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Nationales Kulturmilieu Hadersleben – noch Fragen offen

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In der Haderslebener Innenstadt ist alte Bausubstanz erhalten geblieben.

Die Anerkennung als nationales Kulturmilieu könnte für Hadersleben ein Schritt hin zu mehr Sichtbarkeit des historischen Erbes sein, so die Hoffnung. Welche Folgen dies für Planung sowie die Bürgerinnen und Bürger hat, scheint aber noch offen. Der Ausschussvorsitzende Carsten Leth Schmidt hat aber einen Wunsch.

Im Juni vermeldete das Kulturministerium, dass eine Expertengruppe den Stadtkern Haderslebens zusammen mit 15 weiteren Orten Dänemarks als nationales Kulturmilieu ausgewählt hat. Nun hat sich der Technik- und Klimaausschuss der Kommune mit der Angelegenheit befasst. Die Kommune ist aufgefordert, eine Stellungnahme zu schreiben.

Der Liste vorausgegangen war eine politische Absprache aus dem Jahr 2022. Zweck der Initiative „Nationales Kulturmilieu“ soll es sein, schützenswerte städtische Areale mit historischem Wert in ihrer Gesamtheit zu bewahren. Zu den 16 Vorschlägen gehören im Süden Jütlands noch Tondern (Tønder) und Ripen (Ribe).

Der Vorschlag der Expertengruppe bezieht sich in Hadersleben auf die historische Stadtmitte, auf das mittelalterliche Straßennetz und auf den Dom. Da, wie erwähnt, die Kommune Hadersleben noch Stellung zu diesem Vorschlag beziehen muss, nimmt dieser derzeit seinen Weg durch die Ausschüsse. Die Beschlussfassung liegt beim Kommunalparlament, dieses tagt am 26. August. Das Ministerium erwartet eine Stellungnahme bis zum 5. September.

Auswirkungen möglich

Ohne Auswirkungen scheint das Prädikat „Nationales Kulturmilieu“ nicht zu sein: Wie aus dem Bericht zur Sitzung des Technik- und Klimaausschusses hervorgeht, kann der Minister oder die Ministerin Widerspruch einlegen, sollte die Planung der Kommune die Kulturgüter nicht ausreichend schützen.

Der Technik- und Klimaausschuss stimmte der bereits ausgearbeiteten Stellungnahme zu. In dieser heißt es, dass die Kommune der Wahl positiv gegenüberstehe, da sie die Anziehungskraft der Stadt erhöhe. Eine Stadtentwicklung müsse aber weiterhin möglich sein.

Hoffnung auf Fördergelder

Die Kommune möchte gern Klarheit darüber, wie die zuständige Aufsichtsbehörde, die Schloss- und Kulturbehörde, Einfluss auf die lokale Planung der Kommune nehmen wird. Carsten Leth Schmidt (Schleswigsche Partei, SP) ist Vorsitzender des genannten kommunalen Gremiums. Er weist auf eine für ihn wichtige offene Frage hin. „Uns ist nicht klar, ob mit dem Titel auch eine staatliche Förderung verbunden ist, das würden wir gern erfahren.“

Diese könnte dann auch Hausbesitzenden die Aufgabe erleichtern, ihre Immobilie so zu renovieren, dass der historische Charakter erhalten bleibt. „Wir haben ja schon jetzt in unseren Bebauungsplänen festgelegt, mit welchen Materialien und in welchem Stil gearbeitet werden muss. Eventuell müssen wir diese Pläne dann modernisieren.“ Würden mit dem neuen Prädikat „Nationales Kulturmilieu“ Gelder ausgeschüttet, könne ein größeres Stadterneuerungsprogramm auf die Beine gestellt werden, so seine Hoffnung.

In der Kommune Hadersleben zählt das Historische Archiv Hadersleben über 90 Gebäude oder Gebäudekomplexe, die unter Denkmalschutz stehen (bygningsfredning). Das Gesetz dazu ist über 100 Jahre alt. Ein Ausschuss (Fredningsnævnet) mit kommunaler und nationaler Beteiligung entscheidet, ob ein Haus unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Neben diesem Schutz kann die Kommune laut Videncentret Bolius entscheiden, ob ein Gebäude bewahrungswürdig ist. Für Carsten Leth Schmidt ist das Prädikat „Nationales Kulturmilieu“ ein weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten der bestehenden Schutzmöglichkeiten. Zwar seien die Begriffe verschieden, müssten aber zusammengedacht werden, so Leth Schmidt.