Geburtstag

In seinem Herzen springen drei Makrelen: Gunnar Pedersen wird 95

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Gunnar mit dem Modell, nach dem die „Amanda“ entstanden ist (Archivfoto).

Der gebürtige Kerteminder ist nicht nur leidenschaftlicher Lokalpatriot, sondern auch maritim geprägt: Seine selbst gebaute „Amanda“ hat gerade die Lofoten erreicht – ein Traum, den er einst selbst nicht vollenden konnte. Jetzt feiert er – natürlich mit Räucherfisch-Burgern.

Wenn Gunnar Pedersen am Dienstag seinen 95. Geburtstag feiert, dann in bester Apenrader Tradition – maritim, herzlich und mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. Statt großer Tafel mit Bedienung erwartet die Gäste ein Büfett mit Räuchermakrelen-Burgern. „Ich stelle alle Zutaten bereit – den Rest müssen sie schon selbst machen“, sagt er und lacht. Ganz der Praktiker, der er immer war.

Dabei hätte das Leben ihn ursprünglich gar nicht nach Apenrade führen sollen: Als junger Maschineningenieur kam der gebürtige Kerteminder auf der Suche nach beruflicher Orientierung zum Hochspannungswerk in die Stadt. Es sollte nur eine Zwischenstation sein – doch dann verliebte er sich. In eine junge Apenraderin. Und in Apenrade selbst. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Ein Herz für Hafen, Meer und Makrelen

Gunnar Pedersen ist bis heute ein Lokalpatriot durch und durch – es gibt wohl kaum einen „Eingeborenen“, der die Apenrader Makrelenfahne mit mehr Überzeugung hochhält als er. Besonders die maritime Geschichte der Stadt hat es ihm angetan. Kaum ein Projekt im oder am Hafen, bei dem er nicht irgendwann irgendwie seine Finger mit im Spiel hatte.

Seine Nähe zum Meer hat Wurzeln: In Kerteminde wuchs er direkt am Hafen auf, sein Vater war Hafenarbeiter. Von ihm erbte er nicht nur das handwerkliche Geschick, sondern auch die Liebe zur Natur – und das Jagen. Pedersen machte eine Ausbildung zum Maschinentechniker, anschließend folgte ein Ingenieursstudium.

In Apenrade fand er nicht nur Arbeit, sondern auch seine große Liebe: Angela, die der deutschen Minderheit angehörte. Gemeinsam zogen sie die Kinder Jens Olaf und Gia groß – beide haben seine Begeisterung für das Maritime geerbt, ebenso wie der älteste Urenkel, der achtjährige Aslak, der sich mittlerweile selbst Kapitän nennen kann. Er sitzt dabei nicht am Steuerrad irgendeines x-beliebigen Bootes, sondern steuert die „Johanne“, das endgültig letzte Boot des Urgroßvaters aus Apenrade.

Die „Johanne“ hat im Hafen von Lynæs in Nordseeland ein neues Zuhause gefunden.

Die „Amanda“ hat ihr Ziel erreicht

Ein Höhepunkt im Leben von Gunnar Pedersen war der Bau seines eigenen Holzseglers, der „Amanda“. Mitte der 1980er-Jahre brach er mit seiner Partnerin Inger zu einem einjährigen Segeltörn auf, der im Mittelmeer begann. Der Traum, mit der „Amanda“ auch die Lofoten zu erreichen, scheiterte damals knapp: In Bergen musste das Paar umkehren – die Zeit reichte nicht mehr, Inger hatte nur ein Jahr Urlaub.

Doch nun hat die „Amanda“ ihr Ziel doch noch erreicht – wenn auch mit neuem Kapitän. Aktuell befindet sich das Boot mit seinem heutigen Eigner Finn Brodersen tatsächlich auf den Lofoten. Gunnar Pedersen verfolgt die Reise mit großer Freude auf seinem Tablet. „Ich freue mich, dass meine ‚Amanda‘ jetzt doch noch dorthin gekommen ist“, sagt er – und man spürt, wie sehr ihn das bewegt.

Mit 95 noch mobil – und voller Pläne

Gunnar Pedersen freut sich, dass die von ihm gebaute „Amanda“ – mit jahrzehntelanger Verspätung – nun doch die Lofoten erreicht hat.

Gunnar Pedersen hat sich seinen Witz, seine Neugier und seine Eigenständigkeit bis heute bewahrt. Mit 95 Jahren sitzt er noch selbst am Steuer seines Autos und bleibt mobil – ob für Besorgungen, spontane Ausflüge oder Besuche bei Freunden. Die Energie und Lebensfreude, die er ausstrahlt, stecken an.

Am Dienstag wird gefeiert – nicht ganz so pompös, wie eigentlich geplant, weil der Nacken schmerzt, aber dafür mit viel Herz. Und wer Glück hat, darf sich seinen Makrelen-Burger direkt neben dem Jubilar selbst zusammenbauen.