Kommunalentwicklung

Schiffskraftstoff aus Pflanzenresten: Apenrade auf Kurs zur grünen Energiewende

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Dan Skov Jensen (l.), Unternehmensentwickler für den Apenrader Hafen, und Kvasir-Technologies-Kundenmanager Ulrik Falkenberg Lending am Kai des Enstedter Hafens

Das dänische Technologieunternehmen Kvasir wird im früheren Enstedt-Werk bald nachhaltige Kraftstoffe für Schiffe produzieren. 50 Arbeitsplätze sollen dabei entstehen.

Auf dem Gelände des Enstedter Hafens – heute Apenrader Hafen Süd – wird in Zukunft Kraftstoff für Schiffe hergestellt. Das in Søborg beheimatete Unternehmen Kvasir Technologies hat einen entsprechenden Vertrag mit dem Apenrader Hafen unterzeichnet. Das geht aus einer Mitteilung des Hafens hervor.

Knapp 20.000 Quadratmeter des Hafens Süd hat das Unternehmen gepachtet – langfristig, wie der Hafenvorsitzende und Stadtratsabgeordnete Erwin Andresen (Schleswigsche Partei, SP) sagt. Damit gebe es Planungssicherheit für die Kommune, der der Hafen gehört, und auch für Kvasir Technologies.

Hafenvorsitzender Erwin Andresen (r.) und Hafendirektor Henrik Thykjær im Apenrader Südhafen (früher: Enstedter Hafen)

Produktionsstart 2028

Aber noch ist es nicht so weit. „Bis wir alle Genehmigungen haben, wird es noch bis 2026 dauern“, sagt der kaufmännische Direktor Ulrik Falkenberg Lending zum „Nordschleswiger“. Im Sommer 2026 solle der Bau und zwei Jahre später dann die Produktion beginnen.

Das 2018 gegründete Unternehmen stellt dann in einem patentierten Verfahren Brennstoff für Schiffsmotoren her und ersetzt dann den aus fossilem Erdöl produzierten Brennstoff.

Aus Pflanzenresten wird Schiffskraftstoff

Das Öl wird aus Pflanzenresten hergestellt, die in einem chemischen Prozess unter hoher Temperatur so umgeformt werden, dass sie zu einer erdölähnlichen Flüssigkeit werden. Biokraftstoff (biobrændsel) nennt sich das Produkt.

Mit dem aus Pflanzenresten hergestellten Brennstoff können die Reedereien ihre Schiffe betanken. Kvasir hat schon einen möglichen Abnehmer: die Reederei Mærsk, die ihren „normalen“ fossilen Schiffskraftstoff mit nachhaltigem Brennstoff mischen will. Damit entspräche die Reederei einer Vorgabe der Europäischen Union. Schon seit dem 1. Januar dieses Jahres müssen 2 Prozent der Schiffskraftstoffe aus solchen nachhaltigen Brennstoffen bestehen. In den kommenden Jahren steigt der Anteil noch.

Bisher kann das Produkt von Kvasir Technologies nur beigemischt werden. Man arbeite jedoch an einer Lösung, um es unvermischt mit dem Schiffsschweröl benutzen zu können, sagt Ulrik Falkenberg Lending.

Wunschkunde der Kommune

Für die Kommune erfüllt sich mit dem neuen Hafenkunden ein Wunsch: Der Stadtrat hatte beschlossen, dass sich auf dem Hafengelände des früheren Enstedt-Werkes, wo früher Strom mithilfe von Kohle produziert wurde, Unternehmen ansiedeln sollen, die sich auf dem nachhaltigen Energiesektor positionieren wollen oder dies schon haben.

Die Infrastruktur passt zum Neukunden. Schiffe werden die Pflanzenreste anliefern. Später, wenn die Anlage nachhaltigen Kraftstoff produziert, können dort Schiffe anfahren, um dort zu tanken.

Modernisierung der Hafenanlagen – in Gemeinschaft

Allerdings sollen die Kaianlagen modernisiert werden, sagt Hafendirektor Henrik Thykjær gegenüber dem „Nordschleswiger“. Er geht davon aus, dass der Hafen einen Teil der Investitionen übernimmt, den anderen sollen die anrainenden Unternehmen tragen. „Eine Gemeinschaftsaufgabe“, so der Hafenchef.

Eine halbe Milliarde Kronen wird Kvasir investiert haben, wenn die Anlage 2028 in Betrieb geht, berichtet Falkenberg Lending. Noch ist das Unternehmen auf der Suche nach Investoren. 90 Millionen Kronen sind bisher gesammelt worden. Weitere Gelder sollen unter anderem durch Beteiligungen bis zum Baubeginne 2026 hinzukommen. Dann hofft, Falkenberg Lending, sei die Finanzierung gesichert.

50 Arbeitsplätze kommen mit der Produktionsanlage. Darüber freut sich der Apenrader Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Kons.), der jedoch auch stolz ist, ein Unternehmen in Apenrade begrüßen zu können, das die „grüne Umstellung“ unterstütze und den Plan der Kommune, eine Hochburg nachhaltiger Energieproduktion zu werden, vorantreibe.

Kvasir Technologies

2012 bis 2017 akademische Forschung an der Dänischen Technischen Universität (DTU)

2018 bis 2019 Gründung des Unternehmens

2020 bis 2023 Pilotprojekt

2024 Produktion und Großversuche

Später sollen auch Kraftstoffe für Flugzeuge produziert werden.