Glaube

Goldkonfirmation in Tondern: Man hatte sich viel zu erzählen

Veröffentlicht Geändert
Sie wurden im Zeitraum von 1970 bis 1976 konfirmiert. Für das Foto wurde sogar die schwere Bank vom Brorsonhaus ins Freie geschleppt.

Der gebürtige Tonderaner Frank Lange hatte von Norwegen die weiteste Anreise. Er freute sich auf das Wiedersehen, bedauerte aber, dass nicht mehr aus seinem Jahrgang gekommen waren. Er und seine Schwester Heidi waren die einzigen, deren Eltern auf der Kirchenbank saßen.

Als wenn man ein Radio anmacht, starteten die Gespräche im Tonderner Gemeindehaus sofort, wo sich am Sonntagvormittag die Goldkonfirmandinnen und Goldkonfirmanden trafen, die im Zeitraum von 1970 bis 1976 in Tondern in der Christkirche, in Abel (Abild) oder in Uberg (Ubjerg) konfirmiert worden waren. Sogar bis in die Fußgängerzonen drangen die angeregten Gespräche.

Unter den 35 Hauptpersonen befand sich auch Frank Lange, der seit 30 Jahren in Norwegen lebt. Er hatte den längsten Anfahrtsweg.

„Ja, ich freute mich, zu kommen, bedauere aber, dass nicht mehr von meinem Jahrgang gekommen sind. Aber man kennt sich ja auch von der Ludwig-Andresen-Schule und mit ihnen kann man ja auch schnacken“, freute sich Lange, der 1973 in der Christkirche eingesegnet worden war. Bis auf Dirk Andresen habe er keinen Kontakt mehr zu früheren Klassenkameradinnen und -kameraden.

Zwei Jahre nach ihm wurde seine Schwester Heidi eingesegnet, die somit am Sonntag auch zum Kreis der Goldkonfirmandinnen und Goldkonfirmanden zählte. Ihr Jahrgang und der ihres Bruders waren nur jeweils mit vier Teilnehmenden vertreten. Dafür waren die Geschwister die einzigen, deren Eltern beim Gottesdienst dabei sein konnten. Ihre Mutter Inge ist 88 Jahre alt, ihr Vater Ernst ist zwei Jahre älter.

Frank Lange wurde 1973 in der Christkirche konfirmiert. Die Feier fand im Elternhaus an der Østergade 13 statt.

„Einige haben vielleicht einen Moment des Zögerns erlebt, als sie im vergangenen Jahr unerwartet einen Brief von der deutschen Kirchengemeinde in Tondern erhielten. Einen Brief vorzufinden, hat ja mittlerweile schon Seltenheitswert. Andere konnten es vielleicht kaum glauben, dass sie schon an der Reihe waren, goldene Konfirmation zu feiern, bis in ihnen die Erinnerung an Schulzeit, Jugend und Pubertät aufkommen“, sagte Pastorin Dorothea Lindow in ihrer Predigt.

Die stolzen Eltern Ernst und Inge Lange mit ihren Kindern Heidi und Frank

Nicht alle Eingeladenen wären gekommen. „Einige hatten andere Termine, andere hatten kein Interesse und dritte wollten vielleicht ihre Schulzeit vergessen“, meinte sie weiter.

„Man wurde bei seiner Konfirmation als Erwachsener in den Kreis aufgenommen oder wollte es zumindest sein“, sagte die Pastorin und las aus dem 1. Korintherbrief, Absatz 13, vor „Als ich ein Kind war, da redete und dachte ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind. Als ich aber erwachsenen wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Jeder bekam einen „Spiegel“ im Liederblatt.

„Wie bist du doch schön“

Sie hatte sich dazu einen kleinen Gag ausgedacht. Im Liederblatt hatte sie Alu-Karten als Überraschung gesteckt, die als Spiegel dienen sollte. Sie freue sich über die Liederwahl des Kammerchors der Musikvereinigung, der mit zwei Beiträgen dem Gottesdienst eine besonders feierliche Note verlieh. Das zweite Lied „Wie bist du doch schön“ vom norwegischen Komponisten Edvard Grieg passte hervorragend zum Thema.

Nach dem Gottesdienst und einem Mittagessen in Hostrups Hotel ging es an die Ludwig-Andresen-Schule, in der die meisten wohl die Schulbank gedrückt haben. In Begleitung von Schulleiterin Bonnie Rathje-Ottenberg konnten die Klassenräume nochmals besichtigt werden. „An diesem Angebot wollten alle Anwesenden teilnehmen“, freut sich Gemeinderatsmitglied Anke Haagensen, „und es wurde ein ausgiebiger Rundgang“.

Die aufgestellten Schnackstühle in der Mitte der Tische, falls man bei einem Platzwechsel wünschte, waren heiß begehrt. Nach fast neunstündigem Zusammensein rauchten den Teilnehmenden die Ohren, als sie nach Hause gingen.

Da packte Gemeinderatsmitglied Anke Haagensen an, während die lächelnden Gentlemen zuschauten. Die schwere Bank des Brorsonhauses wurde beim Fototermin ins Freie getragen.

Sie nahmen an der goldenen Konfirmation teil (alphabetische Reihenfolge):

Amanda Hansen, Annkatrin Solager, Anneli Seide Lorenzen, Birgit Jepsen, Christa Hansen, Elisabeth Saalfeldt, Hanna Bellmann, Hanna Christine Lück Dahl, Heidi Iwersen, Heidi Konstmann-Lange, Heidi Christensen, Ilse Christensen, Inge Martensen, Johanne Edlefsen, Karin C. Bennetsen, Kirsten Lorenzen Jessen, Margit Matzen, Randi Wolf, Wiebke Johannsen, Dieter Bruhn, Dirk Andresen, Frank Lange, Fred Martin Lorenzen, Gert Holt, Jørgen Schmidt, Jørn Adzersen, Kurt Freiberg, Kurt Haagensen, Lars Ulsdal, Martin Jørgensen, Peter Boy Andresen, Peter Knudsen, Peter Christian Sørensen, Uwe Sørensen, Werner Tygsen.