Nachhaltigkeit

Heizen, das verbindet: Wie Fernwärme Klima und Geldbeutel schont

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Durch solche Rohre erreicht die Fernwärme die Heizkörper in den Häusern der Menschen.

Fast 1.000 Kronen sparen private Haushalte in der Apenrader Nachbarstadt Gjenner durchschnittlich im Jahr. Die Einsparungen konnten unter anderem durch eine variable Wärmeproduktion erreicht werden – die zudem noch umweltfreundlich ist.

Hier wird mit Gas geheizt, dort noch mit Öl: Diese zwei Arten, Häuser und Wohnungen aufzuwärmen, sind zum einen teuer und zum anderen nicht nachhaltig. Zudem entsteht beim Verbrennen von Öl und Gas CO₂, das das Klima belastet und mitverantwortlich ist für die globale Erwärmung.

Gemeinsam statt jeder für sich – die Rolle der Fernwärme

Besser ist da die Fernwärme. Zentral wird warmes Wasser erzeugt und über Rohre an die privaten Haushalte geliefert, um dort die Heizkörper zu erwärmen. Inzwischen sind knapp 70 Prozent der Haushalte im Land an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Die Fernwärme wird von lokalen, genossenschaftlich organisierten Unternehmen betrieben, die in kommunaler Hand sind – also lokal mit und für die Bürgerinnen und Bürger.

Gjenner, Hellewatt und Haberslund machen es vor

So ist es auch in Gjenner, Hellewatt und Haberslund. Die drei Orte haben sich zusammengeschlossen und betreiben gemeinsam das Fernwärmenetz „Genner, Hellevad & Hovslund Forenede Kraftvarmeværker (GHH)“. Drei Fernwärmeöfen gehören zur Genossenschaft, die nahe den Ortschaften liegen. Diese Art von Unternehmen macht keine Gewinne. Die Bürgerinnen und Bürger sind Teilhabende und können sich bei Sitzungen direkt am Geschehen beteiligen.

Konkreter Nutzen: Günstigere Heizkosten

Aktuell konnte der Vorstand von GHH bekannt geben, dass die Preise für die Wärme gesenkt werden können. Statt bisher 750 Kronen je Megawattstunde (MWh) zahlen die Verbraucherinnen und Verbraucher ab dem 1. Juli nur noch 695 Kronen.
Für ein Standard-Einfamilienhaus (130 Quadratmeter, ca. 18,1 MWh Verbrauch) bedeutet das eine jährliche Einsparung von etwa 1.000 Kronen.

Wie diese Einsparungen möglich wurden

Noch vor fünf Jahren wurde die Fernwärme bei GHH fast vollständig durch das Verbrennen von Holzhackschnitzeln erzeugt. Heute sieht das anders aus:

  • Der Strom für Luft-Wärmepumpen und Kessel wird zunehmend aus Solar- und Windenergie gewonnen.
  • Auf den Dächern der drei Heizkraftwerke wurden Solaranlagen installiert, um den Holzverbrauch und damit die Kosten zu senken.
  • Auch stabile Preise für Holzhackschnitzel und ein milder Winter sorgten für geringere Ausgaben.

Fernwärmeausbau als Reaktion auf globale Krisen

Stromverbrauch

Ein Standard-Einfamilienhaus benötigt durchschnittlich etwa 18 Megawattstunden (MWh) im Jahr zum Heizen.

Der Ausbau des Fernwärmenetzes in der Kommune Apenrade wurde vor allem durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die daraus resultierenden Gasengpässe beschleunigt. Ziel ist es, unabhängig von fossilen – teils russischen – Energiequellen zu werden.

Der dänische Klimaschutzplan sieht vor: Bis spätestens 2035 sollen alle Heizungen, die noch mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, ersetzt sein.

Nicht überall ist Fernwärme möglich

Doch nicht überall lässt sich Fernwärme wirtschaftlich umsetzen – der Ausbau ist in manchen Regionen schlicht zu teuer. Dann sind individuelle Lösungen gefragt, etwa:

  • Luft-Wärmepumpen,
  • Erdwärme-Anlagen oder
  • kleinere lokale Netze.

In vielen kleineren Ortschaften, etwa in Tingleff (Tinglev), sind Ortsvorstände bereits im Gespräch mit Anbietern. Dort haben sich über die Hälfte der Bevölkerung für einen Fernwärmeanschluss entschieden.

CO₂-Einsparung durch Wärmewende

Ein großer Vorteil der Fernwärme: Die Wärmeerzeugung wird klimafreundlicher, weil:

  • nachwachsende Rohstoffe CO₂-neutral verbrannt werden,
  • Solar- und Windenergie direkt zum Einsatz kommen.

Durch den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Fernwärme kann der CO₂-Ausstoß bis 2030 um bis zu 44 Prozent gesenkt werden. Gelingt das, werden jährlich etwa 13 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase freigesetzt – so das Ergebnis des Branchenverbands Dansk Fjernvarme.

Zu guter Letzte: Fernwärme-Vorteil für Hausbesitzende

Ein weiterer Vorteil der Fernwärme: Hauseigentümer müssen sich nicht mehr um eine eigene Heizung kümmern. Weder Einbau- noch Wartungskosten schlagen zu Buche. Auch Umweltstandards, die sich gesetzlich jederzeit ändern können, müssen nicht umgesetzt werden: darum kümmert sich das Fernwärmeunternehmen.