Pflege

Wenn das Mittagessen kommen muss: „Die einen sind traurig, die anderen froh“

Veröffentlicht Geändert
1,3 Prozent der über 70-Jährigen in der Kommune nutzen einen Essensservice (Symbolfoto).

Viele Menschen möchten so lange wie möglich im Alter zu Hause bleiben. Wenn die Kraft zu kochen schwindet, ist ein Menüservice eine Lösung. Ein Gespräch mit Laila Løhde von der Kommune Hadersleben.

Irgendwann lässt die Kraft nach. Dann sind Ältere, die jahrzehntelang ihr Leben meisterten, auf Hilfe angewiesen, etwa beim Putzen, Waschen, Einkaufen – oder beim Essenmachen. Wenn es immer mühsamer wird, sich selbst etwas Warmes zuzubereiten, ist ein Essensservice eine Lösung, auch um weiter zu Hause wohnen zu können. Über die genannte Dienstleistung ließ sich jüngst der Seniorenausschuss der Kommune informieren. „Wir bekommen oft einen Hinweis der Heimpflege, dass das Kochen für die Älteren zu viel wird“, sagt Laila Løhde, Leiterin der Abteilung Soziales und Gesundheit.

Oder das Krankenhaus meldet sich, weil eine ältere Patientin oder ein älterer Patient vor der Entlassung steht, es aber absehbar ist, dass es ohne fremde Hilfe nicht mehr gehen wird. Sind die Bedingungen des Dienstleistungsgesetzes erfüllt, kann ein Essensservice gewählt werden. In der Kommune Hadersleben sind es drei – zwei private und ein kommunaler. Kostenlos ist dieser Service nicht, ein Eigenanteil muss übernommen werden.

Selbst kochen heißt, für sich selbst zu sorgen. Wie gehen die Menschen damit um, dass sie nicht mehr kochen können? „Das ist unterschiedlich“, sagt Laila Løhde. „Für die einen bedeutete das Essenmachen etwas, und sie sind dann traurig, andere sind froh, dass ihnen die Arbeit abgenommen wird, und wieder andere freuen sich, weil das Essen besser ist als vorher.“

135 Personen über 70 nutzen den Service

In der Kommune leben nach Angabe dieser 10.137 Menschen über 70 Jahre. 135 Menschen, also 1,3 Prozent dieser Altersgruppe, nutzen den Menüservice. Ob Mehrheit oder deutsche Minderheit, „da führen wir kein Buch drüber“, sagt Laila Løhde. Wer berechtigt ist, bekommt den Service. Von Bedeutung sind aber Allergien, Unverträglichkeiten und Erkrankungen, die eine Diät erforderlich machen – wie etwa Diabetes. „Darauf gehen die Anbieter ein und auch darauf, ob das Essen vegetarisch sein soll oder nicht. „Aber jede Person wählt selbst, wir sind natürlich da, um Empfehlungen abzugeben.“

Die Speisen werden ihr zufolge nach den Ernährungsempfehlungen für ältere Menschen und dem individuellen Bedarf zubereitet. Ist der Proteinbedarf höher, weil die Seniorinnen und Senioren etwa wenig zu sich nehmen, könne ein Eiweißdrink das Gericht ergänzen, erklärt die Leiterin der Abteilung Soziales und Gesundheit.