenes Beskyttelse. Doch reicht ein kleiner Streifen wilder Blumen? Wie naturfreundlich ist der eigene Garten eigentlich?

Der Tierschutzbund hat jetzt eine Tabelle veröffentlicht, anhand der Gartenbesitzende das überprüfen können. Die deutsche Übersetzung findet sich am Ende dieses Artikels.

Tipps für den lebendigen Garten

Michael Carlsen
Der Biologe Michael Carlsen ermuntert dazu, Teile des Gartens bewusst verwildern zu lassen.

Wichtig für den biodiversen Garten: Das Giftsprühen sein lassen, Gestrüpp wachsen lassen, Reisighaufen liegen lassen – und dafür sorgen, dass es eine Wasserstelle gibt. Dies und vieles mehr geht aus der Übersicht hervor, die Forschende an der Uni Aarhus entwickelt haben, um den Grad der Verwilderung feststellen zu können.

Auch kleine Gärten können die Artenvielfalt erhöhen

Biodiversität
„In unserem Garten wächst kein Unkraut, sondern Biodiversität“: Dieses Schild an einem Schrebergarten auf Amager zeigt mit Humor, dass sich die Zeiten in den Gärten langsam ändern.

Keine Sorge: Bei den meisten Gärten dürfte die erreichte Punktzahl zunächst unter 10 liegen. Doch mit relativ überschaubarem Aufwand lässt sich ein Wert von 15 bis 20 Punkten erreichen. Wer das schafft, trägt seinen Teil dazu bei, dass sich in Nordschleswig und Dänemark das Artensterben zumindest verlangsamt. Und wer noch mehr Punkte erreicht, kann nicht nur Besucherinnen und Besucher beeindrucken – sondern auch einen Biologen wie Carlsen.

„Oft genügt es, nichts zu tun oder einfach einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Natur von selbst entfalten kann. Auf diese Weise profitiert man sowohl von Tieren als auch von Pflanzen, deren Beobachtung man selbst genießen kann, ohne zu viel Zeit und Mühe in die Gartenarbeit zu investieren“, sagt er.

Wer auf Pestizide verzichtet, erzielt mit fünf Punkten die höchsten positiven Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, während große Bäume mit Löchern und abgestorbenen Ästen sowie feuchte oder nasse Bereiche mit vier Punkten fast genauso gut abschneiden.

„Große Bäume sind ein guter Lebensraum für viele Tiere, vor allem, wenn sie Höhlen aufweisen, die etwa Blaumeisen als Vogelhäuschen dienen können. Bäume bieten auch herabgefallene Blätter und Äste, die Igel und andere Kleintiere als Versteck nutzen können“, sagt Carlsen.

„Feuchtgebiete ziehen Tiere an, die in der feuchten Umgebung leben und gedeihen, wie zum Beispiel Libellen und Frösche. Außerdem bieten sie Bade- und Trinkgelegenheiten für Insekten, Vögel und Kleintiere“, so der Biologe.

Wie wild ist mein Garten?

Garten
Auch in der Stadt oder auf kleinen Grundstücken und sogar Balkonen ist Artenvielfalt möglich.
KategorieKriteriumMögliche PunktzahlPunkte für meinen Garten
Gift und DüngungGarten ohne Verwendung von Kunstdüngung2
Garten ohne Verwendung von Spritzgiften5
Sträucher und HeckenEin Reisighaufen das ganze Jahr über2
Mindestens 5x5 Meter zusammenhängendes Dickicht aus Büschen/Bäumen2
Laubabwerfende heimische Büsche und Bäume in Hecken1
Mindestens 5 verschiedene insektenbestäubte Büsche und Bäume im Garten1
Unberührter Boden und Laub unter mehrjährigen Büschen und Bäumen in Hecken2
Große Bäume und TotholzMindestens 1 großer Baum - mindestens 50 Zentimeter Stammdurchmesser2
Mindestens 1 Veteranenbaum, also ein alter Baum mit toten Ästen und Löchern, mindestens 40 Zentimeter im Durchmesser4
Mindestens 1 lebender Baum mit Fäulnis und Löchern im Stamm4
Mindestens 1 toter liegender/stehender Stamm, mindestens 2 Meter lang und 40 Zentimeter Stammdurchmesser4
Kräuter und GrasflächenBlumenbeet: Mindestens 30 Quadratmeter mit mindestens 10 Arten insektenbestäubter Pflanzen2
Ungemähte Wiese: Mindestens 30 Quadratmeter, mit mindestens 10 Arten heimischer Pflanzen, maximal zweimal jährlich gemäht2
Artenreiche Fläche: Mindestens 50 Quadratmeter mit mindestens 10 Arten heimischer Pflanzen2
Begrüntes Dach mit Pflanzen: mindestens 10 Quadratmeter1
Begrüntes Dach mit Pflanzen: mindestens 100 Quadratmeter1
Mindestens 30 Quadratmeter Blumenwiese, begrüntes Dach, Kiesfläche oder Schotterfläche mit mindestens 20 einheimischen Pflanzenarten2
Mindestens 100 Quadratmeter Blumenwiese, begrüntes Dach, Kiesfläche oder Schotterfläche mit mindestens 20 heimischen Pflanzenarten3
Wiesen und TeicheFeuchte/Nasse Bereiche mit Wiesen- und Sumpfpflanzen, mindestens 20 Quadratmeter4
Teich/Gartenteich2
Teich/Gartenteich ohne Fische2
Mineralischer Boden, Dämme und WälleNährstoffarmer mineralischer Boden, mindestens 30 Quadratmeter Kies, Sand, Schotter oder Pflastersteine1
Trockenmauer, mindestens 50 Zentimeter hoch, 4 Meter lang2
Erdwall oder Hang, mindestens 50 Zentimeter hoch, 4 Meter lang1
Erdwall oder Haufen mit Steinen oder nährstoffarmem Boden, mindestens 50 Zentimeter hoch und 5 Meter lang2
Unterschlupf für Vögel, Eichhörnchen und LagerplätzeGebäude, alte Bäume oder Nistkästen mit brütenden Höhlenbrütern3
Gebäude, alte Bäume oder Nistkästen mit brütenden Säugetieren (zum Beispiel Fledermäuse)4
Insgesamt60