Kriminalität

Oberärztin mahnt: Passt aufeinander auf – „Drugging“ kann lebensbedrohlich sein

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Es gibt Verdacht auf elf Drugging-Fälle beim Ringreiterfest in Sonderburg (Symbolfoto).

Ungewollte Drogen im Getränk: Die Expertin Dorte Fris Palmqvist rät, sofort zu reagieren, wenn sich der Rausch anders anfühlt, als erwartet. Sie fordert zudem mehr Informationen darüber, dass die Drogen ausgesprochen gefährlich sind.

„Wenn man das Gefühl hat, einen anderen Rausch zu spüren als sonst, sollte man das sofort anderen sagen“, empfiehlt die Oberärztin Dorte Fris Palmqvist im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Zuletzt beim Ringreiter-Fest in Sonderburg (Sønderborg) hat es fast ein Dutzend Verdachtsfälle von sogenanntem „Drugging” gegeben. Also Fälle, in denen Unbekannte ihren Opfern K.-o.-Tropfen in alkoholische Getränke gemischt haben.

„Oft vergeht nur wenig Zeit zwischen den ersten Anzeichen und einem möglichen Verlust des Bewusstseins“, so die Expertin.

Sofort reagieren, wenn sich etwas falsch anfühlt, lautet also der Rat. Auch sollte man im Freundeskreis gegenseitig aufeinander aufpassen. Zeigt jemand Anzeichen von Unwohlsein, sollte man Hilfe rufen. Wer als unbeteiligte Person eine solche Situation beobachtet, sollte ebenfalls reagieren.

Palmqvist leitet die landesweite Telefonhotline „Giftlinjen“ am Bispebjerg Hospital in Kopenhagen. Wer den Verdacht hat, einem Drugging ausgesetzt gewesen zu sein, kann dort anrufen.

Die wichtigsten Ratschläge, um zu vermeiden, Opfer von Drugging zu werden, sind: Niemals sein Getränk unbeaufsichtigt lassen und vorsichtig sein, wenn man ein Getränk von fremden Personen angeboten bekommt.

„Ich möchte betonen, dass wir nur einen Verdacht auf Drugging-Fälle feststellen können. Wir bestätigen diesen nicht durch rechtsmedizinische Blut- oder Urinproben, aber wir empfehlen, einen solchen Verdacht bei der Polizei anzuzeigen“, so die Oberärztin.

Anzeige wichtig

Palmqvist betont, dass eine Anzeige wichtig ist, weil sie es der Polizei ermöglicht, Muster zu erkennen und mögliche neue Druggingfälle zu verhindern.

Aus Analysen der Anrufe an „Giftlinjen“ kann sie ablesen, dass die meisten Fälle im Nachtleben geschehen. Doch auch bei Musikfestivals und ähnlichen Veranstaltungen besteht das Risiko, K.o.-Tropfen verabreicht zu bekommen.

„Die wichtigsten Ratschläge, um zu vermeiden, Opfer von Drugging zu werden, sind: Niemals sein Getränk unbeaufsichtigt lassen und vorsichtig sein, wenn man ein Getränk von fremden Personen angeboten bekommt“, so Palmqvist.

Auch hier rät sie, sich gegenseitig zu helfen, die Drinks im Auge zu behalten. Wer eine Person beobachtet, die sich verdächtig benimmt, sollte sofort reagiert werden.

Andere aus Spaß vergiften: „Trend LOL-Drugging“

Die Ärztin sieht jedoch auch die Behörden in der Pflicht. Es brauche mehr Information über Drogen wie GHB, die typischerweise verwendet werden.

„Ich halte es für wichtig, stärker darüber aufzuklären, wie gefährlich Drugging sein kann.“

Hintergrund dieser Einschätzung: Es gibt Hinweise, dass junge Leute immer häufiger „aus Spaß“ Drogen in Drinks oder auch in E-Zigaretten mischen. Das „Kriminologisk Observatorium“ an der Kopenhagener Universität hat in einer Studie diese Tendenz zum sogenannten „LOL-Drugging“ festgestellt.

„Die Tatpersonen tun dies, weil es ihnen Spaß macht zu beobachten, wie andere die Kontrolle verlieren“, sagt Professor Henrik Vigh, Hauptautor der Studie, laut „TV2 Kosmopol”.

„Im schlimmsten Fall ist es lebensbedrohlich – und ich glaube nicht, dass sich junge Menschen, die ‚aus Spaß‘ jemanden druggen, dessen immer bewusst sind“, sagt Dorte Fris Palmqvist.

Weiter Informationen zu dem Thema findet man unter folgenden Links:

Drugging beim Ringreiterfest in Sonderburg

Zunächst haben drei Personen bei der Polizei gemeldet, sie hätten den Verdacht, beim Ringreiterfest in Sonderburg ein Getränk mit K.o.-Tropfen getrunken zu haben. Am vergangenen Donnerstag haben drei weitere Personen einen solchen Verdacht angezeigt, und am Freitag noch einmal vier. Montag waren es dann elf Anzeigen.

Neun der Anzeigen kommen von Frauen zwischen 25 und 40 Jahren, ein Mann befürchtet, ebenfalls Drugging ausgesetzt gewesen zu sein.

Bei einer solchen Anzeige werden Urin- und Blutproben entnommen, um auf Drogen zu testen.