Deutsche Minderheit

Mit Schiffen auf Erfolgskurs: Zum 60. Geburtstag von Rolf Bonnichsen

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Rolf Bonnichsen im Sitzungszimmer bei Mibau Stema: Schiffe haben ihn viele Jahrzehnte begleitet.

Bonnichsen feiert am 17. Dezember seinen runden Geburtstag. Aufgewachsen ist der heutige Apenrader in Lendemark bei Bülderup. Nach dem Besuch der deutschen Institutionen hat es ihn an die Küste verschlagen, wo er heute Schiffsfrachten über die Meere dirigiert, ohne die sogar der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels unmöglich wäre. Ein Talent hat der zweifache Vater erst spät entdeckt.

Der Siebenjährige sah auf die Apenrader Förde. Vom Garten seiner Tante und seines Onkels in Hostrupholz (Hostrupskov) aus konnte er auf das Wasser schauen. Dort peilte die Emma Jebsen den Hafen an. Das Schiff der Apenrader Reederei M. Jebsen steuerte von der Werft in Rendsburg den Heimathafen an, um dort getauft zu werden. „Ein faszinierender Anblick. Für damalige Verhältnisse handelte es sich um einen großen Pott. Und für einen kleinen Jungen sowieso“, erinnert sich Rolf Bonnichsen heute, über 50 Jahre später. „Seither habe ich von Schiffen geträumt“, sagt er.

Dass der Junge aus Lendemark auf der Geest einmal sein halbes Leben mit Schiffen verbringen und selbst bei einer Schiffstaufe dabei sein sollte, war damals nicht vorherzusehen.

Von der Geest an die Waterkant

Bonnichsen auf der Dachterrasse des Unternehmenssitzes am Sydhavn

Rolf Bonnichsen wuchs auf dem Hof seiner Eltern auf, besuchte den deutschen Kindergarten in Lendemark sowie die deutschen Schulen in Buhrkall (Burkal) und Tingleff (Tinglev). Nach einem Jahr an der Handelsschule in Apenrade begann er seine Ausbildung zum Speditionskaufmann bei der Firma Lehmann in Pattburg (Padborg). „Ich mochte die Logistik“, sagt der zweifache Vater. Sieben Jahre blieb er dort. Dann kam der Wechsel.

Bis heute ist die Liebe zur Logistik geblieben, doch statt mit dem Lastwagen durch Europa steuert er die Waren seit April 1989 mit Schiffen über die Meere. Er begann bei der Firma Stema Shipping, die damals ihren Sitz in einer Baracke am Apenrader Nyhavn hatte.

Deutscher Mauerfall mit Stema mittendrin

„Ich kam zum richtigen Zeitpunkt“, sagt er rückblickend. Die Mauer zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik fiel in dem Jahr. Eine große Chance für das Unternehmen, das sich auf den Transport von Rohmaterialien für den Bau wie Sand, Kies und Steine spezialisiert hatte, denn schon bald begannen die Bauarbeiten in dem maroden Land. Autobahnen und Häuser wurden gebaut. Stema und Bonnichsen waren mittendrin und lieferten die Rohstoffe.

Die deutsche Sprache, die ihm mitgegeben wurde, war hilfreich, um Kunden aus Deutschland zu gewinnen. Stema expandierte, entwickelte sich weiter und hat heute eigene Steinbrüche in Norwegen, eigene Hafenplätze und verfügt über eigene Schiffe. Die Starnes, das jüngste Schiff des Unternehmens, hat er bei der Taufe begleitet. „Ein Kreis, der sich geschlossen hat“, meint Bonnichsen mit Blick auf die Emma-Jebsen-Taufe.

Rolf Bonnichsen ist seit Jahren Direktor für den dänischen Markt. Von damals neun Mitarbeitenden ist ihre Zahl auf über 450 gestiegen. Stema Shipping ist mit dem deutschen Mibau fusioniert und heißt Stema Mibau.

Was kommt nach über 40 Jahren Arbeit?

Bald sind es 40 Jahre, die Bonnichsen das Unternehmen mitgestaltet hat. Ans Aufhören denkt der passionierte Schwimmer – jeden Morgen zieht er in der örtlichen Schwimmhalle seine Bahnen – nicht. Doch er hat schon einen Plan für die erste Zeit im Ruhestand: „Ich möchte allein den Heerweg von Pattburg bis nach Skagen hinauf wandern“, berichtet er. Das soll gleichzeitig der Start eines neues Lebensabschnitts sein. „Das Leben wird vom Kalender bestimmt. Das soll dann anders werden. Ich will den Kopf freibekommen“, so sein Plan.

Das Wandern haben Rolf und seine Frau Tina in der Corona-Zeit für sich entdeckt. „Wir fangen ein neues Leben an. Ich bin stolz, auf das, was ich gemacht habe, aber ich freue mich auch, was anderes zu machen.“ Was das sein wird, wisse er noch nicht.

Lampenfieber in den Griff bekommen

Bonnichsen bezeichnet sich als zurückhaltend. Vor Menschen stehen und Reden halten: immer eine Herausforderung – trotz Kursen und Fortbildungen. Doch Herausforderungen stellt man sich. Deshalb hatte er sich zur Apenrader Revue gemeldet. Das war 2008, erinnert er sich. Vorher hatte er zwar schon die Schauspieler auf der Laienbühne in Saxburg gesehen, „ich habe gehört, dass gesagt wurde: Wenn man sich von der Angst vor Leuten zu sprechen frei machen möchtest, dann musst du dich auf die Bühne wagen“.

Dann der Tag des Vorsprechens: „Ich stand vor der Tür und überlegte: Gehe ich hinein oder lass’ ich es“, erzählt Bonnichsen. Dann der entscheidende Moment. Ein Mann kam raus, sah Rolf und zog ihn kurzerhand mit hinein. Zwei Jahre stand er mit auf der Bühne, sang und tanzte sogar.

Das Singen ist geblieben. Seit 2018 hat sich Rolf Bonnichsen in die Reihen des Chors der Nordschleswigschen Musikvereinigung gemischt.

Seinen 60. Geburtstag am 17. Dezember wird er im Kreise der Familie feiern. Eine große Feier wolle er nicht, denn „dann kann man sich gar um den Einzelnen kümmern“, findet er. Deshalb wird in „Etappen“ gefeiert, mit verschiedenen Menschen zu verschiedenen Zeitpunkten.