Deutsche Minderheit

Museum Sønderjylland kauft Kunstsammlung von Claus Carstensen

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Claus Carstensen vor einem seiner großen Gemälde. Seine eigenen und die Werke, die er über Jahrzehnte gesammelt hat, werden jetzt für alle Menschen in Nordschleswig zugänglich.

Er selbst beschreibt sich als grenzsuchend. Das Museum Sønderjylland nennt den ehemaligen Schüler der Staatsschule Sonderburg einen Brückenbauer zwischen deutscher und dänischer Kunst und hat jetzt seine komplette Kunstsammlung gekauft. Mehr als 1.600 Exponate. Die Rede ist von Claus Carstensen: gebürtiger Sonderburger mit deutschem Hintergrund.

Es wird jetzt ein bisschen eng im Magazin des „Museum Sønderjylland“ in Rothenkrug (Rødekro). Das wurde erst 2021 neu gebaut und ist nun hochmoderne Lagerstätte der insgesamt 1.690 Exponate des Künstlers und Kunstsammlers Claus Carstensen. „Diese Sammlung nimmt da ziemlich viel Platz ein“, sagt Museumsdirektor Axel Johnsen und schmunzelt.

Es ist die bislang größte Investition des Museums in eine Kunstsammlung dieser Größenordnung. 3,6 Millionen Kronen haben die Werke von deutschen und dänischen Künstlerinnen und Künstlern gekostet. Um sie zu bezahlen, erhielt das Museum insgesamt 2,2 Millionen Kronen Zuwendungen aus Stiftungen: von „Ny Carlsbergfondet“, „Augustinus Fonden“ und „Juni Fonden“. 1,4 Millionen Kronen stammen aus dem Kapital des Museums, sagt Axel Johnsen.

Kunstsammlung hat deutlich höheren Wert

Johnsen ist sichtlich stolz darauf, dass die über viele Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung nun dem Museum Sønderjylland gehört. Zumal die gesammelten Werke deutlich mehr wert sind als das, was das Museum dafür gezahlt hat, sagt Axel Johnsen. „Experten aus Kopenhagen schätzen sie auf neun Millionen Kronen.“

Für das Museum ist die Sammlung nicht nur deshalb ein besonderer Schatz. „Claus Carstensen hat das Format des Gemäldes in den 1970er- und 80er-Jahren wieder nach Dänemark importiert. Dort war es nahezu ausgestorben. Carstensen arbeitete zu der Zeit in Köln“, erzählt Axel Johnsen. Künstlerinnen und Künstler dieser Art gebe es nicht viele.

„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“

Claus Carstensen in der Ausstellung „Res Publica" im Kunstmuseum Tondern

Claus Carstensen ist ein Brückenbauer zwischen Deutschland und Dänemark.

Axel Johnsen

Warum verkauft ein Künstler alle die Exponate, die er über Jahrzehnte angeschafft hat? Werke von deutschen und dänischen Kunstschaffenden, darunter Arbeiten von Martin Kippenberger, dessen Werke unter anderem im britischen Tate Modern gezeigt wurden. Oder der weltbekannten, aus Apenrade (Aabenraa) stammenden dänischen Malerin Franciska Clausen, deren Gemälde in den 1920er Jahren in den Pariser Kunsthallen und Galerien neben denen von Picasso und Brâncuși zu sehen waren.

„Ich bin seit vergangenem Jahr Vollpensionist. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mich von der Sammlung zu trennen“, sagt Claus Carstensen. Er wolle nicht, dass sich seine Tochter irgendwann damit herumschlagen muss. Ihm war aber wichtig, dass die Sammlung an den richtigen Ort kommt. „Viele meiner Werke sind ja schon im Sonderburger Schloss oder in Tondern (Tønder). Ich bin sehr froh, dass das geklappt hat“, freut sich Claus Carstensen.

Der Übernahme der Sammlung durch das Museum seien jahrelange Gespräche vorausgegangen, so Carstensen. Dafür sei das Museum aber nun auch der optimale Ort – sagt der Mann, der in Sonderburg geboren ist, familiär einen deutschen Hintergrund hat und sich selbst als Sønderjysk und Reichsdänisch sprechenden Dänen mit internationalem Blick betrachtet.

Die Schülerinnen und Schüler der Staatsschule Sonderburg sehen den Künstler quasi täglich: Vor ihrer Schule steht eine Skulptur von Carstensen, ein Selbstporträt aus Bronze, „Pegeren“, zu Deutsch „Zeiger“. Früher war der spätere Professor der Königlichen Kunstakademie zu Kopenhagen selbst Schüler der Staatsschule Sonderburg.

An der vielschichtigen Kunstsammlung von Claus Carstensen können sich nun Kunstinteressierte aus ganz Nordschleswig und darüber hinaus erfreuen. „Diese Sammlung wird in den kommenden Jahren Dreh- und Angelpunkt sein“, sagt Museums-Direktor Axel Johnsen. Denn viele der Werke werden von nun an in andere Ausstellungen kuratiert. Außerdem werden sich andere Museen Exponate ausleihen.

Claus Carstensen freut sich, dass seine Kunstsammlung im Grenzland ein neues Zuhause gefunden hat.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass sich in der Kunstsammlung auch eigene Werke von Claus Carstensen befinden. Das haben wir am Donnerstagmorgen korrigiert: Die Kunstsammlung besteht ausschließlich aus Werken deutscher und dänischer Künstler, die Claus Carstensen über Jahrzehnte gesammelt hat.