Natur und Umwelt

Wenn der Himmel lebt: Bergfinken-Schwarm fasziniert Naturbegeisterte

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Die Bergfinken versammeln sich in großen Schwärmen und schützen sich so gegenseitig vor Greifvögeln (Symbolfoto).

Wie die Stare an der Westküste zeigen auch Bergfinken an der Ostküste beeindruckende Luftakrobatik – doch nur in seltenen Mastjahren. Hobbyornithologe Svend Anker Schwebs konnte dieses Spektakel in der Aartofter Hölzung beobachten.

In den vergangenen Wochen ist Hobbyornithologe Svend Anker Schwebs immer mal wieder an die Aartofter Hölzung (Årtoft Plantage) nördlich von Klipleff (Kliplev) gefahren, um ein besonderes Naturschauspiel zu beobachten. Hunderttausende von Bergfinken – Schwebs schätzt die Menge auf eine halbe Million oder gar mehr – versammeln sich dort rund eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang, tanzen eine Art Luftballett, bevor sie sich zur Nachtruhe in den Baumwipfeln niederlassen.

Dieses Phänomen kennen die Menschen an der Westküste von den Staren. Dort kann das Naturschauspiel regelmäßig im Frühjahr und im Herbst beobachtet werden. Unter dem Namen „Sort Sol“ (Deutsch: Schwarze Sonne) wird das Spektakel von der Touristikbranche vermarktet und lockt alljährlich Tausende Gäste an.

(Das obige YouTube-Video hat uns Bjarne Nielsen zur Verfügung gestellt. Er ist stellvertretender Vorsitzender des nordschleswigschen Ornithologenverbandes.)

Im Sommer werden Birkenwälder bevorzugt

Das Bergfinken-Ballett an der Ostküste ist indes eine Seltenheit und nur alle drei, vier Jahre zu beobachten, nämlich in sogenannten Mastjahren (dänisch: oldenår).

Bucheckern gehören zu den Lieblingsspeisen der Bergfinken (dänisch: Kvækerfinker).

Buchen und andere Laubbäume, die energiehaltigen Samen produzieren, bilden in Jahren, in denen sich ihre Fraßfeinde stark vermehrt haben, mehr Samen aus, damit ausreichend Saatgut für eine neue Generation Bäume übrig bleibt. Wie oft das passiert, ist unterschiedlich und hängt von mehreren Faktoren ab. Die Abstände zwischen den Mastjahren variieren von zwei bis sechs Jahren.

Die Bergfinken brüten meist in den Birkenwäldern Norwegens, Schwedens, Finnlands sowie im nördlichen und mittleren Russland. Sie verbringen die Wintermonate dann aber in etwas milderen Gefilden, zum Beispiel in Dänemark.

Geliebtes Kind trägt viele Namen

Der Bergfink wird in Deutschland häufig auch als Nordfink bezeichnet. Wahrscheinlich ist dieser Name eigentlich auch treffender, denn der Vogel bevorzugt gar nicht unbedingt bergiges Gelände; er fühlt sich auch in Tälern wohl.

Der dänische Name „Kvækerfink“ ist wohl auf seinen langgezogenen Quäk-Laut zurückzuführen. Diese charakteristische Stimme ist vermutlich auch der Grund dafür, dass er in Bayern unter dem Namen „Gegler“ bekannt ist und in Schweden auch „Ziegenbock“ oder „Bellender Vogel“ genannt wird.

Die Schweden sind übrigens bei der Namensgebung äußerst erfinderisch gewesen. Je nach Region wird der Bergfink auch als Hechtfink oder Hasensperling bezeichnet, weil er dann zurückkehrt, wenn die Hechte zu laichen und die Hasen zu rammeln anfangen. In Schweden ist der Bergfink auch als Rostbuchfink bekannt. Das ergibt schon daher Sinn, weil der Bergfink dem Buchfinken ähnlichsieht. Seine Kehle ist jedoch orangerot gefärbt.

Bislang haben sich die etwa 15 Zentimeter großen Vögel vorwiegend in den nordseeländischen Wäldern niedergelassen. Doch neuerdings scheinen sich die Bergfinken auch in Nordschleswig wohlzufühlen.

Ein gutes Mastjahr?

Schon im Januar 2020 wurde eine größere Schar in der Aartofter Hölzung gesichtet. „Es scheint ja wieder ein gutes Mastjahr gewesen zu sein. Aber das weiß ich nicht so genau. Wo die Bergfinken sich eigentlich mit Futter eindecken, entzieht sich auch meiner Erkenntnis. Sie fressen nämlich nicht in Aartoft“, berichtet der Bülderuper Svend Anker Schwebs.

„Dort haben sie sich in den vergangenen Wochen regelmäßig zum Nachtquartier getroffen, und zwar in riesigen Scharen. Und kommt ein Greifvogel, vollziehen auch die Bergfinken – ähnlich wie die Stare – fantastische Formationsflüge“, fügt der Hobbyornithologe im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ hinzu. Er hat in Aartoft bereits Merline, Mäusebussarde und Wanderfalken auf der Bergfinken-Jagd gesehen. Allerdings hat er noch nie beobachtet, dass die Greifvögel erfolgreich waren. „Finken sind flinke Flieger“, lautet seine Feststellung.

Ein Schlafplatz mit Sichtschutz

Ein kleiner Schwarm Bergfinken war am 19. Januar bei Emmerleff Kliff (Emmerlev Klev) in der Nähe von Hoyer (Højer) zu beobachten.

Warum sich die Bergfinken ausgerechnet die Aartofter Hölzung als Nachtquartier herausgepickt haben, weiß der Bülderuper nicht so genau. „Ich vermute mal, dass die dichten Wipfel der Tannenbäume einen guten Sichtschutz für Fressfeinde bieten“, ist seine private Erklärung.

Schwebs hat sein Interesse für die heimische Vogelwelt wiederentdeckt, als er vor rund zehn Jahren in den Vorruhestand ging. Vorher hatte er 41 Jahre lang einen Bürojob in einem Rinderschlachthof. Seitdem ist er fast jede freie Minute in der Natur mit seinem Fernglas unterwegs.

„Ich glaube aber, dass sie gerade kürzlich ihren Schlafplatz gewechselt haben, ich war in der vergangenen Woche wieder da, aber habe keinen einzigen Vogel gesehen“, stellt Schwebs bedauernd fest.