Umwelt & Natur

Pamhule: Zwischen Wildnis und Widerstand

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Pamhule ist als Ausflugsziel überaus beliebt.

Der Forst von Pamhule steht im politischen Fokus: Das Umweltministerium hat das Naherholungsgebiet vor den Toren Haderslebens als einen von sechs Naturnationalparks erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Erst 2021 hatte die Lokalpolitik mehrheitlich dagegen votiert. Damit ist die öffentliche Debatte um Zäune, Wildnis und lokale Mitsprache aufs Neue entfacht.

Vier Jahre nach dem klaren Nein des Haderslebener Kommunalparlaments ist das Naherholungsgebiet Pamhule als Standort für einen neuen Naturnationalpark im Rennen. Die Regierung will bis 2030 sechs dieser Parks schaffen – als Antwort auf die Biodiversitätskrise. Pamhule mit seinen uralten Eichen und Buchen, seltenen Pilzen und wertvollen Feuchtgebieten gilt als Hotspot für Artenvielfalt und Erlebnisse in „freier Wildbahn“.

Ein Park, der polarisiert

Wie wild ist wild genug? Das ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden. Die Erinnerung an die hitzige Debatte 2021 ist noch wach: Damals hatten unter anderem 17 lokale Vereine protestiert – gegen Zäune, Weidetiere – und gegen eine vermeintliche Einschränkung der Nutzung des beliebten Ausflugsziels.

Jetzt sehen Kritikerinnen und Kritiker ihre Mitsprache erneut in Gefahr. „Wir haben unser Nein nicht vergessen, und wir geben nicht auf“, stellt der Woyenser Venstre-Politiker Jesper Bitsch Bierbaum in einem Leserbeitrag fest.

Was geplant ist – und warum es Streit gibt

Jesper Bitsch Bierbaum aus Woyens (Vojens), der für Venstre zur nächsten Folketingswahl antritt, spricht sich gegen die Pläne für Pamhule aus (Archivbild).

Das Projekt sieht vor, 530 Hektar rund um „Pamhule Skov“ und das Feuchtgebiet Hindemai (Hindemade) mit einem 21 Kilometer langen Zaun einzufrieden. Dort sollen neben Hirschen und Damwild größere Weidetiere das ganze Jahr über äsen. Das Ziel: mehr Wildnis, mehr Lebensraum für bedrohte Arten und eine natürliche Entwicklung des Waldes ohne Holzeinschlag.

Der sozialdemokratische Umweltminister Magnus Heunicke sieht darin laut einer Presseerklärung einen Meilenstein im Kampf für mehr Natur: „Damit geben wir der Natur Raum, sich frei zu entfalten.“

Doch der Widerstand bleibt. Viele fürchten, dass der Zugang eingeschränkt wird, Reitwege und Mountainbikestrecken verloren gehen und das lokale Mitspracherecht leidet. Andere, wie Helene Hellesøe Appel von der Haderslebener Einheitsliste, fordern wiederum, die Natur in den Mittelpunkt zu stellen.

Naturparadies mit Konfliktpotenzial

Helene Hellesøe Appel von der Einheitsliste in Hadersleben ist wie der übrige Ortsverein ihrer Partei für den Standort Pamhule als Naturnationalpark (Archivbild).

Pamhule ist mehr als ein Wald: Dort wachsen seltene Pilze wie der graue Pfifferling, und es gibt besondere Pflanzenarten sowie Tiere wie Eisvogel, Rotmilan und Otter. Die Feuchtgebiete rund um Hindemai bieten bedrohten Amphibien, Libellen und vielen Vogelarten Lebensraum. Die geplante Transformation könnte das Bild des Waldes verändern: mehr umgestürzte Bäume, nasse Wege, kaum Forstwirtschaft.

Behörde stellt sich den Fragen

Die Forstbehörde Naturstyrelsen lädt am Montag, 23. Juni, zu einer Wanderung durch Pamhule ein und stellt sich den Fragen der Teilnehmerschar. Los geht es um 17 Uhr an der Naturschule am Nørskovgård.

Der Wald von Pamhule

Das Gebiet umfasst 530 Hektar Wald, Feuchtwiesen und Seen zwischen Hadersleben, seinem Tiergarten Dyrehaven und der Törninger Mühle. Geplant ist eine 21 Kilometer lange Einzäunung zwecks ganzjähriger Beweidung. Der Fokus liegt auf urwüchsiger Natur: Alte Buchen und Eichen, seltene Pilz- und Pflanzenarten sowie Feuchtgebiete sollen geschützt werden. Pamhule ist ein beliebtes Ziel für Wandernde, Reitende und Mountainbikende – mit jährlich über 150.000 Besuchenden. Die Pläne stoßen in verschiedenen Interessengruppen auf Widerstand. Die Entscheidung, welche von elf potenziellen Standorten zum Naturnationalpark werden, fällt voraussichtlich Ende des Jahres.