Denkmalschutz

Wiederaufbau der Mauer an der alten Kathedralschule – ein spannendes Puzzle

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Alte Ziegel und historischer Mörtel sowie das Können des Maurers lassen die Mauer an der alten Kathedralschule wieder auferstehen.

Die alte Kathedralschule ist denkmalgeschützt und die Mauer zur Gåskærgade auch. Letztere ging im November in Teilen zu Bruch. Nun ist sie bald wieder ganz – aber nicht neu.

Während im Baustellenradio ein neuer Popsong dudelt, sucht Jesper Hemmingsen nach dem richtigen Ziegel. Er ist mit der Wiedererrichtung der denkmalgeschützten Mauer an der alten Kathedralschule beschäftigt. Seine Augen wandern über die alten gelben Ziegel vor ihm, er nimmt einen, Auge und Hand prüfen. Nein, nicht der richtige, passt nicht. Auge und Hand prüfen einen anderen. Der ist es. Gekonnt schlägt der Maurer eine Ecke ab. So, nun passt er ganz genau. „Es ist ein Puzzlespiel“, sagt Hemmingsen, der auf einem Podest steht und dabei ist, die alte Mauer wieder aufzubauen.

Schaden durch Lkw

Von der Mauer ging im November vergangenen Jahres ein gutes Stück entzwei, als ein abgesteller Lkw sich selbstständig gemacht hatte und rücklings in die Mauer fuhr. Die alte Kathedralschule hinter der Mauer hat auch eine deutsche Vergangenheit und diente nach dem Zweiten Weltkrieg als Krankenhaus für die vielen deutschen Flüchtlinge, die über die Ostsee gekommen waren.

Die Trümmer wurden beseitigt, doch die lädierte Mauer musste erst einmal so bleiben, wie sie war, weil beim Wiedererrichten kein Frost herrschen sollte. Und es mussten vergleichbare Ziegel her. Alte Ziegel, damit das Gesamterscheinungsbild nicht leidet. Die ursprüngliche Idee, Ziegel der Mauer zu recyceln, klappte nach Jesper Hemmingsens Worten nicht.

So sah es nach dem Malheur aus.

Alte Ziegel und historischer Mörtel

Die neuen alten Ziegel hat der Betrieb von Thomas Hans gefunden, für den Jesper Hemmingsen arbeitet. „Die sind so 100 bis 150 Jahre alt“, schätzt der Maurer und nimmt aus der Wanne eine Portion Mörtel. Kein moderner Zement. Der wäre nicht authentisch. Authentisch ist ein hydraulischer Kalk. „Wir mauern genau so, wie man es in alten Zeiten gemacht hat“, sagt er.

Der Kalk braucht nach dem Anrühren etwas Zeit, um gut binden zu können. Und damit die Fugen nicht zu hell aussehen, mischt Jesper Hemmingsen noch ein wenig Farbpigment dazu. So sieht man zwar die Reparatur, aber nicht zu sehr. Ein harmonisches Gesamtbild.

„Das ist schon etwas anderes als sonst und spannend“, sagt Jesper Hemmingsen. Neu ist diese Art Arbeit für ihn aber nicht. In Christiansfeld hat er nach eigener Angabe in der Vergangenheit an der Wiederherstellung historischer Gebäude gearbeitet.

Neue alte Ziegel machen die Reparatur unauffälliger.

Nach Ostern kommt das Eisengitter auf der Mauer wieder an seinen Platz. „Das hat nicht allzu viel abbekommen“, sagt Hemmingsen. Dann muss noch der Granitblock auf die Mauer gehievt werden, die als Abschluss dient, damit Wasser nicht ins Ziegelwerk eindringen kann – damit die Mauer wieder, sagen wir mal, 100 Jahre hält – wenn kein Lkw sie küsst.