Vorbeugung

Von „Geldeseln“ zur Suchtprävention: Schule setzt auf Aufklärung

Fachleute halten in einer Aula vor Jugendlichen einen Vortrag mit Präsentation.
SSP-Koordinator Henrik Pedersen (l.) und die Gesundheitskonsulentin der Kommune Tondern, Winnie Holm Lorenzen (r.), klärten die Schülerinnen und Schüler der drei ältesten Klassen der LAS über die Gefahren von Nikotin auf und boten gleichzeitig ihre Hilfe an – ohne erhobenen Zeigefinger, sondern auf Augenhöhe.

Süße Aromen, hohe Strafen, unterschätzte Risiken: Nach aktuellen Vorfällen setzt die Ludwig-Andresen-Schule in Tondern auf Aufklärung zu Nikotin und illegalen Trends. Warum Fachleute Jugendliche besonders gefährdet sehen – und welche Hilfe es gibt.

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Zusammenfassung

  • Die Ludwig-Andresen-Schule in Tondern informiert Schülerinnen und Schüler über die gesundheitlichen und finanziellen Risiken von Nikotinprodukten wie Puffbars, Snus und Kautabak.
  • Fachleute betonen, dass alle diese Produkte stark abhängig machen, besonders für Jugendliche gefährlich sind und trotz süßer Aromen und bunter Verpackungen schwere körperliche Schäden verursachen können.
  • Die Kommune Tondern bietet kostenlose Ausstiegshilfen, Kurse und digitale Angebote an und ruft Jugendliche dazu auf, frühzeitig Unterstützung anzunehmen und Alternativen wie Sport und soziale Aktivitäten zu nutzen.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Erst Warnungen vor dubiosen Geldversprechen, nun klare Worte zu Nikotin und neuen Konsumtrends: An der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern (Tønder) haben Fachleute der Kommune Tondern Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 über Risiken von Puffbars, Snus, Kautabak und anderen Nikotinprodukten informiert.

Der Präventionsvortrag knüpft an aktuelle Entwicklungen an. Im Januar konnte der „Nordschleswiger“ über Jugendliche in der Kommune Tondern berichten, die als sogenannte „Geldesel“ missbraucht wurden. Auch Jugendliche an der Ludwig-Andresen-Schule hatten solche Angebote erhalten. Die Schule suchte sofort den Schulterschluss mit dem SSP-Team (Schule, Sozialverwaltung und Polizei). Ziel ist es, Jugendliche frühzeitig für Risiken zu sensibilisieren – finanziell wie gesundheitlich.

Nikotin bleibt das Kernproblem

Als Winnie Holm Lorenzen 2008 ihre Arbeit in der Gesundheitsabteilung der Kommune Tondern aufnahm, seien klassische Zigaretten das größte Problem gewesen, berichtete sie. Später seien E-Zigaretten, Kautabak, Snus und schließlich die sogenannten Puffbars hinzugekommen.

„Alle enthalten Nikotin – und dieser Stoff führt zur Abhängigkeit“, betonte sie.

Viele – auch Eltern – gingen noch immer davon aus, dass Snus oder Einweg-Vapes weniger „schlimm“ seien als Zigaretten. Die Abhängigkeit sei jedoch dieselbe. Wer früh nikotinabhängig werde, habe zudem ein erhöhtes Risiko, später auch von Alkohol oder anderen Drogen abhängig zu werden.

Winnie Holm Lorenzen unterscheidet drei Formen der Abhängigkeit:

  •  soziale Abhängigkeit (in Schule, Freizeit oder auf Festen),
  • psychische Abhängigkeit (bei Stress, Traurigkeit oder Gruppendruck),
  • physische Abhängigkeit (wenn der Körper Nikotin verlangt – etwa um morgens „in Gang zu kommen“ oder abends einschlafen zu können).

Gerade Heranwachsende unterschätzten, was Nikotin im sich entwickelnden Gehirn auslöse.

