Deutsche Minderheit

H. W. Iwersen: Als Rentner mit Fulltimejob und Blutdruck eines Jungspundes

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Kaum zu glauben bei dem Aktionsradius: Hans Werner Iwersen aus Tingleff ist 70 geworden.

Beruflich sattelte Hans Werner Iwersen aus Tingleff mit über 60 Jahren um. Er geht gern zur Arbeit, und das soll sich auch mit 70 nicht ändern. Was den früheren Rothenbeker antreibt.

Einen Blutdruck von 133-83, drahtig, sportlich, erlebnishungrig und kontaktfreudig. Diese Attribute können so manchen jungen Menschen zugesprochen werden.

Der Blutdruck-Traumwert und das dynamische Wesen treffen auch auf Hans Werner Iwersen aus Tingleff zu. Der Unterschied: Der in der deutschen Minderheit bekannte Mann vollendet am heutigen Dienstag (30. September) sein 70. Lebensjahr.

Offenes Haus

Wie man es von dem zu- und umgänglichen gebürtigen Rothenbeker (Rødebæk) nicht anders erwarten würde, „ist an meinem Geburtstag den ganz Tag bei uns am Timianvænget offenes Haus. Jeder kann vorbeikommen.“

Iwersen sagt es mit erkennbarer Vorfreude. Er hat gern Menschen um sich, interessiert sich für andere und hält gern einen Schnack.

Warum er mit seinen 70 Lenzen noch so fit ist, wird verschiedene Gründe haben, meint der ehemalige Schüler der Deutschen Schule Tingleff.

Lebensfreude und Bewegungsdrang

Neben der Veranlagung, einer gesunden Lebensführung und einer positiven Einstellung hält der Jubilar eine These für besonders wichtig: „Wer rastet, der rostet.“

Dieser Leitsatz trat unter anderem in den Mittelpunkt, als Hans Werner Iwersen den Milchviehbetrieb in Rothenbek aufgrund zu hoher Pachtpreise für Weideflächen einstellte. „Wegen der Nachfrage für Biomais schnellten die Preise in die Höhe“, so Iwersen.

Klimmzüge sind auch mit 70 einfache Übungen für den sportlich veranlagten Hans Werner Iwersen.

Sich dem Rentenalter nähernd, schien es an der Zeit, den Hof und die Ländereien an Sohn Lasse zu übergeben und sich so langsam dem Ruhestand zu widmen.

Aber weit gefehlt! Als Hans Dampf in allen Gassen sattelte Hans Werner Iwersen um, und absolvierte mit Anfang 60 eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und -gestalter.

Seit 2018 arbeitet er für eine Firma in Rothenkrug (Rødekro) – Fulltime, versteht sich.

„An die 45 Stunden die Woche kommen da zusammen. Das stört mich aber nicht. Ich mag die Arbeit und halte es für wichtig, in Gang zu sein“, so das Credo des sportbegeisterten Mannes.

Allmählich denkt aber auch er ans Kürzertreten, allerdings relativ: „Mir schwebt eine 4-Tage-Woche vor“.

Handball und Ehrenamt

Handball ist zeitlebens die große Leidenschaft von Hans Werner Iwersen gewesen. Er geht immer noch auf Torejagd und trommelt für Oldboy-Turniere alte Handballkumpanen zusammen. „Mittlerweile bin ich der Älteste“, erwähnt Iwersen mit einem Schmunzeln.

Ganz viele Jahre lang war er Vorsitzender des JRO (Jugendbund Rapstedt-Osterhoist), Spieler und Trainer und setzte sein Engagement später als Trainer und Spieler beim SV Tingleff fort.

Als eingefleischter Angehöriger der Deutschen Minderheit setzt er sich zudem für den Sozialdienst ein und gehört dem überregionalen Seniorenausschuss an.

Der Handball hat für Hans Werner stets eine wichtige Rolle gespielt.

Wenn es dem agilen Tingleffer mal gelingt, es etwas ruhiger anzugehen, dann entspannt er sich mit Ehefrau Pia im gemeinsamen Sommerhaus in Blåvand.

Respekt vor Sohnemann

Stolz ist der Jubilar auf seinen Sohn Lasse, der auf dem Familienanwesen in Rothenbek lebt und eine Firma aufgebaut hat, die Transportleistungen, Landwirtschaftsmaschinen und Handel mit Stroh anbietet. „Er hat inzwischen 200 Mitarbeitende. Das ist ja schon bewundernswert“, sagt der Papa auch im Namen seiner Frau hochachtungsvoll.

Jetzt steht erst einmal das offene Haus bei den Iwersens in Tingleff im Mittelpunkt, um mit Freunden, Nachbarn und Weggefährten auf den Geburtstag anzustoßen. Davon gibt es im Umfeld des frühen Rothenbekers reichlich.

Am Wochenende folgt dann die große Sause mit geladenen Gästen im Saxburger Krug. Für die Geburtstagsfeier hat Hans Werner eine für ihn typische Aufforderung herausgegeben: „Ich habe allen gesagt, dass sie Tanzschuhe mitbringen sollen. Es soll so richtig geschwoft werden.“

Treu dem Motto: Wer rastet, der rostet!