Weinbau

Wein zwischen Wald und Förde – Die Reben in Kollund gedeihen

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Den Weinanbau auf den Kollunder Hängen bezeichnen Søren Outzen (links) und Christian Christiansen als Hobby. Die Etiketten der Kollunder Weine sollen regional sein, wie der Solaris-Wein mit Schusterkate und Dannebrog.

In Kollund bauen drei Quereinsteiger Wein auf dem Anwesen eines umgebauten Bauernhofs an. Sie pflegen alte Rebstöcke und setzen auf biologische Methoden.

Vier indische Laufenten rennen am eingezäunten Weinberg entlang, dicht an dicht beieinander. Auf der Koppel gegenüber grasen zwei makellose Islandpferde. In der Ferne glitzert die Flensburger Förde. Diese Idylle gehört zum 12,5 Hektar großen Anwesen von Søren Outzen. Der dänische Transportunternehmer und seine Frau haben den ehemaligen Bauernhof vor vier Jahren erworben und umgebaut.

Drei junge Männer haben die Østerskov vineri gegründet

Im Kerngebäude gibt es eine Keramikwerkstatt; eine frühere Garage hat Outzen in ein „Laboratorium“ verwandelt. Hier befinden sich große und kleine Geräte, die man zum Weinausbau braucht, darunter ein Refraktometer zum Messen des Grad Oechsle von Trauben. Künftig kommen zudem Eichenfässer im Laboratorium unter.

„Was soll man mit so viel Platz machen, wenn man kein Landwirt ist?“, erinnert der 44-Jährige lächelnd an die Frage, die sich seinerzeit beim Erwerb des Guts stellte. Outzen, Christian Christiansen und Thomas Clausen gründeten die Østerskov vineri nach dem gleichnamigen Ortsteil in Kollund.

Der 54-jährige Christiansen war vor 20 Jahren Landwirt und ist in die Transportbranche gewechselt. Clausen ist Jurist.

Den Ausschlag dazu dürften letztlich die beiden Nachbarwinzer aus Klipleff (Kliplev) gegeben haben. Søren Outzen war auf ihrem Weingut Klemhest mehrmals bei Weinproben zu Gast. Altersbedingt haben die Winzer aufgehört – die Østerskov vineri nahm 600 alte Weinstöcke unter ihre Fittiche. Abgesehen von Büchern und aus dem Internet lernen die drei Neulinge der Branche vor allem von der Expertise der alten Hasen aus Klipleff.

Mit 500.000 Kronen beziffert Outzen die Investition in Maschinen, Gebäude und Behördengänge. „Hätten wir gewusst, wie viele Genehmigungen man einholen muss, hätten wir es nicht gemacht“, resümiert er. Baubehörde, Gesundheitsamt, Steuerbehörde – das waren nur einige Anlaufstellen. Umso besser, dass sie es nicht wussten, meint der Kollunder lässig. „Wir konnten loslegen, machen, ausprobieren, Fehler korrigieren.“

Auf dem Weg zum Bio-Winzer

Der Weg zum Weinhang umzingelt von Wald und Flensburger Förde führt vorbei am Biotop-Teich. Den lieben auch die Laufenten. Sie hüpfen hinein, kühlen sich ab und werden später wieder in den Gängen zwischen den Weinstöcken Nacktschnecken fressen. „Unsere Strategie ist 100-prozentig ökologischer Anbau“, erläutert Outzen. Jetzt sind sie im zweiten Jahr Bio-Winzer – noch ein Jahr, dann wird es amtlich.

„Schnecken sind ein Problem“, ergänzt Christian Christiansen. Er zupft ein paar Blätter der Weinreben und Traubenansätze ab. Die nehmen den jungen Pflanzen die kostbare Energie zum Wachsen, erklärt Kompagnon Søren Outzen.

Die ersten Weinstöcke vom Frühjahr 2024

1100 Löcher haben sie hier in den Hang gebohrt, um 1100 junge Pflanzen im Frühjahr 2024 in den Boden zu bringen – zunächst 800 Weinstöcke, dann 300 weitere. Sie haben die Sorten Solaris, Rondo, Léon Millot, Spätburgunder und Sauvignon Gris in Deutschland gekauft. 1100 Liter Wein würden daraus, weiß Outzen.

Er zeigt, wie gesund die Pflanzen aussehen und wie schnell sie wachsen. Vor allem eine: Pflanze Nummer eins. Sie rankt sich schon am Drahtgerüst entlang und sei die Erste gewesen, die Medienaufmerksamkeit genoss, erinnert sich Outzen. Das hat ihr wohl gut getan.

Nordeuropäisches Wetter kommt den Weinen zugute

„Wenn die Bauern klagen, dann ist es gut für den Winzer“, sagt er über das Wetter. „Dieses Jahr ist es gut: viel Regen am Anfang“, später hoffentlich viel Sonne. Probleme hätten eher die Winzer im Süden, wo es viel zu heiß sei und die Trauben zu viel Zucker entwickelten.

Mit einer Ernte oder Weinlese von den alten 600 Klemhest-Weinstöcken kann die Østerskov vineri in diesem Jahr wieder rechnen, mit einer Lese bei den jungen Pflanzen aber erst 2026. Die vergangene Ernte sei sehr gering ausgefallen, berichtet Søren Outzen. Die Trauben waren klein, keine roten darunter. Gerade mal 70 Flaschen haben sie abgefüllt, erzählt er. Aber die haben es wohl in sich. „Wir finden den ganz gut“, meint Outzen, und andere auch. „Wir wollen sie einschicken, weil wir finden, das ist eine Goldmedaille“, ergänzt er keck. Passend zum Anspruch: „Qualität vor Quantität.“