„Nikotin ist ein Insektengift“

Henrik Pedersen verdeutlichte die Wirkung mit einem historischen Vergleich: Südamerikanische Bauern hätten beobachtet, dass Schädlinge Tabakpflanzen meiden. „Nikotin ist ein äußerst wirksames Insektengift – und es schafft Abhängigkeit“, sagte er.

Ein weiteres Missverständnis betreffe die sportliche Leistungsfähigkeit. Nikotin steigere diese nicht. „Sagt Nein – auch wenn Freundinnen, Freunde, Trainerinnen, Trainer oder andere euch etwas anderes einreden“, riet Winnie Holm Lorenzen.

Kautabak – also Snus und Nikotinbeutel – könne zudem irreversible Schäden an Zähnen und Zahnfleisch verursachen.

Süße Aromen, klares Kalkül?

Weil Rauchen bei Jugendlichen an Popularität verloren habe, habe die Tabakindustrie neue Wege gesucht, um junge Zielgruppen zu erreichen, erklärten die Referierenden. Tabak werde durch süße Geschmacksrichtungen wie Erdbeere oder Wassermelone ersetzt, Verpackungen seien bunt und ansprechend gestaltet.

Offiziell richte sich das Angebot nicht an Minderjährige. „Aber diese Geschmäcker und Farben sprechen eindeutig Kinder und Jugendliche an“, kritisierte Henrik Pedersen.

Obwohl Tabakwerbung in Dänemark verboten ist, würden soziale Medien genutzt, um Produkte indirekt zu bewerben – etwa über Influencerinnen und Influencer auf Instagram.

Referentin spricht in einer Schulaula vor sitzenden Jugendlichen mit Präsentation an der Leinwand.
Die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7, 8 und 9 hörten sich den Vortrag von Winnie Holm Lorenzen (Foto) und Henrik Pedersen aufmerksam an.

Hohe Strafen und hohe Kosten

Dass der Verkauf von Puffbars in Dänemark illegal ist, wussten einige der Jugendlichen bereits. 10.000 Kronen Geldstrafe werden für den Verkauf einer einzigen Puffbar fällig. Bei Wiederholung oder beim Verkauf mehrerer Varianten kann sich die Summe schnell verdoppeln.

Auch der eigene Konsum sei teuer, gab Henrik Pedersen zu bedenken. Wer täglich Zigaretten für 60 Kronen kaufe, gebe im Jahr 21.900 Kronen aus – in zehn Jahren summiere sich das auf 219.000 Kronen. „Dafür bekommt man schon ein Auto“, sagte er.

Winnie Holm Lorenzen ergänzte: „Überlegt euch gut, ob euch das das Geld wert ist – oder ob ihr nicht lieber verreisen oder euch andere Wünsche erfüllen wollt.“

Hilfe und Alternativen

Auf die Frage, was man stattdessen tun könne, antwortete die Gesundheitskonsulentin schlicht: „Übernehmt die Kontrolle über euer eigenes Leben.“ Sport treiben, Freundinnen und Freunde anrufen, spielen, sich ablenken – Alternativen gebe es viele.

Wer Unterstützung beim Ausstieg suche, könne sich an die Kommune Tondern wenden. Winnie Holm Lorenzen und ihr Team bieten kostenlose Rauch- und Nikotinstopp-Kurse an – auch direkt an Schulen.

Erreichbar ist das Angebot unter der Telefonnummer 8031 3131 (Stoplinjen) oder per E-Mail an nikotinstop@toender.dk.

Zusätzlich verwies sie auf die App „Kvit“ von „Kræftens Bekæmpelse“. Die dänische Krebshilfe hat zudem die Mini-Serie „Break-Up“ produziert. Darin wird die Nikotinabhängigkeit als toxische Beziehung erzählt, aus der sich die Hauptfigur Tine Schritt für Schritt von Freund Nico löst.

Zum Abschluss ermutigte Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg die Schülerinnen und Schüler, Hilfsangebote anzunehmen und bei Bedarf das Gespräch zu suchen – mit dem SSP-Team oder mit Lehrkräften ihres Vertrauens.

Prävention beginne mit Wissen, lautete die zentrale Botschaft des Vormittags.