Bauen und Renovieren

Geschichte bewahren, nachhaltig modernisieren: Das neue Leben des Marcussen-Hauses

Veröffentlicht Geändert
Die Fassade der Orgelmanufaktur zeigt nur einen kleinen Teil des Gebäudes. Dieses erstreckt sich weit nach hinten hinaus.

An der Storegade liegt eines der ältesten Häuser der Stadt. Seit 1806 ist dort die Orgelmanufaktur Marcussen & Søn beheimatet. Das Vorderhaus ist jetzt umfassend unter nachhaltigen Aspekten restauriert worden. Ein modernes Wohn- und Arbeitsambiente mit historischen Wurzeln ist entstanden. „Der Nordschleswiger“ hat einen Blick hineinwerfen können und wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat bald die Chance.

Als 1723 die erste Familie die Tür des Hauses an der Storegade 30 öffnete, konnte niemand ahnen, dass Jahrhunderte später noch immer dieselben Dielen Geschichten erzählen würden – restauriert und moderner denn je.

Von außen ist kaum eine Veränderung an der Fassade des Hauses zu erkennen. Tür und Fenster sind neu gestrichen, was allerdings erst beim zweiten Blick auffällt. Innen ist allerdings einiges passiert.

Das Hauptgebäude wurde im Jahr 1723 errichtet und gilt damit als eines der ältesten Häuser der Stadt. Seit 1806 liegt dort die Orgelmanufaktur Marcussen & Søn. Das Unternehmen hat das Gebäude Stück um Stück erweitert, um den steigenden Anforderungen nachzukommen. Die Instrumente werden heute im hinteren Teil, der sich um den historischen Innenhof rankt, gefertigt.

Im August 2022 hat die Familie Zachariassen, Inhaber der Orgelbauerei, das Haus an den philanthropischen Bauverein Realdania By og Byg verkauft. Der Aufwand, das Gebäude instand zu halten, war zu groß.

Der Innenhof: Das Pflaster stammt aus früheren Jahrhunderten. Die Gebäude wurden nach und nach angebaut.

Marcussen & Søn ist seither dort Mieter. Das Vorderhaus wurde restauriert. Alle Baumaterialien und vorhandene Ausstattungen wie Türen und Fenster wurden dabei wiederverwendet. Sie sind von alter Farbe befreit und neu gestrichen. Aus alten Holzböden sind Wände geworden.

Es ist sehr nachhaltig restauriert worden. Neue Materialien sind nur in sehr begrenztem Umfang verwendet worden. Bloß in der Küche und in den Badezimmern gibt es neue Schränke, Waschbecken und Toilettenschüsseln. Alte gusseiserne Heizkörper sind komplett von Farbe befreit und neu gestrichen worden.

Der Treppenaufgang zum ersten Stock: Die Treppe ist abgeschliffen und neu lackiert worden. Es läuft sich darauf wie auf einem Teppich, so weich federt das Holz die Schritte ab. Durch die Türen links und im Hintergrund geht es in die Erdgeschossräume, die inzwischen schon vermietet sind. Über den steinernen Boden sind viele Generationen der Marcussen-Familie und deren Angestellte gegangen.

Das spart Energie für die Herstellung von neuen Produkten sowie entfallen Tarnsportkosten. Außerdem werden Ressourcen geschont.

Ansonsten sind überall dieselben Türen geblieben, die nur mit einem neuen Anstrich versehen wurden.

Die Wand besteht aus alten Bodendielen und ist weiß gestrichen worden.

Einzigartig sind einige hölzerne Türen, die – so die Mode vor 200 Jahren – in Eichenoptik aufwendig bemalt sind. Das galt damals als schick und zeigte: Man konnte es sich leisten.

Besonders bei den Farben haben Frants Frandsen und Anders Brüel, die Architekten von Realdania, auf die historische Bedeutung geachtet. Dabei hatten sie Hilfe von Farbkonservatoren des Nationalmuseums, die das Haus farbarchäologisch untersucht.

Die beiden Badezimmer im ersten Stock haben einen neuen Terrazzoboden bekommen, zwei der wenigen neuen Elemente im Haus.
Mehrere Kachelöfen sind in den Räumen geblieben. Die Heizkörper sind gereinigt und neu gestrichen worden. Die Heizungsrohre sind in der Wandfarbe gehalten, Türen und Decken abgesetzt. Der Boden ist frisch geschliffen und geölt.

Bild- und Archivmaterial war jedoch nur wenig vorhanden, weshalb sich die Architekten auf Untersuchungen der Farbschichten im Haus beschränken mussten.

Herausgekommen ist eine klassische Farbkombination, die trotzdem modernes Flair vermittelt.

Die Handwerker, die Realdania beauftragt hatte, kamen alle aus der näheren Umgebung Apenrades. Manche von ihnen sind auf Restaurierungen spezialisiert.

Im Erdgeschoss sind Büroräume mit einer Teeküche entstanden. Ein Mieter wurde gefunden. Die repräsentative Wohnung im ersten Stock verfügt über etwa 250 Quadratmeter, verteilt auf sieben Zimmer, eine Küche, eine Speisekammer und zwei Badezimmer. Dort sind die Farben aus der Mitte des 18. Jahrhunderts wiederbelebt worden. Wer sich dort einmietet, steht bislang nicht fest.

Realdania

Realdania ist ein philanthropischer Verein, der sich dafür einsetzt, durch Bauen und Bauten Lebensqualität zu schaffen. Es wird Wert darauf gelegt, die Erfahrungen aus Projekten zu teilen und Wissen zu verbreiten.

Drei Strategien stehen im Vordergrund.

Der Verein finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen der etwa 175.000 Mitglieder sowie den Gewinnen aus den Investitionen in Bauprojekte.

Realdania By & Byg ist eine Tochtergesellschaft von Realdania. Es kauft historisch oder kulturell wertvolle Immobilien in Dänemark und setzt diese instand.

Die Farben wurden im 18. Jahrhundert verwendet. Der Blick aus dem Bürozimmer zeigt das Treppenhaus im ersten Stock.
Der Blick durch die Flügeltür in die weiteren Räume im ersten Stock
Der Heizkörper aus Gusseisen hat einen Schacht, der früher zum Warmhalten der Speisen diente.

Wer sich selbst ein Bild von den Restaurierungsergebnissen machen möchte, ist am Sonntag, 15. Dezember, von 12 bis 15.30 Uhr herzlich willkommen zum Tag der offenen Tür. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Bei Stadtführungen ist der Innenhof der Orgelmanufaktur Marcussen & Søn oftmals ein Ziel.

Die Eingangstür erstrahlt im neuen Farbglanz. Auch hier haben die Architekten großen Wert auf zeit-authentisches Design gelegt.
Treppensockel und Treppengeländer haben einen neuen Anstrich bekommen.