Deutsche Minderheit

Warum Jakob Griffel einen guten Grund zum Summen hat

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In der Deutschen Schule Hadersleben fand Jakob Griffel zum Singen.

Jakob Griffel aus Hadersleben singt im neuen Kammerchor Nordschleswig. Ein Gespräch über seinen Weg zum Singen und dessen Bedeutung.

Wenn Jakob Griffel mit seinem Auto die tägliche dreiviertel Stunde zu seiner Arbeit fährt, dann kann es vorkommen, dass er dabei summt. Und auch, wenn er als Eisenbahner dann seine Lok steuert, kann es sein, dass er summt.

Anzunehmen, dass andere Menschen, das genau so machen – aber Jakob Griffel verfolgt einen Plan, er hat einen Grund: Er singt nicht nur in der Musikvereinigung Nordschleswig, dem großen Chor der deutschen Minderheit, sondern auch im neuen Kammerchor, der am Sonnabend, 14. Juni, ab 16 Uhr in der Heiliggeistkirche in Flensburg (Hellligåndskirke, Flensborg) auftritt – zusammen mit dem Vokalensemble Sankt Johannis aus Neubrandenburg.

Der Buxtehude Kammerchor war jahrelang Teil der Musikvereinigung. Corona und die Elternzeit der Dirigentin Susanne Heigold ließen den Kammerchor lange pausieren. Nun ist er wieder da, in kleinerer Formation. Er heißt Kammerchor Nordschleswig und der gibt nun eine Kostprobe seines Könnens.

Singen: Ein Lebensbegleiter

„Am Pfingstwochenende waren wir in Neubrandenburg und haben dort ein Konzert gegeben. Das Publikum war begeistert, das hat mich sehr gefreut“, berichtet Jakob Griffel. Er schätzt, dass gut 130 Menschen gekommen waren, um die beiden Kammerchöre zu hören. „Ich bin gespannt, wie viele es in Flensburg werden“, sagt der 56-Jährige, der seit seiner Schulzeit an der Deutschen Schule Hadersleben singt – mit einer Unterbrechung während seiner Ausbildung. Aber auch da sang er, wenn er zu Besuch in Nordschleswig war.

Trotz seiner jahrelangen Erfahrung: Aufgeregt sei man schon so kurz vor einem Konzert, aber wenn dann alles klappe und das Publikum applaudiere, dann spüre er eine Begeisterung, die der Lohn der Arbeit sei, berichtet er.

Und so nutzt Jakob Griffel die Zeit zu seinem Arbeitsort, um sich die Stücke in Erinnerung zu rufen. Denn: „In einem Kammerchor, da kann man sich nicht verstecken, wir sind insgesamt nur 13 Personen“. Da muss die Melodie in den Kopf.

Anstrengend, aber auch Kraftquelle

Die Proben, das sei harte Arbeit. Einmal im Monat kommt der Kammerchor zusammen und probt von 17 bis 18.30 Uhr. Danach, von 19 bis 21 Uhr, geht es gleich weiter mit der Musikvereinigung. Das macht vier Stunden proben – mit Pause.

„Das ist harte Arbeit, die Stücke sind nicht immer einfach, schon anstrengend", so Jakob Griffel, dessen Arbeitstag auch mal früh morgens um 4 oder 5 Uhr beginnen kann. Aber auch schön und aufregend – Jakob Griffel merkt, dass es ihm guttut. Etwas zum Krafttanken.

„Wir singen im Kammerchor ganz andere Stücke, das ist sehr spannend.“ Am Sonnabend stehen skandinavische Kompositionen im Vordergrund. Sie sind ganz anders als andere, sie sind leicht und locker. Auf dem Programm stehen Stücke von Grieg, Nielsen, Stenhammar, Pärt und Schütz.

Susanne Heigold zufolge wird der Kammerchor vor allem in der ersten Hälfte des Jahres aktiv sein. Die zweite Jahreshälfte gehört dann der Musikvereinigung, die in der Jahreszeit zu ihren Hauptkonzerten einlädt. Da die Sängerinnen und Sänger des Kammerchors auch in der Musikvereinigung aktiv sind, kommt es zu dieser zeitlichen Aufteilung.